Zuhören in der Medizin.

Der Arzt-Patienten-Dialog.

Die durchschnittliche Konsultationsdauer in deutschen Allgemeinarztpraxen beträgt 7,6 Minuten, nach rund 18 Sekunden übernehmen Ärzte das Gespräch von ihren Patienten. Dabei ist es wissenschaftlich erwiesen, dass das Zuhören als wichtiges Moment der ärztlichen Untersuchung und Behandlung wesentlich zur Gesundung der Patienten beiträgt.

Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie sich optimal auf einen Arztbesuch vorbereiten und was Sie während des Termins beachten sollten – damit viel Zeit für´s Zuhören bleibt!

So viel Zeit wird dem Zuhören beim Arzt gewidmet*

  • Die durchschnittliche Konsultationsdauer in deutschen Allgemeinarztpraxen beträgt nur 7,6 Minuten
  • Nach durchschnittlich 18 Sekunden übernimmt der Arzt das Gespräch – zum Beispiel, weil er in die Schilderung einhakt oder auch weil der Patient in seiner Erzählung stockt
  • Die durchschnittliche spontane Redezeit von Patienten bei einer Krankenhausvisite beträgt etwa 100 Sekunde

Anamnese – Zuhören verbessert die Diagnose*

  • 70 bis 80 Prozent aller Diagnosen lassen sich nur mit einer sorgfältigen Anamnese stellen. Dabei handelt es sich um eine systematische Befragung, die vom Arzt durchgeführt wird, um die aktuellen Beschwerden, die gesundheitliche Vorgeschichte, besondere Dispositionen (z.B. Allergien), die Lebensumstände und das genetische Risiko des Patienten zu erfassen.
  • Mehr als 40 Prozent aller Fehldiagnosen und den damit verbundenen Fehlbehandlungen sind auf unzureichende oder unstrukturierte Anamnesen zurückzuführen. Allergien, Vorerkrankungen oder genetische Dispositionen – auf die etwa 5,5 Prozent aller Krebserkrankungen zurückzuführen sind – werden im Rahmen der  Anamnese übersehen.
  • Rund 20-40 Prozent der Patienten in allgemeinärztlichen Praxen weisen psychische Störungen auf, mit denen ihre körperlichen Beschwerden in Zusammenhang stehen. Durch mangelndes Zuhören werden diese Zusammenhänge oft erst nach langer Zeit oder überhaupt nicht erkannt. Diese Aussage unterstützt auch eine Untersuchung der Klinik für Psychotherapeutische Medizin Düsseldorf. In 40 Prozent der Fälle wurde eine psychische Störung durch den Hausarzt nicht diagnostiziert. Je länger jedoch die Konsultationsdauer, desto höher die Rate der diagnostizierten Störungen.


* Die hier genannten Zahlen sind den Tagungsunterlagen der Fachtagung „Zuhören zahlt sich aus!“ entnommen. Mehr Infos zu Tagung finden Sie hier.


Gesteigerte Heilungserfolge, wenn der Arzt gut zuhört

  • In einer kanadischen Untersuchung wurden Frauen mit Brustkrebs befragt, welches Verhalten ihres Arztes zum Zeitpunkt der Diagnose für sie am hilfreichsten gewesen sei. Die Antwort lautete: Seine Fähigkeit mir zuzuhören.
  • Zelda Di Blasi von der Universität York in Großbritannien zeigte in einer Untersuchung, dass eine warmherzige, freundliche und Angst nehmende Zuwendung den Verlauf körperlicher Krankheiten – unabhängig von der sonstigen Behandlung – eindeutig verkürzt und die Nebenwirkungsrate verringert.
  • Eine große prospektive Untersuchung des Tumorzentrums München an Brustkrebs-Patientinnen hat ergeben, dass die Frauen, die über eine schlechte Kommunikation klagten, eine signifikant schlechtere Lebensqualität aufwiesen.
  • Fazit: Zuhören in der Medizin wird von allen in allen Bereichen als wichtig empfunden. Es trägt zum Wohlbefinden der Patienten bei, ist das Herzstück der Anamnese und fördert sogar die Heilung.
  • Zuhören zieht sich als roter Faden durch alle Bereiche der ärztlichen Konsultation. Die gut ausgeführte Anamnese beeinflusst die Diagnose.
  • Genaues Zuhören kann manche Geräteuntersuchung überflüssig machen, hilft auf diese Weise Geld sparen und belastet den Patienten von allen Untersuchungsmethoden am wenigsten.
     

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Gute Vorbereitung auf den Arztbesuch

Mit einer optimalen Vorbereitung auf den Arztbesuch lässt sich in der Sprechstunde Zeit sparen – die dann für ein Gespräch zur Verfügung steht.

  • Stellen Sie eine Liste zusammen mit den Medikamenten, die Sie gerade einnehmen, und laufenden Behandlungen. Notieren Sie auch Medikamente, die nicht verschreibungs- oder apothekenpflichtig sind, und die Sie selbst gekauft haben (z.B. Vitaminpräparate)
  • Nehmen Sie, sofern vorhanden, Unterlagen und Befunde von anderen Ärzten mit.
  • Überlegen Sie sich vorher, was Sie Ihren Arzt fragen möchten, und schreiben sich die Fragen auf.
  • Sollten Sie weitere medizinische Unterlagen besitzen, nehmen Sie diese mit. Dazu gehören zum Beispiel ein Röntgenpass, ein Impfpass, ein Diabetikerpass, ein Schmerztagebuch oder  Ähnliches.

 

Beschwerden genau beschreiben

Mit drei Fragen zur richtigen Diagnose – je genauer Sie Ihre Beschwerden beschreiben, umso einfacher ist es für den Arzt, die richtige Diagnose zu stellen. Überlegen Sie sich daher bereits vor dem Arztbesuch, wie Sie Ihre Beschwerden beschreiben können:

 

  • WO sitzen die Beschwerden? Wie genau können Sie sie lokalisieren? Wandern sie oder strahlt zum Beispiel Schmerz auf andere Körperteile aus?
  • WANN haben Sie Beschwerden? Zu bestimmten Tages- oder Jahreszeiten, bei besonderen Gelegenheiten oder Tätigkeiten? Kommen sie plötzlich oder schleichend und wie lang halten sie an? Wann sind die Beschwerden erstmals aufgetreten? Hatten Sie schon früher ähnliche Beschwerden?
  • WIE empfinden Sie die Beschwerden? Wie stark sind sie auf einer Skala von eins bis zehn? Können Sie sie mit einem Vergleich beschreiben? Verändern sich Ihre Beschwerden?

 

Weitere Tipps zur guten Vorbereitung auf den Arztbesuch finden Sie auch in unseren Impulsen.

 

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Tipps für den Arztbesuch

Auch während des Arztbesuchs können Sie einiges dafür tun, dass der Arzt-Patienten-Dialog reibungslos klappt, wie zum Beispiel:

 

  • Geben Sie Ihre Beschwerden genau an, wie Sie es sich im Vorfeld überlegt haben.
  • Beschreiben Sie auch Ihre Lebensumstände.
  • Teilen Sie Ihrem Arzt mit, ob Sie an Allergien leiden.


Und auch wenn doch mal wenig Zeit ist: Stellen Sie alle Fragen, die Ihnen wichtig sind! Schließlich geht es um Sie und Ihre Gesundheit.

Sinnvolle Fragen sind beispielsweise:

 

  • Was sind die Ursachen für meine Erkrankung?
  • Was kann ich selbst tun, um die Behandlung zu unterstützen / meinen Gesundheitszustand zu verbessern?
  • Mit welchen Nebenwirkungen und Einschränkungen muss ich bei den Behandlungen rechnen?
  • Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen darüber, dass diese Behandlungsmöglichkeiten erfolgreich sind, und gilt das auch für mein spezielles Problem?
  • Werden sich die Behandlungen auch auf meinen Lebensalltag auswirken, und wenn ja, wie?
  • Welche anderen Möglichkeiten der Behandlung gibt es noch?
  • Welche Nebenwirkungen sind bei den verschriebenen Medikamenten zu erwarten? Worauf sollte ich achten?
  • Vertragen sich die neu verschriebenen Medikamente mit denen, die ich schon einnehme?
  • Was tue ich, wenn ich vergessen habe, die Medikamente zu nehmen, oder wenn ich sie aus Versehen doppelt genommen habe?
  • Müssen regelmäßige Kontrollen erfolgen? Wenn ja, welche und wie häufig?

 

Weitere Fragen unter www.patienten-information.de

 

Wie verhalten Sie sich am besten, wenn Sie sich unsicher sind?

Diagnosen und vorgeschlagene Behandlungsmöglichkeiten sind häufig nicht leicht zu beurteilen. Deshalb wird jeder Verständnis haben, wenn Sie zunächst unsicher sind. Beherzigen Sie in diesem Fall folgende Tipps:

 

  • Sagen Sie Ihrem Arzt sofort, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Bitten Sie ihn, es noch einmal anders zu erklären.

  • Geht es um die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Entscheidung, bei der Sie unsicher sind, dann nehmen Sie sich ein paar Tage Bedenkzeit (sofern medizinisch möglich).

  • Holen Sie sich eine Zweitmeinung ein, wenn Sie dies für nötig halten.

 

Zum Abschluss eines guten Arztbesuchs sollten Sie noch folgende Fragen klären:

  • Muss ich noch mal wiederkommen und wenn ja wann?
  • Gibt es Anzeichen, bei denen ich auf jeden Fall sofort wiederkommen sollte?
  • Gibt es Unterlagen, Befunde etc., die ich mitnehmen sollte?
  • Muss ich sonst noch etwas wissen?

Weitere Tipps zur guten Vorbereitung auf den Arztbesuch finden Sie auch in unseren Impulsen.

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