Kindergeld - verlängerter Anspruch

Das Bundesfinanzministerium hat seine Auffassung zur Erwerbstätigkeitsprüfung bei volljährigen Kindern geändert.

Bei sogenannten mehraktigen Ausbildungen, Masterstudiengängen und studienintegrierten Ausbildungen haben Eltern nach der neuen Auffassung einen Kindergeldanspruch.

Bisher galt folgendes: Volljährige Kinder können nach dem Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums steuerlich bei den Eltern nur noch berücksichtigt werden, wenn sie etwa weiter in Ausbildung sind und keiner Erwerbstätigkeit von mehr als 20 Wochenstunden nachgehen (§ 32 Absatz 4 Satz 2 und 3 EStG).

Zur Entwicklung

In der letzten Zeit hat der Bundesfinanzhof (BFH) elternfreundliche Entscheidungen getroffen. Denn der BFH geht zunehmend auch bei mehreren, weiteren Ausbildungsabschnitten noch von einer einheitlichen Erstausbildung aus, sodass die Prüfung der etwaigen Erwerbstätigkeit gar nicht zum Zuge kommt. Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) hat mit seinem Schreiben vom 8.2.2016 diese Rechtsprechungsgrundsätze übernommen. Eine weiterführende Ausbildung (zum Beispiel BWL-Bachelorstudium nach der Ausbildung zur Bankkaufrau) kann danach noch Teil einer Erstausbildung sein kann, sofern das Kind sein angestrebtes Berufsziel noch nicht erreicht hat.

Erforderlicher zeitlicher und sachlicher Zusammenhang: Die Auslegung verschiedener Ausbildungsabschnitte als einheitliche Erstausbildung kommt allerdings nur in Betracht, wenn beide Ausbildungsteile in einem engen sachlichen Zusammenhang stehen (zum Beispiel dieselbe Berufssparte betreffen) und zeitlich eng miteinander verknüpft sind, zum Beispiel wenn das Kind die Ausbildung zum nächstmöglichen Zeitpunkt aufnimmt.

Masterstudium: Für den Fall der sogenannten konsekutiven (mehrteilige) Masterstudiengänge hat das BMF ebenfalls auf die BFH-Rechtsprechung (Urteil v. 3.9.2015 - VI R 9/15) reagiert. Ein Masterstudium zählt danach noch zur Erstausbildung, wenn es zeitlich und inhaltlich auf den Bachelorstudiengang abgestimmt ist.

Beispiel: Der Student übt neben dem Studium einen Kellner-Aushilfsjob für 25 Stunden wöchentlich aus. Er schließt an das BWL-Bachelor-Studium noch den Master-Studiengang an. Folge: Auch in der Phase des Masterstudiums ist der Job unschädlich. Die Eltern behalten bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres ihres Nachwuchses den Anspruch auf Kindergeld bzw. die Freibeträge für Kinder.

Als unter 25-Jähriger darf man nach Abschluss der Ausbildung nicht mehr als 20 Stunden arbeiten, wenn die Eltern das Kindergeld und den –freibetrag beanspruchen wollen. Die 20-Stunden-Regelung darf jedoch überschritten werden, wenn das Finanzamt die Ausbildung als konsekutiv (mehrteilig) und noch nicht beendet anerkennt - natürlich nur bis zum 25. Lebensjahr.

Gut zu wissen: Diese Änderung gilt für Steuer-Veranlagungszeiträume ab 2015.

Mehr zum Thema:

BMF-Schreiben IV C 4 - S 2282/07/0001-01 / 2015/1175697