Jobtickets vom Arbeitgeber: So gehen Sie richtig vor

Seit dem 01.01.2019 ist das vom Arbeitgeber überlassene Jobticket steuerfrei.

Seit dem 1. Januar 2019 heißt es im Einkommenssteuergesetz: "Zuschüsse des Arbeitgebers, die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn zu den Aufwendungen von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Fahrten zu einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet oder zu einem vom Arbeitgeber dauerhaft festgelegten Sammelpunkt geleistet werden, sind steuerfrei".

Aktuell: Job-Ticket führt nicht generell zu Arbeitslohn

Das Finanzgericht Hessen hatte über einen Fall zu entscheiden, in dem der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern im Rahmen eines Parkraumbewirtschaftungskonzeptes in Zusammenarbeit mit einem Verkehrsverbund ein verbilligtes Job-Ticket in Form einer Mobilitätskarte angeboten hat. Das Gericht hat entgegen der Auffassung des Finanzamts keinen Veranlassungszusammenhang zwischen dem Rabatt und der Arbeitsleistung gesehen.

Hintergrund

Erwirbt der Arbeitgeber bei einem Verkehrsträger Tickets und überlässt er diese seinen Mitarbeitern für die Fahrten zur Arbeit unentgeltlich oder verbilligt, führt dies aus fiskalischer Sicht zur Annahme von Arbeitslohn und hat aktuell folgende steuerliche Konsequenzen:

Der Sachbezug bleibt steuerfrei gem. § 3 Nummer 15 des Einkommensteuergesetzes (EStG), sofern der Vorteil zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht wird. Allerdings wird beim Arbeitnehmer die Entfernungspauschale gekürzt. Die Steuerbefreiung gilt auch für Zuschüsse des Arbeitgebers zu den Fahrberechtigungen, die die Mitarbeiter selbst erwerben.

Doch Vorsicht: Wird die Zuwendung durch Gehaltsumwandlung erbracht, entsteht Steuerpflicht. Der Arbeitgeber kann aber eine Pauschalversteuerung in Höhe von 25 % vornehmen. Eine Anrechnung auf die Entfernungspauschale in der Einkommensteuerveranlagung des Arbeitnehmers entfällt in diesem Fall. Alternativ ist auch eine Pauschalversteuerung mit 15 % möglich. Diese wiederum führt aber zur Kürzung der Entfernungspauschale beim Arbeitnehmer.

Finanzgericht mit neuer Tendenz

Das Finanzgericht Hessen hat mit dem Urteil vom 25.11.2020 entschieden, dass die Überlassung eines Job-Tickets im Rahmen einer sog. Mobilitätskarte, die darauf abstellt, die Parkplatznot des Arbeitgebers zu beseitigen, erst gar nicht zu Arbeitslohn beim Arbeitnehmer führen kann.

Das Gericht begründet seine Entscheidung damit, dass das Job-Ticket keine Prämie oder Belohnung für eine Arbeitsleistung darstellt. Vielmehr habe das Unternehmen die Mobilitätskarte angeboten, um die Beschäftigten zur Nutzung des ÖPNV anzuhalten und so die angespannte Parkplatzsituation zu entschärfen. Das Gericht sieht insoweit keinen Arbeitslohn, weil die Leistung im ganz überwiegend betrieblichen Interesse des Arbeitgebers liegt.

Folge: Es bedarf weder einer gesonderten Steuerbefreiungsvorschrift noch einer Lohnsteuerpauschalierung.

Ausblick

Das Urteil des Finanzgerichts Hessen ist noch nicht rechtskräftig. Der Streitfall ist beim Bundesfinanzhof anhängig. Das dortige Aktenzeichen lautet: VI B 5/21. Der Ausgang des Verfahrens bleibt abzuwarten.

Steuerfreiheit nur für zusätzliche Arbeitgeberleistungen

Der Steuerbefreiung unterliegen nur Arbeitgeberleistungen, die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden. Als zusätzlich gilt eine Leistung des Arbeitgebers auch dann, wenn der Arbeitnehmer aus den zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn zur Verfügung gestellten Mobilitätsalternativen wählen kann (z.B. Dienstwagen, E-Bike oder Fahrberechtigung für öffentliche Verkehrsmittel).

Neue Lohnsteuerpauschalierung bei Jobtickets

Arbeitgeberleistungen für "Jobtickets", die zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden, sind steuerfrei. Problematisch ist, dass diese Arbeitgeberleistungen die Entfernungspauschale der Arbeitnehmer mindern. Hier besteht für Arbeitgeber die Möglichkeit durch eine neue Lohnsteuerpauschalierung die Anrechnung beim Arbeitnehmer zu verhindern.

Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz von 25 Prozent anstelle der „Jobticket-Steuerfreiheit“ nach § 3 Nummer 15 Einkommensteuergesetz (EStG) einheitlich für alle dort genannten Bezüge erheben. Dies gilt für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr, d.h. auch etwa mit IC oder ICE, und generell für (auch private) Fahrten mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Die Pauschalierungsmöglichkeit gem. § 40 Absatz 2 Satz 2 Nummer 2 EStG mit 25 Prozent besteht auch, wenn die Arbeitgeberleistungen steuerpflichtig über eine Gehaltsumwandlung (also nicht zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn) erbracht werden. Die Gesetzesänderungen sind Gegenstand des Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität (Jahressteuergesetz 2019 vom 12.12.2019, BGBl. Teil I 2019, Seite 2451).

Einheitliche Anwendung

Die Pauschalierung muss (je Arbeitnehmer) einheitlich für das gesamte Kalenderjahr angewendet werden.

Bemessungsgrundlage

Bemessungsgrundlage der pauschalen Lohnsteuer sind die Aufwendungen des Arbeitgebers einschließlich Umsatzsteuer.

Vorteil der Neuregelung

Vorteil der Abwahl der Steuerfreiheit bzw. der Wahl der Pauschalierung mit 25 Prozent ist, dass eine Minderung der Entfernungspauschale beim Mitarbeiter entfällt.

Praxistipp: Insoweit bietet sich der jeweilige Blick auf die persönlichen Verhältnisse beim Arbeitnehmer an. Die Pauschalierung mit 25 Prozent würde beispielsweise keinen Sinn machen, wenn der Arbeitnehmer ohnehin nur den Arbeitnehmer-Pauschbetrag erhält oder es sich um einen pauschal besteuerten „Minijob“ handelt.

Keine Bescheinigungspflicht

Infolge des Verzichts auf die Minderung der Entfernungspauschale beim Arbeitnehmer müssen die mit 25 Prozent pauschal besteuerten Bezüge auch nicht in der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung an das Finanzamt übermittelt werden.

Folgewirkungen

Die pauschalbesteuerten Bezüge bleiben bei der Anwendung der Pauschalierung der Lohnsteuer für Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte außen vor. Die Pauschalbesteuerungstatbestände unterliegen auch nicht der Beitragspflicht in der Sozialversicherung (vgl. § 1 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 Sozialversicherungsentgeltverordnung).

Klarstellung durch das Bundesfinanzministeriums am 15.08.2019

Unter die Steuerbefreiung fallen Arbeitgeberleistungen in Form von unentgeltlichen oder verbilligt überlassenen Fahrberechtigungen (Sachbezüge) sowie Zuschüsse (Barlohn) zu den von Arbeitnehmern selbst erworbenen Fahrberechtigungen. Begünstigt sind insbesondere Einzel-/Mehrfahrtenfahrscheine, Zeitkarten (z.B. Monats-, Jahrestickets, Bahncard 100), allgemeine Freifahrberechtigungen, Freifahrberechtigungen für bestimmte Tage (z.B. bei Smogalarm) oder Ermäßigungskarten (z.B. Bahncard 25).

Unterschied zwischen Personenfern- und Personennahverkehr

Steuerfrei begünstigt sind zwei Bereiche:

Unser Tipp: Die Nutzung des ÖPNV ist unabhängig von der Art der Fahrten begünstigt, also auch bei reinen Privatfahrten. Damit ist - anders als im Personenfernverkehr - bei Fahrberechtigungen, die nur eine Nutzung des Personennahverkehrs ermöglichen, vom Arbeitgeber keine weitere Prüfung zur Art der Nutzung vorzunehmen!

Personenfernverkehr – öffentliche Verkehrsmittel im LinienverkehrPersonennahverkehr
  • Fernzüge der DB (ICE, IC, EC), Fernbusse auf festgelegten Linien oder Routen und Haltepunkten
  • vergleichbare Hochgeschwindigkeitszüge und schnellfahrende Fernzüge anderer Anbieter (z.B. TGV, Thalys).
  • Als ÖPNV gelten alle öffentlichen Verkehrsmittel, die nicht Personenfernverkehr sind!

Beispiel: Franz Fischer wohnt in Nürnberg. Er fährt täglich mit der Bahn zu seiner Arbeitsstelle in Ingolstadt. Der Arbeitgeber hat die Kosten für das Bahn-Ticket übernommen. Die Fahrberechtigung gilt für den Nahverkehr (RE) für die Strecke zwischen Nürnberg – Ingolstadt und weiter bis München.

Folge: Das Jobticket ist steuerfrei, auch wenn das Ticket etwa am Wochenende für Fahrten nach München genutzt werden kann.

Abwandlung 1: Franz Fischer erhält eine Fahrberechtigung für die IC/ICE-Nutzung für die Strecke Nürnberg - Ingolstadt - München.

Folge: In diesem Fall ist die über die Strecke Nürnberg-Ingolstadt hinausgehende Fahrberechtigung steuerpflichtig.

Abwandlung 2: Bei einer IC/ICE-Fahrberechtigung nur für die Strecke Nürnberg – Ingolstadt entstünde keine Steuerpflicht.

Mitnahme von Personen

Umfasst die Fahrberechtigung die Mitnahme von anderen Personen oder ist die Fahrberechtigung auf andere Personen übertragbar, schließt dies die Steuerbefreiung nicht von vornherein aus.

Beispiel: Max Meier erhält von seinem Arbeitgeber ein Jobticket für den Weg zur Arbeit. Abends und am Wochenende kann er einen weiteren Erwachsenen und bis zu zwei Kinder mitnehmen. Das Jobticket ist steuerfrei.

Amortisationsprognose

Die Jobticket-Steuerbefreiung ist nachrangig. D.h., dass die Steuerbefreiung etwa für die Nutzung einer Bahn-Card (auch) für Dienstreisen vorrangig zu berücksichtigen ist. Maßgebend ist die Prognose. Dies hat Bedeutung für die vom Arbeitnehmer im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung geltend zu machenden Entfernungspauschale, da die Jobticket-Steuerbefreiung auf die Entfernungspauschale angerechnet wird.

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