Herzratenvariabilitätsmessung

Es ist ganz normal – bei Stress oder Anstrengungen, zum Beispiel vor wichtigen Gesprächen mit dem Chef, beim Treppenlaufen zu den Kollegen im siebten Stock oder auch kurz vor wichtigen Abgabeterminen, kann einem das Herz bis zum Hals schlagen. So wird im Allgemeinen das Gefühl beschrieben, wenn das Herz kräftig und schnell schlägt. Lässt die Anspannung nach, wird der Herzschlag wieder langsamer und ruhiger. Das Herz passt sich mit diesen Veränderungen im Herzrhythmus unserer aktuellen Situation an und beeinflusst somit unseren Umgang mit der momentanen Gefühlslage – ob wir also gestresst sind, entspannt…

Längerfristige Anspannung, beispielsweise durch Stress, Ärger oder Angst, kann dieses Regulativ aus dem Gleichgewicht bringen. Der Herzschlag reagiert dann nicht mehr angemessen auf die Situation. Und das wiederum kann zu dauerhaften, gesundheitlichen Problemen führen. Erste Anhaltspunkte, ob unser Herz richtig schlägt oder ob es beispielsweise durch zu viel Stress aus dem Gleichgewicht geraten ist, kann eine so genannte Herzraten-Variabilitäts-Messung (HRV-Messung) geben.

Die Herzratenvariabilität (HRV) beschreibt dabei die Fähigkeit des Herzens, den zeitlichen Abstand von einem Herzschlag zum nächsten laufend (je nach Belastungszustand) zu verändern und sich so flexibel ständig wechselnden Herausforderungen anzupassen.

Wie funktioniert die HRV-Messung?

Die HRV-Messung mittels eines Analysegeräts ermöglicht eine Bestandsaufnahme der aktuellen Regulationsfähigkeit des Herzens anhand eines Standardtests. Dafür wird über einen Ohrclip die Herzfrequenz ca. eine Minute lang gemessen, wobei tief ein- und ausgeatmet wird. Denn die Atmung beeinflusst die Herzfrequenz - bei Einatmung erhöht sich die Herzfrequenz und bei Ausatmung sinkt sie wieder. Dabei wird mit dem Analysegerät der Verlauf der HRV grafisch aufgezeichnet. Je größer der Ausschlag der aufgezeichneten Herzfrequenzschwingung ist, umso gesünder ist es für den Organismus – je geringer, umso schwerer fällt es zu entspannen. Durch hinterlegte Normwerte kann die eigene Anpassungsfähigkeit des Herzens mit Ergebnissen gesunder Menschen gleichen Alters verglichen werden. Die Messung der HRV gibt deshalb Aufschluss, ob wir über ein stabiles, aber doch flexibles autonomes Nervensystem verfügen und zeigt die Anpassungsfähigkeit des Herzens auf Be- und Entlastung an.

Grob dargestellt kennt der Organismus zwei Hauptaktivierungszustände – einen Aktivitätszustand und einen Erholungszustand. Je mehr sich das Herz beider Aktivitätsarten in einem ausgleichenden Verhältnis bedienen kann, umso anpassungsfähiger ist es. Dies steht für Herzgesundheit und die Fähigkeit des menschlichen Körpers, auf unterschiedliche Reize und Anforderungen angemessen zu reagieren. Ungünstig ist es, wenn das Verhältnis der beiden Aktivitätspole unausgewogen scheint. Dies steht für einen nicht (ganz) gesunden Organismus und eine eingeschränkte Anpassungs- und Regulationsfähigkeit. Denn wissenschaftliche Studien belegen eindeutig, dass eine schlechte Herzrhythmik (geringe Variabilität des Herzschlags) mit einem deutlich erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden ist. Sie kann unter anderem zu Depressionen, Aufmerksamkeitsstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Was kann die HRV-Messung?

Die HRV stellt die modernste Technik in der Stressforschung dar und ist ein Indikator, der auf Defizite hinweisen kann. Nach der Analyse erfolgt eine detaillierte Auswertung der Regulationsfähigkeit des Herzens. Anschließend können individuelle Empfehlungen zur Stressreduktion und weiteren Gesundheitsförderung gegeben werden. Die Messung kann keine ärztliche Diagnostik oder Beratung ersetzen, sondern dient der Information und Selbsteinschätzung für den Teilnehmer. Ebenso gibt es Vorerkrankungen (Herzrhythmusstörungen bzw. bereits diagnostizierte Herzerkrankungen), bei denen die Messung nicht durchführbar ist, da die Messergebnisse verfälscht werden.

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