Elterngeld - steuerlicher Streit um Anrechnung

So schön Elterngeld als finanzielle Unterstützung für Eltern auch ist, so unschön können die steuerlichen Nebenfolgen sein.

Erfreulich ist, dass das Elterngeld zunächst steuerfrei ist. Es unterliegt allerdings dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass das steuerfreie Elterngeld bei der Einkommensteuerveranlagung zu einem höheren Steuersatz führen kann. Eltern müssen daher vielfach mit Einkommensteuernachzahlungen rechnen. Dieser Effekt tritt im Übrigen auch etwa bei dem steuerfreien Bezug von Arbeitslosengeld, Krankengeld oder den Aufstockungsbeträgen im Rahmen der Altersteilzeitmodelle auf.

Beispiel: Das zu versteuernde Einkommen der Eltern für 2015 liegt bei 30.000,- Euro und das steuerfreie Elterngeld 10.000,- Euro. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 30.000,- Euro beträgt die Steuerlast eigentlich nur 2.642,- Euro. Wegen der Auswirkung des Elterngeldes beläuft sich die Forderung des Finanzamts jedoch auf 3.916,- Euro.

Steuerlich gilt es noch einen weiteren Aspekt zu beachten. Wenn die Eltern etwa ihre über 25 Jahre alte Tochter mit eigenem Nachwuchs unterstützen, weil diese sich noch in Ausbildung befindet, können die Unterstützungsleistungen der Eltern für 2015 bis zu einem Höchstbetrag von 8.472,- Euro von der Steuer abgesetzt werden. Die Einkünfte aus Elterngeld mindern diese Möglichkeit der steuerlichen Absetzung aber um den genannten Betrag.

Zusätzlich können auch die Kranken- und Pflegeversicherungsleistungen berücksichtigt werden. Dabei werden allerdings die eigenen Einkünfte und Bezüge der Tochter den Höchstbetrag mindernd angerechnet, soweit sie den anrechnungsfreien Betrag von 624,- Euro übersteigen.

Unser Tipp: Von den anzurechnenden Bezügen ist zunächst eine sogenannte Kostenpauschale von 180,- Euro und - falls kein Arbeitslohn erzielt worden ist - auch noch der Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 1.000,- Euro abzuziehen.

Beispiel: Die von den Eltern unterstützte 26jährige Tochter hat in 2015 nur Elterngeld in Höhe von 4.000,- Euro bezogen. Im Rahmen der Anrechnung sind vom Elterngeld abzuziehen:

Jahreseinkünfte  4.000,- Euro
Abzüglich Arbeitnehmer-Pauschbetrag- 1.000,- Euro
Abzüglich Kostenpauschale   - 180,- Euro
auf die elterliche Unterstützung anzurechnen  2.820,- Euro

Praxishinweis: Umstritten ist derzeit noch die Frage, ob auch der sogenannte Sockelbetrag des Elterngeldes anzurechnen ist, also die gesetzlich definierten 300,- Euro Mindest-Elterngeld monatlich. Das Finanzgericht Sachsen hat sich mit dem Urteil vom 21.10.2015 (2 K 1175/15) zwar für die Anrechnung in voller Höhe ausgesprochen, aber die Revision beim Bundesfinanzhof zugelassen – die endgültige Entscheidung bleibt also abzuwarten.