Flexirente: Was ändert sich?

Ziele des Flexirentengesetzes sind eine Verlängerung der individuellen Lebensarbeitszeit der Beschäftigten und eine Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand.

Heute sind beschäftigte Arbeitnehmer versicherungsfrei in der Rentenversicherung und zur Arbeitsförderung, wenn sie eine Vollrente wegen Alters beziehen. Ab dann zahlen sie keine Beiträge zu vorher genannten Versicherungszweigen, auch wenn sie weiterhin beschäftigt werden.

Zwar haben Arbeitgeber ihren Beitragsanteil an die Rentenversicherung zu leisten, dies bleibt rentenrechtlich jedoch ohne Auswirkungen. Durch eine Beschäftigung neben einer Altersvollrente lässt sich daher derzeit keine höhere Rente mehr erreichen.

Ab 2017 tritt Rentenversicherungsfreiheit für Bezieher einer Vollrente wegen Alters erst nach Ablauf des Monats ein, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wird.

Wenn ein Arbeitnehmer also vor Erreichen der Regelaltersrente bereits – mit Abzügen – eine Vollrente bezieht und weiter beschäftigt ist, werden noch rentensteigernde Beiträge gezahlt. Dies soll den Anreiz erhöhen, neben der Rente weiterzuarbeiten und den späteren Lebensstandard zu erhöhen.

Versicherte, die vorzeitig eine Alters-Vollrente beanspruchen wollen, wird derzeit wegen des dann längeren Rentenbezugs für jeden Monat der früheren Inanspruchnahme 0,3 Prozent von der Rente abgezogen.

Mindern können sie die Rentenkürzung nur, wenn sie bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze eigene Zahlungen an die Rentenversicherung leisten. Diese Möglichkeit ist heute nicht attraktiv genug gestaltet. Ausgleichszahlungen können heute grundsätzlich erst ab dem 55. Lebensjahr erfolgen. So sind hohe Beträge in relativ kurzer Zeit aufzubringen.

Um diesen Zeitraum zu verlängern, wird der Zeitraum für die Zahlung von Ausgleichszahlungen bereits ab einem Alter von 50 Jahren vorverlegt. Damit können die finanziellen Folgen der vorgezogenen Rente geschmälert werden.

Anhebung der Regelaltersgrenze
Geburtsjahr19471948194919501951195219531954195519561957195819591960196119621963
Anhebung um Monate1234567891011121416182022
auf Alter in Jahren6565656565656565656565666666666666
auf Alter in Monaten12345678910110246810

 

 

Viele ältere Menschen in Deutschland können, wollen oder müssen sogar länger arbeiten. Darunter sind viele, die bereits eine Vollrente wegen Alters beziehen und eine 450-Euro-Beschäftigung ausüben. Aber wie wirkt sich die Rente auf die Rentenversicherungspflicht aus?

Gesetzliche Regelung

Geringfügig entlohnte Beschäftigungen sind kranken- und arbeitslosenversicherungsfrei, nicht pflegeversicherungspflichtig, jedoch rentenversicherungspflichtig. Wenn diese geringfügig Beschäftigten ab 2017 eine Vollrente wegen Alters beziehen, berührt dies die Rentenversicherungspflicht nicht. Nach Erreichen des Regelrentenalters tritt Rentenversicherungsfreiheit ein mit der Option, sich hiervon befreien zu lassen. Personen, die bereits heute eine Vollrente wegen Alters vor Erreichen der Regelaltersgrenze beziehen und in einer Beschäftigung versicherungsfrei sind, bleiben in dieser Beschäftigung oder versicherungsfrei. Sie können jedoch durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber auf die Versicherungsfreiheit verzichten. Der Verzicht kann nur mit Wirkung für die Zukunft erklärt werden und ist für die Dauer der Beschäftigung bindend.

Befreiung von der Rentenversicherung

Arbeitnehmer, die eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausüben, werden auf Antrag von der Versicherungspflicht befreit (Opt-out-Regelung). Diese Möglichkeit besteht 2017 auch während des Bezugs einer Vollrente wegen Alters. Der Antrag kann bei mehreren geringfügigen Beschäftigungen nur einheitlich gestellt werden und ist für die Dauer der Beschäftigungen bindend. Deshalb können Personen, die sich in einer geringfügigen Beschäftigung vor Bezug einer Vollrente von der Rentenversicherungspflicht haben befreien lassen, in derselben Beschäftigung nicht später wegen der Bindungswirkung der Antragsbefreiung auf die Versicherungsfreiheit verzichten. Sie bleiben auch über das Erreichen der Regelaltersgrenze hinaus rentenversicherungsfrei.

Pauschalbeiträge und Rentenansprüche

Für rentenversicherungsfreie Minijobber hat der Arbeitgeber einen Pauschbetrag von 15 Prozent (bei haushaltsnahen Beschäftigungen 5 Prozent) an die Rentenversicherung zu zahlen. Dieser Pauschbetrag führte bisher bis zum Beginn der Vollrente wegen Alters zu (geringfügigen) Leistungsansprüchen des Beschäftigten gegenüber der Rentenversicherung Ab 2017 erhalten auch versicherungsfreie geringfügig Beschäftigte, die vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Vollrente wegen Alters beziehen, Zuschläge an Entgeltpunkten.

  • Rentenversicherung:

Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben den Beitrag zur Rentenversicherung jeweils zur Hälfte zu tragen, solange Rentenversicherungspflicht besteht. Beschäftigte, die als Bezieher einer Vollrente wegen Alters oder wegen Erreichens der Regelaltersgrenze versicherungsfrei sind, tragen die Arbeitgeber derzeit die Hälfte des Beitrags, der zu zahlen wäre, wenn die Beschäftigten versicherungspflichtig wären. Diese Regelung kommt ab 2017 nur noch dann in Betracht, wenn sich der Beschäftigte vor Erreichen des Regelrentenalters von der Versicherungspflicht hat befreien lassen oder – nach Erreichen der Altersgrenze – nicht die Versicherungspflicht gewählt hat.

  • Arbeitslosenversicherung

Die Beschäftigten sind mit Ablauf des Monats versicherungs- und beitragsfrei, in dem sie das für den Anspruch auf Regelaltersrente maßgebliche Lebensjahr vollenden. Für diese Beschäftigten tragen die Arbeitgeber die Hälfte des Beitrages, der zu zahlen wäre, wenn die Beschäftigten versicherungspflichtig wären. Durch das Flexirentengesetz wird dieser Arbeitgeber-Beitragsanteil für fünf Jahre – bis zum 31.12.2021 – ausgesetzt.

Beschäftigungsbeginn vor 01.01.2017 ohne Verzicht auf Versicherungsfreiheit

  • Ab dem 01.07.2016 Rentenbezieher als Altersvollrentner
  • Aufnahme einer grundsätzlich voll versicherungspflichtigen Beschäftigung ab 01.10.2016
  • Arbeitnehmer wünscht keine weiteren Entgeltpunkte in der Rentenversicherung

Ergebnis: Es ändert sich zum 01.01.2017 ausschließlich die Beitragsgruppe in der Arbeitslosenversicherung.

Meldeverlauf:

  • Ab 01.10.2016 Anmeldung mit der Personengruppe (PG) 119, Beitragsgruppe 3321.
  • Zum 31.12.2016 erfolgt die Abmeldung mit Grund 32 und
  • eine Anmeldung mit Grund 12 zum 01.01.2017. Die PG ist dann weiterhin 119, Beitragsgruppe ist 3301.

 

Beschäftigungsbeginn vor 01.01.2017 mit Verzicht auf Versicherungsfreiheit

  • Ab dem 01.07.2016 Rentenbezieher als Altersvollrentner
  • Aufnahme einer grundsätzlich voll versicherungspflichtigen Beschäftigung ab 01.10.2016
  • Arbeitnehmer wünscht weitere Entgeltpunkte in der Rentenversicherung

Meldeverlauf:

  • Ab 01.10.2016 Anmeldung mit der PG 119, Beitragsgruppe 3321.
  • Zum 31.12.2016 erfolgt die Abmeldung mit Grund 32 und
  • eine Anmeldung mit Grund 12 zum 01.01.2017. PG ist dann 101, Beitragsgruppe ist 3101.
  • Ab 01.07.2017 muss die Anmeldung zum 01.01.2017 vom Arbeitgeber storniert werden und
  • eine neue Anmeldung zum 01.01.2017 mit PG120 und Beitragsgruppe 3101 übermittelt werden.

 

Beschäftigungsbeginn zwischen 01.01.2017 und 30.06.2017 ohne Verzicht auf Versicherungsfreiheit

  • Ab dem 01.07.2016 Rentenbezieher als Altersvollrentner
  • Aufnahme einer grundsätzlich voll versicherungspflichtigen Beschäftigung ab 01.02.2017
  • Arbeitnehmer wünscht keine weiteren Entgeltpunkte in der Rentenversicherung

Meldeverlauf:

  • Ab 01.02.2017 Anmeldung mit der PG 119, Beitragsgruppe 3301.

 

Beschäftigungsbeginn zwischen 01.01.2017 und 30.06.2017 mit Verzicht auf Versicherungsfreiheit

  • Ab dem 01.07.2016 Rentenbezieher als Altersvollrentner
  • Aufnahme einer grundsätzlich voll versicherungspflichtigen Beschäftigung ab 01.02.2017
  • Arbeitnehmer wünscht weitere Entgeltpunkte in der Rentenversicherung

Meldeverlauf:

  • Ab 01.02.2017 Anmeldung mit der PG 101, Beitragsgruppe 3101.
  • Zum 01.07.2017 muss die Anmeldung zum 01.02.2017 vom Arbeitgeber storniert werden
  • und eine neue Anmeldung zum 01.02.2017 mit Personengruppe 120 und Beitragsgruppe 3101 übermittelt werden.

 

Beschäftigungsbeginn ab 01.07.2017 ohne Verzicht auf Versicherungsfreiheit

  • Ab dem 01.07.2016 Rentenbezieher als Altersvollrentner
  • Aufnahme einer grundsätzlich voll versicherungspflichtigen Beschäftigung ab dem 01.08.2017
  • Arbeitnehmer wünscht keine weiteren Entgeltpunkte in der Rentenversicherung

Meldeverlauf:

  • Ab 01.08.2017 Anmeldung mit der PG 119, Beitragsgruppe 3301.

 

Beschäftigungsbeginn ab 01.07.2017 mit Verzicht auf Versicherungsfreiheit

  • Ab dem 01.07.2016 Rentenbezieher als Altersvollrentner
  • Aufnahme einer grundsätzlich voll versicherungspflichtigen Beschäftigung ab dem 01.08.2017
  • Arbeitnehmer wünscht weitere Entgeltpunkte in der Rentenversicherung

Meldeverlauf:

  • Ab 01.08.2017 Anmeldung mit der PG 101, Beitragsgruppe 3101.