Entgeltfortzahlung: Vorerkrankungsanfragen ändern sich ab Januar 2018

Arbeitgeber benötigen zur Beurteilung der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall Informationen, ob und wie lange der entsprechende Arbeitnehmer zuvor schon wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig war.

Wenn Leistungsträger, z. B. Krankenkassen, für Leistungen wie Krankengeld, Kinderkrankengeld, Mutterschaftsgeld und ähnliche Entgeltersatzleistungen Angaben über das Beschäftigungsverhältnis benötigen, fordern sie vom Arbeitgeber eine Entgeltbescheinigung an. Dies erfolgt im Datenaustauschverfahren Entgeltersatzleistungen.

Ist ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig, werden gleiche Vorerkrankungen unter Umständen auf die Sechs-Wochen-Frist für die Entgeltfortzahlung angerechnet. Solche möglichen Vorerkrankungen können Arbeitgeber mit ihren Entgeltabrechnungsprogrammen oder Ausfüllhilfen über den elektronischen Datenaustausch für Entgeltersatzleistungen bei den Krankenkassen abfragen.

Damit die Menge der Anfragen zu anrechenbaren Vorerkrankungszeiten auf das notwendige Maß beschränkt bleibt, muss

  1. für die aktuelle Arbeitsunfähigkeit ein Nachweis vorliegen und
  2. in den letzten sechs Monaten vor Beginn der aktuellen Arbeitsunfähigkeit mindestens eine bescheinigte potenzielle Vorerkrankung in Bezug auf die aktuelle Arbeitsunfähigkeit vorliegen sowie
  3. die Zeiten der anzufragenden Arbeitsunfähigkeiten – einschließlich der aktuellen – insgesamt mindestens 30 Tage umfassen.

Werden in Entgeltabrechnungsprogrammen die Fehlzeiten mit einem offenen Ende verwaltet, ist zur Prüfung der Frist die Arbeitsunfähigkeit mit einer Dauer von einer Woche in die Zukunft ab dem Tagesdatum zu beurteilen.

Beispiel

Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit 
Beginn der AU laut aktueller Bescheinigung:31.08.2020
Anrechenbare AU:  01.06. – 10.06.2020
Nicht anrechenbare AU: 14.05. – 17.05.2020
Voraussichtliches Ende der aktuellen AU:Kein Ende im System erfasst
Tagesdatum:03.09.2020

Beurteilung: Die aktuelle Fehlzeit wird für die Beurteilung der Anfrage um die Dauer einer Woche verlängert, also bis zum 09.09.2020. Die Anfrage ist nicht zulässig, da die kumulierten Zeiten der angefragten Arbeitsunfähigkeiten (10 Tage + 4 Tage + 10 Tage = 24 Tage) nicht mindestens 30 Tage umfassen.

Hinweis: Für Arbeitnehmer, die nicht gesetzlich krankenversichert, sondern privat versichert sind, ist eine solche Abfrage nicht möglich.

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