Sommerzeit ist Beerenzeit. Die süßen runden Früchte wecken die Sammelleidenschaft, schmecken einfach himmlisch und sind obendrein noch sehr gesund.
Jedes Jahr ab Mitte Mai kann man die gleiche Szenerie beobachten: Scharen von Menschen kehren nach der Selbstpflücke mit prall gefüllten Körben voller Erdbeeren von den Feldern zurück. Im Wald suchen Beerensammler sogar bis in den Herbst hinein nach Brombeeren, Himbeeren und Heidelbeeren, und die Johannis- und Stachelbeeren aus dem eigenen Garten werden zu Saft und Marmelade verarbeitet. Egal ob Groß oder Klein: Beeren erfreuen sich allseits großer Beliebtheit. Doch nicht nur ihres Geschmacks wegen sollten Beeren auf keinem Speiseplan fehlen. Die Vielfalt der saftigen und süßen Früchte spiegelt die Vielfalt ihrer wertvollen Inhaltsstoffe wider, die bei regelmäßigem Genuss einen wichtigen Beitrag zu unserer Gesundheit leisten können.
Die Erdbeere beispielsweise, die botanisch gesehen eigentlich eine Sammelnussfrucht ist, enthält mehr Vitamin C als Zitronen oder Orangen. Sie ist die Lieblingsbeere der Deutschen, dicht gefolgt von der Himbeere, die besonders viel Kalium, Eisen, Phosphor und Magnesium enthält. Auch die seltenere Stachelbeere strotzt nur so vor Vitaminen und Mineralien. Das in den prallen Kugeln mit den feinen Stacheln enthaltene Kalium, Kalzium und Magnesium stärkt Knochen und Zähne, die ebenfalls enthaltene Kieselsäure ist wichtig für gesundes Haar und feste Nägel.
Der besonders hohe Mineralgehalt der schwarzen Johannisbeere hilft, die Knochensubstanz zu stärken. Außerdem regulieren das in den meisten Beeren enthaltene Pektin und die Ballaststoffe die Verdauung auf ganz natürliche Weise. In so mancher Beere schlummern zudem wahre Heilkräfte. Die Holunderbeere beispielsweise hilft aufgrund ihres Rutingehalts gegen Erkältungen und Bronchitis, und die Brombeere ist ein bewährtes Mittel gegen Halsschmerzen und Heiserkeit.
Aus medizinischer Sicht betrachtet, sind Beeren wahre Wunder-Kugeln, die oft nur als farbenfrohe Beilage von Süßspeisen oder als fruchtiger Geschmacksverstärker verwendet und völlig unterschätzt werden. Dabei war das Wissen um die Heilkräfte von Heidelbeeren, Holunder, Preiselbeeren oder auch der Weinbeere in der hiesigen Volksmedizin lange Zeit tief verwurzelt. Erst allmählich kehrt der medizinische Nutzen der Wald- und Wiesenfrüchte wieder ins Bewusstsein zurück. Eine besondere Bewandtnis hat es mit den Farbstoffen der Beeren, die ihnen ihre intensive leuchtend rote oder tief blaue Färbung verleihen. Sie gehören zu der großen Gruppe der Polyphenole oder Gerbstoffe, die eine entzündungshemmende und desinfizierende Wirkung haben. Darüber hinaus bieten die Farbpigmente (Anthozyane) Schutz vor Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und stärken nachweislich die Gelenke, die Sehkraft und die Funktion der Nieren. Denn die Anthozyane binden freie Radikale im Körper, die Körperzellen angreifen und so unter anderem auch den natürlichen Alterungsprozess vorantreiben.
Um ihre gesundheitsfördernde und geschmackliche Wirkung voll entfalten zu können, ist es am besten, die Beeren sofort und roh zu verzehren, denn die Früchte sind äußerst empfindlich. Richtig reif und süß sind sie, wenn sie sich leicht vom Fruchtzapfen lösen lassen. Aber Vorsicht: Beeren aus dem Wald und von Wiesen nur von den Wipfeln der Sträucher pflücken und danach gründlich waschen! Ansonsten besteht die Gefahr, sich mit dem Fuchsbandwurm anzustecken. Wer Beeren kauft, sollte auch darauf achten, dass die Früchte reif sind, denn sie reifen nach der Ernte nicht nach. Im Kühlschrank halten sie selten länger als drei Tage, Erdbeeren verlieren schon Stunden nach der Ernte ihr Aroma und ihre wertvollen Vitamine. Alternativ können die Beeren aber zu Kompott und Marmelade eingekocht oder eingefroren werden. So kann man auch im Winter noch den süßen Geschmack des Sommers genießen.