Eigentlich ist der Mensch ein „Allesfresser“. Trotzdem landet bei uns zu Hause längst nicht alles im Kochtopf. Wenn wir allerdings in den Urlaub fahren, bekommen wir beim Blick auf den exotischen Speiseplan manchmal ganz große Augen: Froschschenkel in Frankreich, Schafsmagen in Schottland, Maden in Malaysia. Was unsereins oft einen kalten Schauer über den Rücken jagt, gilt andernorts als Delikatesse.
Zum Beispiel in Bangkok, Thailand. In den Straßen der Metropole stehen Tausende mobiler Küchen, in denen fast jedes Nahrungsmittel angeboten wird. Insekten gehören hier ebenso zum Speiseplan wie Hühnerfleisch oder Gemüse: Es gibt Heuschrecken, gekochte Wasserkäfer, gebackene Maden, Ameiseneieromelett. Insekten sind beliebt – sie gelten als gesund und schmackhaft. Rein wissenschaftlich betrachtet stimmt das: reich an Proteinen, ohne Cholesterol, voller Mineralien. Einige Insekten besitzen so viel Eiweiß wie Fleisch oder Fisch, betont die Welternährungsorganisation FAO. Warum also künftig nicht Heuschrecken statt Hackbraten auch in deutschen Küchen?
So lautet ein Sprichwort. Dabei lohnt es sich meist, landestypische Gerichte zumindest zu probieren. So manchem deutschen Touristen dreht sich allerdings trotzdem der Magen um. Was bei uns Ekel hervorruft, ist nach Erkenntnissen der Anthropologie und Nahrungsforschung aber vor allem soziokulturell erworben. Das heißt: Was unsere Kultur als Sise anerkennt, essen wir auch. So erklärt sich, warum Hund und Meerschweinchen in westlichen Kulturen Haus-, in China und Peru aber vor allem Futtertiere für den Menschen sind. Die Gründe für die Bewertung von Speisen sind nicht immer eindeutig. Häufig hat Ablehnung mit religiösen Vorgaben zu tun. So verachten Hindus in Indien den Verzehr von Rindfleisch, da ihnen das Tier als heilig gilt.
Auch gesundheitliche Gründe können Essensvorlieben beeinflussen: Milch wird von vielen Asiaten abgelehnt, weil weite Teile der Weltbevölkerung im Erwachsenenalter nicht über das Enzym Laktase verfügen, das nötig ist, um den in der Milch enthaltenen Milchzucker abzubauen und zu verdauen – ein Tabu, bedingt durch genetische Unterschiede. Weltweit gelten übrigens die Chinesen als das Volk mit den wenigsten Nahrungstabus, in Mitteleuropa sind es die Franzosen.
Im Mai 2006 erregte ein Interview von Prinz Henrik von Dänemark Aufsehen, in dem er offen seine Vorliebe für Hundefleisch äußerte. So weit gehen Touristen im Urlaub wohl selten. Dabei würde sich so mancher Biss ins Unbekannte lohnen: Kängurufleisch sagt man einen kräftigen Wildgeschmack nach, gegrilltes Ungeziefer schmeckt mutigen Essens-Testern zufolge leicht nussig. Schwerer zu verdauen ist das schottische Nationalgericht Haggis – mit Innereien gefüllter Schafsmagen. Ein Satiremagazin beschrieb die Spezialität als Mix von Innereien, die „alle anderen Nationen außer den Barbaren wegwerfen“.
Trotzdem gibt es exotische Spezialitäten, die durchaus den Geschmack von Touristen treffen können. Thai-Curries oder die würzige Tom Yam-Suppe sind in Thailand sowohl bei Einheimischen als auch Touristen beliebt. Überhaupt sind kulinarische Experimente in Asien, Afrika und auch Südamerika meist gewürzintensive Erfahrungen, die nicht jeder ohne Probleme aushält. Extrem scharfe Gerichte in südlichen Ländern haben den Ruf, dass die Gewürze weniger dem Geschmack als dem Abtöten von Keimen dienen. So machen die Senföle in der Meerrettichpaste Wasabi, die zum japanischen Sushi gereicht wird, Bakterien im Darm unschädlich und fördern die Verdauung.
Bei aller Risikofreude ist aber nicht jede Delikatesse in exotischen Destinationen für Touristenmägen geeignet. Sich aber nur am Buffet des Hotels zu bedienen, kann die Gesundheit genauso schädigen. Häufig wird dort nicht regional gekocht, sondern nach internationalem Vorbild groß aufgetischt. Touristen achten dabei oft mehr auf die Quantität als auf die Qualität. Sich vollzustopfen schadet aber mehr als es nützt. Erlaubt ist aber trotzdem, was schmeckt – und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Im thailändischen Chiang Mai werden in Restaurants Bienenwaben samt Larven als süßes Dessert angeboten – eine gesunde Sünde: Insektenlarven sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen.
Im Urlaub möchte man nicht nur Land und Leute, sondern natürlich auch die einheimische Küche kennenlernen. Exotische Speisen und leckere Getränke locken oft an jeder Straßenecke – doch es lauern auch Gefahren für die Gesundheit. Informieren Sie sich vor Ihrer Reise über Nahrungsmittel und deren Zubereitung am Urlaubsziel. Wir haben einige der wichtigsten Tipps für eine gesunde Reise zusammengestellt: