• 0800 072 572 599 99
    Zentrales SBK-Arbeitgebertelefon,
    7 Tage / 24 Std. gebührenfrei
  • Nachricht an SBK
  • SBK, 80227 München

Weitere

Häusliches Arbeitszimmer in Coronazeiten

Bei den Finanzämtern wird es vermehrt zu Anträgen auf Berücksichtigung von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer kommen.

Das Homeoffice ist für viele Arbeitnehmer wegen der Coronakrise alltäglich geworden. Bei den Finanzämtern wird es vermehrt zu Anträgen auf Berücksichtigung von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer kommen. Aber können die Kosten überhaupt von der Steuer abgesetzt werden?

Ausgangssituation

Nur wenn die räumlichen Voraussetzungen in der privaten Wohnung erfüllt sind, wenn beispielsweise ein separater Raum zur Verfügung steht, kann aktuell ein Werbungskostenabzug beim Arbeitnehmer in Betracht kommen. Des Weiteren sind noch zwei Sonderfälle zu beachten: Nur wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet oder wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, kommt eine gegebenenfalls begrenzte Berücksichtigung der Aufwendungen in Betracht.

Corona-Situation 1: Reines Homeoffice

Ordnen Sie als Arbeitgeber an, dass Ihre Mitarbeiter ausschließlich im Homeoffice tätig werden, ist die Voraussetzung des „Mittelpunktes“ zu Hause erfüllt. Die in diesen Monaten anfallenden Kosten des Arbeitszimmers (z.B. Miete, Heizkosten, etc.) sind in vollem Umfang als Werbungskosten abzugsfähig.

Corona-Situation 2: Überwiegendes Homeoffice

Werden Ihre Mitarbeiter an drei oder mehr Tagen ausschließlich im Homeoffice tätig, ist ebenfalls die Voraussetzung des „Mittelpunktes“ zu Hause ohne Weiteres erfüllt. In diesem Fall ist es unerheblich, ob wegen der besonderen Corona-Situation die Homeoffice-Nutzung angeordnet oder allgemein betrieblich eingeführt worden ist.

Corona-Situation 3: Weniger als 3 Tage Homeoffice pro Woche

Werden die Mitarbeiter an weniger als drei Tagen im Homeoffice tätig, ist die Voraussetzung des „Mittelpunktes“ zu Hause nicht erfüllt. In diesem Fall ist die zweite Voraussetzung zu prüfen, ob für die betriebliche oder berufliche Betätigung kein anderer Arbeitsplatz (in der Firma) zur Verfügung steht. Wurde vom Arbeitgeber beispielsweise angeordnet, dass wegen der Corona-Situation nicht mehr alle Mitarbeiter gleichzeitig im Betrieb anwesend sein dürfen, ist die Voraussetzung, dass ein anderer Arbeitsplatz (in der Firma) nicht zur Verfügung steht, erfüllt. Die Aufwendungen für das Homeoffice sind dann bis zu 1.250 Euro begünstigt.

Corona-Situation 4: Freiwilliges Homeoffice

Anders zu beurteilen wäre es, wenn sich beispielsweise die Infektionszahlen verringert haben, der Arbeitgeber es aber wegen der guten Erfahrungen den Arbeitnehmern ermöglicht, ein oder zwei Tage pro Woche (also weniger als die Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit) weiter von zu Hause aus und ansonsten am Arbeitsplatz im Betrieb zu arbeiten. In diesem Fall liegt weder der Mittelpunkt im Homeoffice noch ist die Voraussetzung des fehlenden Arbeitslatzes im Betrieb erfüllt.

Arbeitszimmer-Pauschale im Gespräch

Aus verschiedenen politischen Ecken kommen aktuell Vorschläge hoch, bei Nutzung eines Homeoffices ohne Prüfung weiterer Voraussetzungen pauschal 5 Euro pro Homeoffice-Tag, maximal 600 Euro pro Jahr, ansetzen zu können. Danach wäre auch eine bloße „Arbeitsecke“ begünstigt. Die politischen Bestrebungen und eventuelle Gesetzesentwürfe bleiben zunächst abzuwarten.

Kehrseite der Medaille 1 – Geringere Entfernungspauschale

Sofern Arbeitnehmer erstmals Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten beantragen, ist unabhängig von der steuerlichen Berücksichtigung des Homeoffice von einer geringeren Anzahl von Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte auszugehen, sodass die Entfernungspauschale zum Teil entfällt.

Wichtig: Ein Wahlrecht zwischen der Berücksichtigung der Aufwendungen für das Homeoffice oder der gegebenenfalls höheren Entfernungspauschale unter Einbeziehung von tatsächlich durchgeführten Fahrten besteht nicht.

Kehrseite der Medaille 2 – zu hohe Pauschalversteuerung

Arbeitgeber können bekanntlich die Zuschüsse zu den Aufwendungen des Arbeitnehmers für seinen Privat-Pkw für Fahrten zum Betrieb mit 15 Prozent pauschal versteuern und dabei (zunächst) von 15 Pendler-Arbeitstagen im Monat ausgehen. Dies gilt auch während der Corona-Krise. Für die Einkommensteuerveranlagung des einzelnen Arbeitnehmers wird sich aber gegebenenfalls das Risiko einer nachträglichen Versteuerung von zuvor pauschalversteuertem Lohn ergeben, wenn sich die Annahme von 180 Arbeitstagen (15 x 12) wegen der Homeoffice-Nutzung auf eine geringere Zahl an Anwesenheitstagen im Betrieb reduziert.

Unser Tipp: Gegebenenfalls sollten Sie sich als Arbeitgeber im laufenden Jahr an den tatsächlichen Tagen orientieren, um spätere Steuernachzahlungen beim Arbeitnehmer zu vermeiden.

Fühlen Sie sich durch die Inhalte gut informiert?