Lohnsteuerermäßigungsverfahren/Steuerklassenwechsel 2018

Im gerade anlaufenden Lohnsteuerermäßigungsverfahren 2018 sind Neuerungen zu beachten. Auch beim Steuerklassenwechsel von Ehegatten gibt es ab 1. Januar 2018 eine gesetzliche Neuregelung.

Arbeitgeber orientieren sich bei der Lohnabrechnung an den ihnen übermittelten Lohnsteuerabzugsmerkmalen ihrer Mitarbeiter. Hierzu gehören u.a. die Steuerklasse sowie ein ggf. zu berücksichtigender Freibetrag. Schon aus Fürsorgegesichtspunkten empfiehlt es sich aus Arbeitgebersicht, z.B. über die richtige Steuerklassenwahl bei Arbeitnehmer-Ehegatten oder über die Berücksichtigung eines Freibetrags informiert zu sein, um letztlich auch die Mitarbeiter beraten zu können. Zum 1. Januar 2018 stehen Änderungen an.

Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern ab 2018

Arbeitnehmer-Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner können grundsätzlich zwischen drei Steuerklassenkombinationen wählen: IV/IV, III/V oder IV/IV mit Faktorverfahren.

Hinweis: Ist nur ein Ehegatte Arbeitnehmer, wird er die Steuerklasse III wählen. Bei annähernd gleichem Verdienst wird die Steuerklassenkombination IV/IV vorteilhaft sein. Da ansonsten die Steuerklassenkombination III/V nicht selten zu Nachzahlungen bei der Einkommensteuerveranlagung führen kann, wäre die Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktorverfahren hierzu eine Alternative.

Wichtig: Die Steuerklassenkombinationen III/V bzw. IV/IV mit Faktorverfahren führen zur Pflichtveranlagung, d.h. die Betroffenen müssen im Folgejahr eine Steuererklärung abgeben.

Gesetzlich vorgesehene Ehegatten-Steuerklassenkombination

Mit dem Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz wurde gesetzlich geregelt, dass bei Eheschließung zunächst eine automatisierte Einreihung in die Steuerklassen IV/IV erfolgt. Die Steuerklassenkombination IV/IV wird also zum gesetzlichen Regelfall für Ehegatten und die Steuerklassenkombination III/V zur Wahlkombination ausgestaltet. Bei der Heirat wird somit für jeden Ehegatten stets automatisiert die Steuerklasse IV gebildet. Auf gemeinsamen Antrag der Ehegatten erhalten diese rückwirkend zum Zeitpunkt der Eheschließung die Steuerklassenkombination III/V.

Die erstmalige Bildung der Steuerklassenkombination III/V nach der Heirat ist im Übrigen kein schädlicher Steuerklassenwechsel. Die Ehegatten können somit im laufenden Jahr (nochmals) die Steuerklasse wechseln.

Einseitiger Steuerklassenwechsel erstmals möglich

Der Wechsel von der Steuerklasse III oder V in die Steuerklasse IV ist ab dem 1. Januar 2018 auf Antrag nur eines Ehegatten möglich, mit der Folge, dass beide Ehegatten in die Steuerklasse IV eingereiht werden. Somit kommt die Steuerklassenkombination III/V nur noch zur Anwendung, wenn und solange beide Ehegatten dies wollen. Der einseitige Antrag gilt nicht für den Wechsel von der Steuerklasse IV in die Steuerklasse III oder V. Der einseitige Steuerklassenwechsel wird in der Praxis insbesondere für den Fall der dauernden Trennung im laufenden Jahr relevant werden. Gerade der Ehegatte mit der steuerlich „schlechteren“ Steuerklasse V wird bei einer Trennung daran interessiert sein, in eine für ihn günstigere Steuerklasse zu wechseln. Die Personalabteilungen sollten ihre Mitarbeiter bei Bedarf über die Möglichkeiten informieren.

Welche Steuerklasse ist die richtige?

Ehegatten oder Lebenspartner, die beide unbeschränkt steuerpflichtig sind, nicht dauernd getrennt leben und beide Arbeitslohn beziehen, können für den Lohnsteuerabzug wählen, ob sie beide in die Steuerklasse IV eingeordnet werden wollen oder ob einer von ihnen (der Höherverdienende) nach Steuerklasse III und der andere nach Steuerklasse V besteuert werden will.

Um die Wahl der für den Lohnsteuerabzug günstigsten Steuerklassenkombination zu erleichtern, wurde ein zwischen dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) und den obersten Finanzbehörden der Länder abgestimmtes „Merkblatt zur Steuerklassenwahl für das Jahr 2018 bei Ehegatten oder Lebenspartnern, die beide Arbeitnehmer sind“ veröffentlicht. Das Ergebnis der Tabellen ist nur in den Fällen genau, in denen die Monatslöhne über das ganze Jahr konstant bleiben. Sie finden das Merkblatt auf der BMF-Homepage.

Lohnsteuerermäßigungsverfahren 2018

Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeiter darauf hinweisen, dass diese bereits in 2017 bei ihrem Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung für das Jahr 2018 stellen und sich so ein monatliches Plus beim Nettogehalt sichern können. Der Freibetrag kann auf Wunsch auch für zwei Jahre berücksichtigt werden. Ein Antrag muss nicht erneut für Behinderten-Pauschbeträge gestellt werden, die bereits gespeichert und über den 31. Dezember 2017 hinaus weiter gültig sind.

Neue Vordrucke

Der Vordruck „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ wurde auf einen Hauptvordruck sowie Anlage-Vordrucke umgestellt: Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung 2018 (Hauptvordruck); Anlage Werbungskosten; Anlage Kinder; Anlage Sonderausgaben / außergewöhnliche Belastungen. Die Vordrucke sind auf der Homepage Bundesministerium der Finanzen abrufbar. Der bisherige Vordruck „Vereinfachter Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ ist in den Hauptvordruck integriert worden, sodass die Auflage eines gesonderten Vordrucks entfallen ist.

Wann lohnt sich ein Freibetrag?

Ein Freibetrag kann gewährt werden, wenn die abziehbaren Aufwendungen (Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen) insgesamt 600 Euro im Jahr übersteigen. Bei der Berechnung dieser Antragsgrenze zählen Werbungskosten allerdings nur mit, soweit sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von jährlich 1.000 Euro übersteigen.

Lohnsteuerermäßigungsantrag führt zur Pflichtveranlagung

Ein Lohnsteuerermäßigungsantrag für das jeweilige Jahr führt dazu, dass der Arbeitnehmer im Folgejahr eine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben muss!
Übrigens: Wer für 2017 noch keinen Lohnsteuerermäßigungsantrag gestellt hat, kann dies noch bis zum 30. November 2017 nachholen, um sich beim Dezembergehalt 2017 mehr Netto vom Brutto zu sichern.