
Depression – die verdrängte Volkskrankheit
Im Winter, wenn es kalt und grau ist, fühlen sich viele Menschen traurig und leer. Solch eine sogenannte depressive Verstimmung hat beinahe jeder schon einmal erlebt. Wer jedoch über längere Zeit in einem Stimmungstief steckt, sich zu nichts aufraffen kann, ständig traurig ist und selbst die einfachsten Tätigkeiten als Belastung empfindet, leidet wahrscheinlich an einer Depression. Viele Menschen verkennen noch immer, dass es sich dabei um eine ernsthafte Erkrankung handelt. Betroffene leiden oft Monate oder sogar Jahre daran, bevor sie sich professionelle Hilfe holen. Sie halten ihre Seelenfinsternis für Schwäche und zweifeln an sich selber. Weil Betroffene Angst davor haben, nicht ernst genommen und womöglich sogar abgelehnt zu werden, trauen sie sich nicht, ihr Leiden zu offenbaren. Daher versuchen sie immer wieder, die Depression selber in den Griff zu bekommen.
Erfahren Sie mehr über Symptome, Ursachen und Behandlung einer Depression. Woran erkennt man sie? Welche Formen gibt es? Wie bekommt man die Erkrankung in den Griff? Hier bekommen Sie Antworten auf wichtige Fragen zum Thema Depression. Außerdem können Sie mit dem Depressions-Test des Kompetenznetz Depression herausfinden, ob es bei Ihnen Hinweise für eine depressive Symptomatik gibt.
Was passiert bei einer Depression im Körper?
Glück ist, wenn die Chemie im Gehirn stimmt: Bei einer Depression ist der Stoffwechsel des Gehirns verändert. Die Synapsen sind die Spalten zwischen den Nervenzellen. Sie sind verantwortlich für die Reizübertragung von Zelle zu Zelle. In der Synapse werden chemische Botenstoffe (z.B. Serotonin, Noradrenalin) ausgeschüttet. Diese Stoffe sind wichtig für die Kommunikation zwischen den Zellen.
Bei Depressionen ist der Spiegel dieser Botenstoffe verändert. Deswegen funktioniert die Kommunikation zwischen den Zellen nicht mehr und die verschiedenen Symptome treten auf.
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Symptome
Charakteristisch an einer Depression ist das Auftreten verschiedener Symptome wie Verlust der Fähigkeit, Freude oder Trauer zu spüren (Gefühllosigkeit), Antriebshemmung, innere Unruhe und Schlafstörungen.
Häufig treten begleitende Symptome auf wie Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Hilflosigkeit, soziale Selbstisolation, übersteigerte Schuldgefühle, Müdigkeit, verringerte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, Denkhemmung (verlangsamtes Denken), Grübelzwang (sinnloses Gedankenkreisen), Reizbarkeit , Libidoverlust (mangelndes sexuelles Interesse).
Körperliche Symptome sind beispielsweise Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme bzw. Gewichtszunahme (der sogenannte Kummerspeck), quälendes Druckgefühl auf der Brust.
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Ursachen
Meist wirken mehrere Ursachen zusammen. Dabei spielen sowohl biologische Faktoren eine Rolle als auch Erfahrungen aus der bisherigen Entwicklung, aktuelle Ereignisse und die jeweiligen Verarbeitungsmuster (z.B. Verdrängung). Die Ursache bestimmt meist auch die Form der Depression.
- Genetische Ursachen:
Kanadische Wissenschaftler vermuten, dass es Gene gibt, die für das Entstehen einer Depression verantwortlich sind. Studien haben gezeigt, dass Kinder, bei denen ein Elternteil erkrankt ist, ein Risiko von 10 bis 15 Prozent haben, an einer Depression zu erkranken.
Wenn beide Elternteile an einer Depression leiden, sogar ein Risiko von 30 bis 40 Prozent.
Menschen mit einer genetischen Veranlagung, erkranken meist an einer endogenen Depression. Endogene Depressionen entstehen von innen heraus, ohne erkennbare Ursache. Die genetische Komponente ist also nur ein Teilfaktor.
- Neurobiologische Ursachen:
Bei Depressionen ist die Konzentration der sogenannten Botenstoffe verändert. Botenstoffe sind biochemische Stoffe, die Informationen von einer Nervenzelle zur anderen weitergeben. Unklar ist jedoch, ob die Veränderung des Spiegels eine Ursache oder eine Folge der Erkrankung ist.
- Chronischer Stress als Ursache:
Chronischer Stress führt zu einer übermäßigen Ausschüttung von Glucocorticoiden (Hormone, die u.a. das Nervensystem beeinflussen) im Blut. Deshalb wird ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Depression und Stress vermutet. Relativ neu ist die Erkenntnis, dass die erhöhte Ausschüttung des Glucocorticoids selbst empfindliche Regionen des Gehirns schädigen kann. Störungen der Gedächtnisleistung sind beispielsweise auf die erhöhte Konzentration des Glucocorticoids zurückzuführen.
Diese Veränderungen lassen sich durch die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Lithium) positiv beeinflussen.
- Hormonelle Faktoren:
Hormonelle Verschiebungen können die Ursache für eine depressive Symptomatik sein. So zählt beispielsweise der Baby-Blues, auch Wochenbettdepression genannt, dazu. Ebenfalls anfälliger für eine Depression ist der Mensch während der Wechseljahre oder der Pubertät.
- Psychosoziale Faktoren:
Ungünstige Lebensumstände wie Verlust des Arbeitsplatzes, Armut, körperliche Erkrankungen, familiäre Probleme, Verlust des Partners oder Einsamkeit können eine depressive Episode auslösen, wenn die genetische Voraussetzung für das Entstehen von Depressionen gegeben ist. Menschen mit einem kleinen sozialen Netzwerk werden besonders häufig depressiv. Ist so ein Mensch betroffen, wird es für ihn sehr schwierig, das soziale Netzwerk aufrecht zu erhalten. Meist ziehen sich diese Menschen dann noch mehr zurück.
- Sonstige Ursachen:
Bei der sogenannten saisonal abhängigen Depression (auch Winterdepression oder SAD) besteht ein Mangel an Tageslicht, wodurch depressive Symptome auftreten. Mit einer Lichtdusche kann hier schnell Abhilfe geschafft werden.
Auch Krankheitserreger wie Streptokokken oder Bornaviren werden verdächtigt, an der Entstehung einer Depression beteiligt zu sein.
Depressionen können zudem durch die Einnahme oder das Absetzen bestimmter Wirkstoffe wie Medikamente oder psychotrope Substanzen, die beispielsweise in Zigaretten und Alkohol enthalten sind, entstehen. Substanzen, die sehr häufig depressive Symptome verursachen sind Antiepileptika, Antibiotika, Lipidsenker, Neuroleptika, Retinoide, Sexualhormone und Betablocker.
Die sogenannte posttraumatische Belastungsstörung, wie sie oft bei Soldaten vorkommt, hat ein hohes Risiko für eine zusätzliche oder begleitende Depression. Aber auch traumatische Erlebnisse wie ein schwerer Verkehrsunfall oder der Verlust naher Angehöriger können eine Depression auslösen.
Andere Grunderkrankungen führen gegebenenfalls eine depressive Episode herbei, beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion, Nebennierenerkrankungen oder chronische Schmerzzustände. Andersherum kann die Depression selbst sogar Risikofaktor für das Entstehen anderer Krankheiten sein. So erhöht die Depression bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit das Risiko um das Drei- bis Vierfache. Studien zeigen, dass Patienten mit Herzinfarkt eine wesentlich bessere Heilungschance hätten, wenn die Depression behandelt würde.
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Behandlung
Depressionen können in der Regel gut behandelt werden. Die klassischen Behandlungswege sind Psychotherapie, medikamentöse Behandlung und physikalische Therapie wie beispielsweise Lichttherapie. Oft ist eine Kombination von Psychotherapie mit medikamentöser Unterstützung wirksam.
- Psychotherapie:
Hier gibt es verschiedene Arten: klassisch die Verhaltenstherapie, die analytische Psychotherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Im Mittelpunkt aller Therapien steht die Interaktion zwischen Therapeut und Patient.
Bei der Verhaltenstherapie ist der Fokus darauf gerichtet, depressionsauslösende Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, damit man sie dann Schritt für Schritt verändern kann. Hier wird der Patient auch zu größerer Aktivität motiviert, damit seine eigenen Selbstheilungskräfte wieder aktiviert werden.
Die analytische Psychotherapie konzentriert sich darauf, Einsicht in unbewusste frühere Konflikte zu ermöglichen. Der Ursprung kann hier schon in der Kindheit liegen. Es wird dabei davon ausgegangen, dass verdrängte Emotionen und Erinnerungen der Grund für die aktuellen Probleme sind.
Bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie werden aktuelle Konflikte bearbeitet. So soll die Konflikt-Bewältigung verbessert und eine Veränderung der Persönlichkeit des Erkrankten angeregt werden.
- Medikamentöse Behandlung:
Die am häufigsten eingesetzten Antidepressiva sind sogenannte SSRI – Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer. Sie haben weniger Nebenwirkungen wie andere Antidepressiva und wirken ab einem Einnahmezeitraum von zwei bis drei Wochen. Ziel ist es, die Konzentration des Botenstoffs Serotonin zu erhöhen.
Johanniskraut wird seit mehreren Jahren bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt. Das Extrakt unterscheidet sich in der Wirksamkeit nicht von Standard-Antidepressiva und hat weniger Nebenwirkungen. Bei schweren Depressionen hilft Johanniskraut dagegen nicht. Zu beachten ist: Johanniskraut kann die Wirksamkeit anderer Medikamente beeinträchtigen, beispielsweise die der Pille. Außerdem sind Personen, die Johanniskraut einnehmen, lichtempfindlicher.
- Lichttherapie:
Bei einer saisonal abhängigen Depression kann die Lichttherapie angewendet werden. Hier sitzen die Patienten täglich circa 30 Minuten vor einem Leuchtschirm, der ein helles weißes Licht ausstrahlt. Achtung ist bei Solariumbesuchen geboten. Die UV-Strahlung kann Hautirritationen und Sonnenbrand hervorrufen. Bei regelmäßigen Solariumbesuchen erhöht sich das Risiko für Hautkrebs.
- Ernährung:
Die Einnahme von ungesättigten Fettsäuren, insbesondere der Eicosapentaensäure (EPA) führt zur Erhöhung des Serotoninspiegels. Umgekehrt wurde festegestellt, dass ein Mangel an Serotonin meist auch von einem Mangel solcher Omega-3-Fettsäuren begleitet ist.
Die Ernährungsberatung der SBK hilft hier weiter: Experten erstellen einen individuellen und ausgewogenen Ernährungsplan. Außerdem erfährt man dort, welche Lebensmittel besonders viel Omega-3-Fettsäuren enthalten.
- Sport:
Eine Form der unterstützenden therapeutischen Maßnahmen ist die Sporttherapie. Wenn Sport im gesellschaftlichen Zusammenhang stattfindet, erleichtert er eine Wiederaufnahme sozialer Kontakte. Ein weiterer Effekt ist die Ausschüttung von Endorphinen und das gesteigerte Selbstwertgefühl.
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Test
Der Depressions-Test ersetzt keinesfalls die Diagnose eines Arztes, er kann aber Hinweise darauf geben, ob Sie ernsthafte depressive Symptome aufweisen. Sollte dies der Falls sein, wenden Sie sich am besten an die psychologischen Berater der SBK.
In den kostenfreien und unverbindlichen Beratungsstunden informieren Sie unsere Experten und besprechen mit Ihnen gemeinsam, ob eine Behandlung notwendig ist.
Hier geht’s zum Online-Test des Kompetenznetz Depression.
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An wen kann ich mich wenden?
- Psychologische Beratung der SBK:
Sie haben Interesse an einer unverbindlichen Informationsstunde? Unsere Experten von der Psychologischen Beratung informieren Sie gerne über Ursachen und Anzeichen einer Depression und wie man ihr entgegenwirken kann. Ihr persönlicher Kundenberater vermittelt Ihnen unter 0800 0 725 725 725 0 (gebührenfrei*) den Kontakt zur nächstgelegenen Psychologischen Beratungsstelle.
- Selbsthilfegruppen:
Selbsthilfegruppen sind kein Ersatz für eine Therapie. Sie bieten begleitende Hilfe. Die psychologischen Berater der SBK können Ihnen passende Selbsthilfegruppen vermitteln.
- Internet:
Den Überblick zu behalten ist schwierig. Die Suchmaschinen liefern viele Ergebnisse unter dem Schlagwort Depression. Das Kompetenznetz Depression ist ein guter Navigator und ein Forum für Interessierte und Betroffene: http://www.kompetenznetz-depression.de/
- Ärzte und Therapeuten:
Den Kontakt zu Psychologen, psychologischen Psychotherapeuten und Fachärzten für Psychiatrie vermittelt Ihnen gerne unser SBK Gesundheitstelefon unter 0800 0 725 725 700 0 (gebührenfrei*). Oder nutzen Sie unsere Arztsuche im Internet.
Damit Sie schnell einen Termin beim Therapeuten bekommen, steht der SBK Terminservice kostenfrei für Sie zur Verfügung: 0800 0 725 725 707 0 (gebührenfrei*).
Für alle Fragen steht Ihnen Ihr persönlicher Kundenberater zur Verfügung. Per Kontaktformular gelangen Sie direkt zu ihm.
* gebührenfrei - aus dem Ausland erreichen Sie uns telefonisch unter +49 1802 725 725 zu den üblichen Gebühren.