Lieferengpässe bei Arzneimitteln

Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

In Deutschland kommt es derzeit teilweise zu Lieferengpässen bei Medikamenten mit bestimmten Wirkstoffen. Auf dieser Seite haben wir für Sie die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengestellt.

Eine Ursache für Lieferengpässe ist die Konzentration der Wirkstoffherstellung auf einige wenige Hersteller. Fällt einer dieser Wirkstoffhersteller aus, so ist meist eine Vielzahl von pharmazeutischen Unternehmen betroffen und die verfügbare Menge eines Mittels ist entsprechend knapp. Eine weitere Ursache sind derzeit auch noch die Auswirkungen des „Valsartan“-Skandals, bei dem es zu Verunreinigungen in Arzneimitteln gekommen ist. Als Reaktion darauf sind für einige Wirkstoffe nun noch strengere Kontrollen und Grenzwerte für die Reinheit der Stoffe festgelegt worden. Die Prüfungen führt die Europäische Arzneimittelbehörde durch. Dieses neue Prüfverfahren verzögert in der Folge die Freigabe von Wirkstoffchargen.

Aktuell handelt es sich um Lieferengpässe – also punktuelle Ausfälle einzelner Präparate – aber keine Versorgungsengpässe. Die Versorgung mit notwendigen Wirkstoffen und Wirkstoffklassen ist also weiterhin sichergestellt, wenn auch im Einzelfall nicht durch das gewohnte Medikament.

Nein, die Rabattverträge der Krankenkassen sind nicht Ursache für Lieferengpässe. Das deutsche Gesundheitssystem macht – gemessen am weltweiten Absatz der pharmazeutischen Industrie – nur einen geringen Anteil aus. Entsprechend gering ist der Einfluss der deutschen Rabattverträge der gesetzlichen Krankenversicherung auf das globale Netz der pharmazeutischen Unternehmen. Daher können die Konzentrationsprozesse in der Wirkstoffherstellung nicht auf die Rabattverträge zurückgeführt werden, sondern sind vielmehr der Minderung von Produktionskosten und damit der Gewinnsteigerung der Pharmaunternehmen zuzuschreiben.

Wir nutzen unsere gegebenen Instrumente insofern aus, als dass unsere Rabattpartner mit Vertragsstrafen belegt werden, wenn diese nicht lieferfähig sind. Außerdem schließen wir, wo immer es möglich ist, keine Exklusivverträge mit Pharmaunternehmen. Das heißt, dass wir Verträge möglichst nicht nur mit einem Vertragspartner, sondern immer mit drei Vertragspartnern schließen, sodass eine breite Abdeckung und Versorgung mit rabattierten Arzneimitteln gegeben ist. Sollte trotzdem keiner dieser Vertragspartner lieferfähig sein, besteht für den Apotheker die Möglichkeit, auch wirkstoffgleiche Arzneimittel anderer Hersteller abzugeben.

Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listet Wirkstoffe bzw. Präparate, die nicht mehr lieferbar sind. Dies tut es allerdings erst dann, wenn sicher ist, dass gar kein Produkt mehr im Markt verfügbar ist. Dies kann aufgrund der regionalen Marktsituation dauern. Daher spiegelt die Liste häufig nicht die aktuelle Verfügbarkeit des Arzneimittels in Ihrer Apotheke vor Ort wider. Die Liste ist einsehbar auf der Webseite des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte.