Steuer: Außergewöhnliche Belastungen

Der Bundesfinanzhof hat wichtige Entscheidungen zur steuerlichen Berücksichtigung von außergewöhnlichen Belastungen erlassen: Die Eigenbeteiligung bei den Krankheitskosten bleibt bestehen.

Krankheitskosten wie für ärztliche Behandlungen, Zahnersatz oder Medikamente können als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat aber entschieden bzw. bestätigt, dass sich die Aufwendungen erst auswirken, wenn die sogenannte zumutbare Belastung überschritten wurde (BFH v. 2.9.2015 VI R 32/13).

Jeder Steuerpflichtige muss sich je nach Einkünften, Familienstand und Kinderzahl an den Kosten beteiligen:

FamilienstandProzentsatz vom Gesamtbetrag der Einkünfte
bis 15.340,- €bis 51.130,- €über 51.130,- €
Steuerbürger ohne Kinder
Nicht verheiratet5%6%7%
Verheiratet4%5%6%

Steuerbürger mit Kindern
bis zwei Kinder2%3%4%
ab drei Kindern1%1%2%

 

Beispiel

Eine Familie mit einem Kind und Einkünften in Höhe von 50.000,- € muss 3 %, also 1.500,- € der Krankheitskosten selbst tragen. Erst wenn im Kalenderjahr mehr Kosten anfallen, würde sich der übersteigende Betrag auswirken.

Unser Tipp

Es kann zunächst steuerlich vorteilhaft sein, wenn die Dauer z.B. einer Zahnbehandlung oder einer behinderungsbedingten Umbaumaßnahme nicht über die Jahreswende hinaus gestreckt wird. Denn wenn die Kosten zusammengeballt in einem Kalenderjahr anfallen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die zumutbare Belastung überschritten wird und sich somit überhaupt ein steuerlicher Vorteil ergibt.

Übrigens: Wenn etwa behinderungsbedingte Umbaumaßnahmen so teuer geworden sind, dass trotz Anrechnung der zumutbaren Belastung die Steuerlast auf null gesenkt worden ist, sollte der sich nicht auswirkende Anteil im nächsten Jahr steuerlich (erneut) geltend gemacht. Bisher lässt die Finanzverwaltung eine Verteilung dieser zum Teil ja recht hohen Kosten auf mehrere Jahre zwar nicht zu. Vor dem Bundesfinanzhof ist hierzu aber ein Muster-Revisionsverfahren anhängig, dessen Ausgang abzuwarten bleibt. Das Aktenzeichen lautet: VI R 36/15.

Wichtig: Für einige Aufwendungen wie für wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden, eine Kur oder eine psychotherapeutische Behandlung verlangt das Finanzamt ein amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung. Diese Nachweise müssen vor Beginn der Maßnahme ausgestellt worden sein!