Bewirtungskosten: der Fiskus beteiligt sich

Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 10.11.2016, Aktenzeichen VI R 7/16 entschieden, dass eine vom Arbeitnehmer in der Firma ausgerichtete Feiern - etwa anlässlich eines runden Geburtstags - zum Werbungskostenabzug beim Arbeitnehmer führen können.

Zum Urteilsfall

Anlässlich seines 60. Geburtstags lud der Beschäftigte der Kläger sämtliche Mitarbeiter der Firma (insgesamt etwa 70 Personen) in eine Werkstatthalle des Arbeitgebers ein, der in die Organisation der Feier eingebunden war. Die Werkstatthalle wurde mit Mobiliar des Arbeitgebers (Bierzeltgarnituren) ausgestattet. Die Feier fand an einem Freitag von 12 Uhr bis 17 Uhr statt. Die Kosten der Feier beliefen sich auf etwa 35,- Euro pro Person. Außerdem fanden private Geburtstagsfeiern des Klägers mit deutlich höheren Kosten statt. Das Finanzgericht und auch der Bundesfinanzhof (BFH) haben entgegen der Auffassung des Finanzamts den Werbungskostenabzug zugelassen.

Veranlassungszusammenhang

Für die Beantwortung der Frage, ob Bewirtungsaufwendungen beruflich (= Werbungskosten) oder privat (= nicht abziehbare Kosten der Lebensführung) veranlasst sind, ist in erster Linie auf den Anlass der Feier abzustellen. Trotz eines herausgehobenen persönlichen Ereignisses kann sich aus den Umständen des Einzelfalls ergeben, dass die Aufwendungen für eine Feier beruflich veranlasst sind. Dies ist insbesondere möglich, wenn die Feier nicht der repräsentativen Erfüllung gesellschaftlicher Konventionen, sondern dem kollegialen Miteinander und daher der Pflege des Betriebsklimas dient, mit der Einladung den Kollegen Dank gezollt oder betrieblichen Gepflogenheiten Rechnung getragen wird.

Maßgebende Kriterien für einen Werbungskostenabzug sind insbesondere:

  • wer Gastgeber ist,
  • wer die Gästeliste bestimmt,
  • an welchem Ort die Veranstaltung stattfindet,
  • ob es sich bei den Gästen um Kollegen, Geschäftsfreunde oder Mitarbeiter oder um Bekannte oder Verwandte handelt,
  • ob sich die finanziellen Aufwendungen im gewissen Rahmen halten.

Anwendung der Grundsätze auf andere Feiern

Der BFH setzt mit dem Urteil seine Rechtsprechung fort. Er hatte bereits zuvor bei einem Arbeitnehmer die Aufwendungen für die Feier eines 40-jährigen Dienstjubiläums zum Abzug zugelassen (BFH v. 20.01.2016, Aktenzeichen VI R 24/15).

Alternative zum Werbungskostenabzug

Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für eine Feier, stellt sich die Frage, ob steuerpflichtiger Arbeitslohn vorliegt.

Unser Tipp: Sachleistungen des Arbeitgebers im Rahmen einer betrieblichen Veranstaltung anlässlich runder Dienstjubiläen, der Diensteinführung, eines Amts- oder Funktionswechsels, der Verabschiedung etc. oder bei einem Empfang anlässlich eines runden Geburtstags eines Arbeitnehmers bleiben steuerfrei, wenn die Aufwendungen (inkl. Umsatzsteuer) 110,- Euro je Teilnehmer nicht übersteigen. In diese Freigrenze sind auch Geschenke bis zu einem Gesamtwert von 60,- Euro mit einzubeziehen (R 19.3 Absatz 2 Nummer 3 bzw. Nummer 4 der Lohnsteuerrichtlinien).