Auszubildende haften für selbstverursachte Schäden

Wenn ein Auszubildender während seiner Tätigkeit einen Kollegen verletzt, dann haftet er auf Schadenersatz und Schmerzensgeld wie ein regulärer Arbeitnehmer.

Dies entschied das Bundesarbeitsgericht am 19.03.2015 (Az. 8 AZR 67/14).

Am Morgen des 24.02.2011 waren mehrere Auszubildende in einer Autowerkstatt in Bad Homburg mit dem Auswuchten von Autoreifen beschäftigt. Der 19-jährige Beklagte arbeitete an der Wuchtmaschine, sein 17-jähriger Kollege stand einige Meter weit entfernt. Plötzlich und ohne Vorwarnung warf der Beklagte ein zehn Gramm schweres Wuchtgewicht über die Schulter in den Raum hinein. Es traf den Kläger am Auge, am Augenlid und der linken Schläfe. Er erlitt eine Hornhautverletzung, eine Oberlidrandverletzung und musste mehrfach operiert werden. Ihm wurde eine künstliche Linse ins Auge eingesetzt. Aufgrund der Hornhautnarbe verschlechterte sich sein Sehvermögen und er verlor die Fähigkeit zum räumlichen Sehen. Die Berufsgenossenschaft zahlt ihm eine monatliche Unfallrente in Höhe von 200,00 €.

Der Kläger verlangte von dem Beklagten ein Schmerzensgeld wegen der erlittenen Verletzung. Das Arbeitsgericht sprach ihm 25.000,- € zu. Diese Entscheidung bestätigte auch das Bundesarbeitsgericht. Nach Ansicht der Richter hatte der Beklagte den Schaden fahrlässig verursacht. Er hätte wissen müssen, dass ein kräftiger Wurf mit einem kompakten Gewicht ohne Hinsehen eine schwere Verletzung verursachen könne. Sie lehnten es auch ab, den Wurf als eine betrieblich veranlasste Tätigkeit anzusehen. Nach dem Unfallversicherungsrecht hätte der Auszubildende dann für den Personenschaden nur bei Vorsatz, nicht aber bei Fahrlässigkeit gehaftet. Das Herumwerfen mit Gewichten sei dem persönlich-privaten Bereich zuzuordnen. Für Schäden müsse dann der Verursacher in vollem Umfang haften. Die Höhe des Schmerzensgeldes sei angemessen, weil der Kläger eine dauerhafte Beeinträchtigung hinnehmen müsse.

Mit dieser Entscheidung stellen die Richter klar, dass die Stellung als Auszubildender nicht von der Haftung befreit, wenn der Unfall im Betrieb passiert.

Haftungserleichterungen für Arbeitnehmer und Auszubildende gibt es nur in zwei Fällen: Bei Sachschäden gelten die Grundsätze der Arbeitnehmerhaftung, die regelmäßig verhindern, dass Mitarbeiter allein auf dem Schaden sitzenbleibt. Nur bei grober Fahrlässigkeit wird voll gehaftet. Bei mittlerer Fahrlässigkeit wird der Schaden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geteilt, bei leichter Fahrlässigkeit haftet der Mitarbeiter nicht. Wenn das Risiko versichert werden kann, beschränkt sich die Haftung meist auf Selbstbeteiligung oder Prämienschaden. Bei Personenschäden wird nur bei Vorsatz gehaftet.