Lohnlücke wird nicht als ungerecht empfunden

Frauen werden noch immer generell schlechter bezahlt als Männer – und seit Jahren bleibt auch der Abstand zwischen den Löhnen (Gender Pay Gap) gleich.

Neues Gesetz zur Lohngleichheit

Am 30. März 2017 wurde das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen verabschiedet. Dieses sichert Beschäftigten in Betrieben mit mindestens 200 Mitarbeitern einen Auskunftsanspruch zur Vergütung gleich qualifizierter KollegInnen zu. Das Gesetz soll im April oder Mai 2017 in Kraft treten.

Lohngerechtigkeit zwischen Mann und Frau: bei der SBK selbstverständlich!

Auch am sogenannten "Equal Pay Day 2017" am 18. März wurde vielerorts über das Gehalt gesprochen. Und zwar über die immer noch bestehenden Unterschiede bei der Bezahlung von Mann und Frau. Denn, obwohl das Allgemeine Gleichstellungsgesetz diese Form der Diskriminierung verbietet, ist es immer noch an der Tagesordnung, dass Frauen nicht nach dem Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ bezahlt werden. Deshalb liegt die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland leider konstant bei über 20 Prozent.

Nicht bei uns: "Wir entlohnen völlig unabhängig vom Geschlecht und orientieren uns bei der Eingruppierung an der Bewertung der Funktionen und Stellenprofile. Das gilt auch für die Besetzung von Stellen. Hier erfolgt eine Bestenauswahl unter Berücksichtigung von Kompetenzen und Wissen", so unsere SBK-Gleichstellungsbeauftragte Christine Ahnert.

Aktuelle Studie

Eine aktuelle Studie ergab nun, dass viele Menschen diesen Unterschied als gerecht empfinden – möglicherweise ein Ergebnis geschlechterübergreifender Vorurteile.

Drei SoziologInnen der Universitäten München, Konstanz und Nijmegen befragten mehr als 1.600 in Deutschland wohnende Personen dazu, für wie gerecht sie die Bruttolöhne verschiedener (fiktiver) ArbeitnehmerInnen halten. Dazu legten sie den Probanden Lebensläufe zu diesen „ArbeitnehmerInnen“ mit Informationen zu Geschlecht, Alter, Beruf und Ausbildung vor. Anhand dieser Informationen sollten die Befragten auf einer elfstufigen „Fairness-Skala“ bewerten, für wie gerechtfertigt sie den angegebenen Lohn hielten. Es wurden mehr als 26.000 Bewertungen erhoben.

Geschlecht als Lohnmerkmal

Zu ihrer Verwunderung stellten die ForscherInnen fest, dass das Geschlecht bei der Fairness-Bewertung unabhängig von den übrigen Merkmalen eine signifikante Rolle spielte. Männer galten unabhängig vom eigenen Geschlecht tendenziell als unterbezahlt, Frauen als überbezahlt. Der für Frauen als gerecht empfundene durchschnittliche Lohn lag nur bei 92 Prozent des Wertes für identisch qualifizierte Männer.

Die AutorInnen der Studie bewerten dieses Ergebnis als „klaren Hinweis auf Diskriminierung“. Zudem stellten sie fest, dass TeilnehmerInnen, die in Branchen mit großem Gender Pay Gap arbeiteten, den überdurchschnittlichen Abstand generell als fair einschätzten. Aktuell beträgt der Gender Pay Gap in Deutschland über alle Branchen hinweg 21,3 Prozent (Differenz der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern, Wert des WSI für 2014). Um diese Grundeinstellung zu korrigieren, empfehlen die SoziologInnen, mehr Frauen in die Chefetagen aufzunehmen, um alternative Vorbilder zu schaffen und Veränderungen im Statusdenken zu erreichen.