Gehaltsumwandlung

Arbeitgeber werden zunehmend mit Gehaltsumwandlungs- oder Nettolohnoptimierungsmodellen konfrontiert.

Doch was ist möglich? Worauf müssen Arbeitgeber achten?

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht die Umwandlung von steuerpflichtigen Lohnbestandteilen in eine steuerfreie oder zumindest pauschal versteuerte Zuwendung. Dies kann auf Basis geänderter oder gar neuer Arbeitsverträge geschehen. Gehaltsumwandlungen werden steuerlich nur anerkannt, wenn diese bevor der Vergütungsanspruch entsteht, zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber abgeschlossen werden – also bevor die entsprechende Lohnzahlung fällig wird.

Vielfach wird vom Gesetzgeber gefordert, dass die steueroptimierte Leistung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn hinzukommt. Der Knackpunkt: Das „Zusätzlichkeitserfordernis“ kann dann nicht im Wege einer Gehaltsumwandlung (Reduzierung des Barlohns unter gleichzeitiger Vereinbarung von Zusatzleistungen) erfüllt werden. Hinweis: Zu diesem Punkt ist ein Revisionsverfahren vor dem Bundesfinanzhof (BFH) anhängig (Aktenzeichen: VI R 21/17).

Das Zusätzlichkeitserfordernis gilt z.B. für folgende Arbeitgeberleistungen:

  • steuerfreie Kindergartenzuschüsse (§ 3 Nummer 33 EStG)
  • steuerfreie Kinderbetreuung (§ 3 Nummer 34a EStG)
  • Zuschüsse zur Gesundheitsförderung (§ 3 Nummer 34 EStG)
  • pauschal zu versteuernde Barzuschüsse zu Fahrtkosten (§ 40 Absatz 2 EStG)
  • pauschal zu versteuernde Internetzuschüsse (§ 40 Absatz 2 Nummer 5 EStG)

Beispielsfälle ohne Zusätzlichkeitsvoraussetzung:

  • Zahlung von steuerfreiem Verpflegungsmehraufwand (§ 3 Nummer 16 EStG)
  • Steuerfreie Handy-Überlassung (§ 3 Nummer 45 EStG)
  • Steuerfreie Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge (§ 3b EStG)
  • Mahlzeitenzuschüsse (§ 40 Absatz 2 Nummer 1 EStG)
  • Lohnsteuerpauschalierung von Erholungsbeihilfen (§ 40 Absatz 2 Nummer 3 EStG).

Am Markt beworben werden auch Umwandlungsmodelle im Zusammenhang mit Entgeltzahlungen des Arbeitgebers für Werbeflächen auf dem Privatfahrzeug des Arbeitnehmers. Ziel dabei ist es, den steuerpflichtigen Arbeitslohn in sonstige Einkünfte umzuwandeln, die dann im Rahmen des § 22 Nummer 3 EStG bis zu 256,- Euro jährlich steuerfrei bleiben.

Wichtig: Die Modelle werden bei fehlender Marktüblichkeit vom Finanzamt nicht anerkannt. Dies gilt z.B., wenn für das Anbringen nur eines kleinen Firmenlogos des Arbeitgebers am Fahrzeug ein am Markt ansonsten unübliches bzw. überhöhtes Entgelt gezahlt wird. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat über einen entsprechenden Fall entschieden und ist dabei weiter von steuerpflichtigem Lohn ausgegangen (Urteil vom 23.11.2016, Aktenzeichen 2 K 1180/16).

Unser Tipp: Der BFH wird demnächst abschließend zur Zusätzlichkeitsvoraussetzung entscheiden. Das entsprechende Aktenzeichen lautet: VI R 21/17.

Beispiel: Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf eine monatliche Barzuwendung in Höhe von 3.000,- Euro. Sein Arbeitgeber vereinbart mit dem Arbeitnehmer, zum 01.12.2017 den Arbeitsvertrag wie folgt zu ändern (Gehaltsumwandlung): Barzuwendung 2.980,- Euro + monatliches Entgelt von 20,- Euro für eine große Werbefläche auf den vorderen Türen des Privatfahrzeugs des Arbeitnehmers. Dieser erhält weiter faktisch 3.000,- Euro, zu versteuern sind aber nur noch 2.980,- Euro. Das Entgelt für die Werbefläche bleibt steuerfrei im Rahmen des § 22 Nummer 3 EStG.