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Kindergeld für Auszubildende

Die Entwicklungen beim Kindergeld werden von Arbeitgebern und auch Eltern mit Interesse verfolgt.

Gilt es doch, den Kindergeldanspruch möglichst lange und auch über die erste Ausbildung hinaus zu bewahren.

Höhe des Kindergeldes

Seit dem 1. Juli 2019 beträgt das Kindergeld 204 Euro für erste und zweite Kinder, für dritte Kinder 210 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 235 Euro. So fließen bei drei Kindern monatlich 618 Euro in den Familienhaushalt.

Anspruch auf Kindergeld

Anspruch auf Kindergeld besteht grundsätzlich auch für Auszubildende. Volljährige Kinder in Ausbildung oder Studium können noch bis zum Monat der Vollendung des 25. Lebensjahres berücksichtigt werden.

Abgrenzung Erst- und Zweitausbildung

Bei einer Erstausbildung spielen weder die (Neben-)Einkünfte noch der Umfang der neben einer Ausbildung ausgeübten Erwerbstätigkeit eine Rolle. Bei einer Zweitausbildung wird es problematischer. Nach Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums wird ein Kind nämlich nur berücksichtigt, wenn es keiner Erwerbstätigkeit nachgeht. Eine Erwerbstätigkeit mit bis zu 20-stündiger wöchentlicher Arbeitszeit, ein Ausbildungsdienstverhältnis oder ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis sind dabei allerdings als unschädlich anzusehen.

Schwierig wird es vor allem bei einem Zweitstudium oder wenn Arbeitgeber ihre Auszubildenden übernehmen und diese neben der Berufstätigkeit noch einen Abschluss als Fachwirt oder ein (berufsbegleitendes) Studium anstreben. Eigentlich gilt die folgende, vom Bundesfinanzhof (BFH) aufgestellte Faustformel: Bei zeitlichem und sachlichem Zusammenhang der Ausbildungen spielt die 20-Stunden-Regelung keine Rolle. Die Zweitausbildung gilt dann noch als (einheitliche) Erstausbildung, sodass der Umfang der Erwerbstätigkeit unbedeutend ist.

Beispiel 1: Anne hat bereits eine Erstausbildung zur Logopädin abgeschlossen und beginnt jetzt mit der weiteren Ausbildung zur Versicherungskauffrau. Anne jobbt mit einer wöchentlichen Stundenzahl von 25 Stunden nebenbei abends und am Wochenende.
Folge: Das Kindergeld wird verweigert, da eine mehr als 20-stündige Erwerbstätigkeit neben der Zweitausbildung als schädlich angesehen wird und kein sachlicher Zusammenhang zwischen den beiden Ausbildungen gegeben ist.
Lösungsmöglichkeit: Anne reduziert ihren Nebenjob auf 18 Stunden. Dadurch lebt der Anspruch auf Kindergeld wieder auf.

Beispiel 2: Sven jobbt neben seinem BWL-Bachelor- und auch dem anschließenden BWL-Master-Studium wöchentlich 30 Stunden in einem Restaurant.
Folge: Für Sven besteht bis zum 25. Lebensjahr Anspruch auf Kindergeld. Das Masterstudium gilt noch als Erststudium. Die Erwerbstätigkeit spielt keine Rolle.

Rechtsprechungsentwicklung

Der BFH hat die Rechtsprechung inzwischen weiterentwickelt (Urteile vom 11.12.2018, III R 26/18, vom 20.2.2019, III R 42/18, und vom 21.03.2019, III R 17/18). Dabei wird es gerade für vom Ausbildungsbetrieb übernommene Auszubildende, die noch weitere Abschlüsse anstreben, schwierig, das Kindergeld zu retten. Nimmt ein volljähriges Kind nach dem ersten Abschlusses in einem öffentlich-rechtlich geordneten Ausbildungsgang eine mehr als 20-stündige Berufstätigkeit auf, ist laut BFH noch weiter zwischen einer mehraktigen einheitlichen Erstausbildung mit daneben ausgeübter Erwerbstätigkeit und einer berufsbegleitend durchgeführten Weiterbildung (Zweitausbildung) abzugrenzen. Eine (zur Berücksichtigung führende) einheitliche Erstausbildung ist nicht mehr anzunehmen, wenn die von dem Kind aufgenommene Erwerbstätigkeit bereits die hauptsächliche Tätigkeit bildet und sich die weiteren Ausbildungsmaßnahmen nur als eine auf Weiterbildung und/oder Aufstieg in dem bereits aufgenommenen Berufszweig gerichtete Nebensache darstellen.

Beispiel 3: Die 21-jährige Dorothee beendet im Sommer 2019 ihr Ausbildung zur Bankkauffrau. Sie wird mit 39 Stunden wöchentlich vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Parallel meldet sie sich zu einem berufsbegleitenden Studium zur Bankfachwirtin bei einem Bankkolleg an.
Folge: Der zeitliche und sachliche Zusammenhang ist gewahrt. Doch die einheitliche Erstausbildung wird von der Familienkasse nicht mehr angenommen, wenn die von dem Kind aufgenommene Erwerbstätigkeit bereits die hauptsächliche Tätigkeit bildet und sich die weiteren Ausbildungsmaßnahmen als Nebensache darstellen.

Worauf es ankommt

Bei der Prüfung, ob bei einer Fort-/Weiterbildung nach Abschluss einer Erstausbildung noch Anspruch auf Kindergeld besteht, kommt es insbesondere darauf an,

Auf den Punkt gebracht

Wird etwa eine nur knapp über der „Schallgrenze“ von 20 Stunden wöchentlich liegende Wochenstundenzahl so verteilt, dass sie sich dem jeweiligen Ausbildungsplan anpasst, ist das als Indiz für eine im Vordergrund stehende Ausbildung zu werten. Arbeitet das Kind dagegen annähernd vollzeitig und werden die Ausbildungsmaßnahmen nur am Abend und am Wochenende durchgeführt, deutet dies darauf hin, dass die weiteren Ausbildungsmaßnahmen nur „neben der Berufstätigkeit“ durchgeführt werden. Ein Kindergeldanspruch besteht dann nicht.

Unser Tipp: Bei der Übernahme des Auszubildenden durch den Ausbildungsbetrieb mit weniger als 20 Wochenstunden bleibt der Kindergeldanspruch auf jeden Fall erhalten, wenn das Kind (berufsbegleitend) mit einer weiteren Ausbildung beginnt.

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