Claudia Neumann

„Ich möchte zeigen, wie schön das Leben sein kann.“

Im April 2015 wurde bei Claudia Neumann ein kolorektales Karzinom festgestellt – der Tumor hatte sich bereits in das benachbarte Gewebe beziehungsweise die benachbarten Organe ausgebreitet. Auf die Diagnose folgten elf Operationen, eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie sowie eine weitere Chemotherapie.

„Ich war zu dem Zeitpunkt gerade von Düsseldorf nach Berlin gezogen und wollte mir mit meinem Partner ein neues Leben aufbauen. Wir hatten ein Haus gekauft und während der ersten Therapie geheiratet“, erzählt die 30-Jährige. Als sie mit der zweiten Therapie begonnen hatte, wollte ihr Mann die Trennung – sie musste sich eine neue Bleibe suchen, das Haus verkaufen und ließ sich scheiden. „Sämtliche Herausforderungen kamen auf einmal. Inkontinent. Unfruchtbar. Todkrank. Scheidung. Besitzlos. Krankengeld. Endständiges Stoma“, erinnert sie sich.

Während dieser Zeit kam Claudia Neumann zur „Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs“. Dort ist sie ehrenamtlich tätig und unterstützt die Stiftung bei der Projektentwicklung, der Öffentlichkeitsarbeit und der Kontaktaufnahme mit anderen Betroffenen.

„Ich habe aus dieser schlimmen Situation so viel Kraft geschöpft, dass ich heute, wo ich gesund bin, gerne jedem, der auch kämpfen muss, Hoffnung schenken kann und will“, erklärt Frau Neumann ihr Engagement. Ihr ist es wichtig, dem Thema Darmkrebs ein junges Gesicht zu geben, und alles, was dazugehört, möchte sie auf den Tisch bringen. Das ist ihr Bestreben bei der Stiftungsarbeit. „Ich möchte ein authentisches Beispiel dafür sein, dass Krebs nicht mit dem Tod gleichzusetzen ist. Ich möchte Ratgeber sein und möchte anderen die Chance geben, von meinen Erfahrungen zu profitieren.“

Claudia Neumann ist gelernte Krankenschwester, arbeitet seit sechs Jahren im Außendienst in der Medizintechnik und genießt ihr Leben heute mehr denn je. Sie sagt: „Meine Aufgabe ist es jetzt, Betroffenen und auch Angehörigen zu zeigen, wie schön das Leben sein kann.“ Denn: „Egal was der Körper durchlebt, er ist so stark, wie der Geist, der in ihm lebt.“