Essstörungen

Wie viele Menschen tatsächlich von einer Essstörung betroffen sind, kann nur geschätzt werden. Experten gehen aber davon aus, dass allein in Deutschland bei jedem fünften Jugendlichen der Verdacht auf eine Essstörung naheliegt. Die drei häufigsten dieser Störungen sind: 

Magersucht

Magersucht, in der Fachsprache Anorexie oder Anorexia nervosa, ist eine seelisch bedingte Essstörung. Die Erkrankten verweigern die ausreichende Nahrungsaufnahme, so dass sie immer weiter abnehmen. Die Grenze zwischen dünn, untergewichtig und magersüchtig ist fließend. Als Grenzwert für Magersucht gilt ein Body Mass Index unter 17,5.

Trotz Untergewicht nehmen Magersüchtige sich häufig als zu dick wahr. Sie sind in ihrer Selbstwahrnehmung eingeschränkt  – man spricht von einer Körperschemastörung. Obwohl die Nahrungsaufnahme verweigert wird, gehört zur Magersucht oft eine zwanghafte Beschäftigung mit dem Essen und seinen Kalorien.

Magersucht tritt überwiegend bei Frauen auf und beginnt häufig in der Pubertät. Magersüchtige sind durch ihre Familien oft als besonders diszipliniert, leistungsorientiert und perfektionistisch geprägt. Aber auch unrealistische Schönheitsideale können eine Unzufriedenheit mit den weiblichen Rundungen zur Folge haben und Diäten auslösen, welche im Extremfall zur Magersucht führen. 

Magersucht ist eine seelische Erkrankung, die schwere körperliche Schädigungen nach sich ziehen kann, darunter Herzrhythmusstörungen, Nierenversagen, Unfruchtbarkeit und Osteoporose. In 15 Prozent verläuft die Erkrankung tödlich.

Magersucht ist heilbar. Sie wird mit unterschiedlichen Formen der Psychotherapie behandelt, welche ambulant oder stationär erfolgen kann. 

Bulimie

Die Bulimie, oder auch Ess-Brech-Sucht, gehört ebenfalls zum Kreis der Essstörungen. Betroffen sind meist Mädchen oder Frauen, in seltenen Fällen aber auch Männer. Das Hauptmerkmal der Erkrankung sind unkontrollierbare Heißhungerattacken, bei denen die Betroffenen in kürzester Zeit Unmengen an Nahrungsmitteln und damit Kalorien in sich hinein stopfen.

Aus Angst vor einer Gewichtszunahme oder aus Scham über den eigenen Kontrollverlust ergreifen Bulimieerkrankte im Anschluss an einen Fressanfall oft drastische Gegenmaßnahmen. Sie erbrechen, hungern, treiben fanatisch Sport oder missbrauchen Brech- und Abführmittel.

Die Essanfälle finden unterschiedlich oft statt – von mehrmals am Tag bis einmal alle paar Wochen. Im Gegensatz zur Magersucht sieht man Betroffenen die Bulimie oft nicht an. Sie können sehr dünn sein, sind aber oft normal- und manchmal auch übergewichtig.

Bulimie kann mit der Zeit schwere organische Schäden verursachen. Die Magensäure, die durch das häufige Erbrechen in den Mund gelangt, greift den Zahnschmelz stark an und schädigt die Zähne sowie die Speicheldrüsen. Das Erbrechen kann aber auch Mangelerscheinungen, Nieren- und Herzschäden hervorrufen.

Nicht selten treten auch Begleiterscheinungen auf, die zusätzlichen Schaden anrichten. So missbrauchen Bulimiekranke oft auch Alkohol, Nikotin, Medikamente oder Drogen, sind kaufsüchtig, depressiv oder aggressiv gegen sich selbst. All diese Verhaltensweisen führen in vielen Fällen zur sozialen Isolation.

Auch die Bulimie ist heilbar und wird ähnlich behandelt wie die Magersucht. 

Binge-Eating

Das Binge-Eating ist ebenfalls eine Extremform des Essens - die anfallartige Esssucht. Binge-Eater leiden unter immer wieder kehrenden Fressanfällen, bei denen sie die bewusste Kontrolle über ihr Verhalten verlieren und, ähnlich wie manche Bulimiker, riesige Mengen an Nahrungsmitteln auf einmal vertilgen. Sie verspüren dabei weder Hunger noch ein Sättigungsgefühl und schlingen hastig so viel Essen hinunter, bis sie Bauchschmerzen haben.

Der Unterschied zur Bulimie besteht darin, dass Binge-Eater nach einer Heißhungerattacke zwar starke Schuld- und Schamgefühle haben, aber dennoch keine Gegenmaßnahmen ergreifen und die aufgenommenen Kalorien im Körper behalten. Das führt dazu, dass zahlreiche Betroffene übergewichtig oder sogar fettleibig sind.

Wie die meisten Essstörungen ist auch das Esssucht fast immer auf psychische Probleme zurückzuführen. Allen Essstörungen gemein ist auch, dass Betroffene sich selten jemandem anvertrauen und ihrem Umfeld das gestörte Essverhalten verschweigen. Familie und Freunde werden oft erst aufmerksam, wenn der oder die Betroffene auffällig dicker oder dünner geworden ist.

Im Gegensatz zu Magersucht und Bulimie, ist vom Binge-Eating auch eine relativ hohe Zahl von Männern betroffen. Experten schätzen, dass rund ein Drittel der Betroffenen männlich sind.

Mehr erfahren:

Keine Lust auf Schlankheitswahn!

Mit der Initiative bauchgefühl informieren der Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern und NORDWEST sowie des BKK Bundesverbandes umfassend über Ernährung und unnormales Essverhalten bei jungen Leuten.

www.bkk-bauchgefuehl.de

 

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