Ein Gläschen weniger

Alkoholkonsum wird verharmlost.

41 Menschen sterben täglich in Deutschland an den Folgen von Alkoholkonsum. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen deutlich: Alkohol ist ein Zellgift, das langfristig überall im Körper seine Spuren hinterlässt. Laut Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) werden derzeit 20 Gramm Alkohol pro Tag für gesunde Männer und zehn Gramm pro Tag für gesunde Frauen als noch tolerierbare Menge angesehen.

„Zehn Gramm Alkohol stecken in einem Drink – zum Beispiel einem Glas Bier, Wein oder Schnaps“, erklärt Elisabeth Lenz, Ernährungsberaterin der SBK. Diese Angabe ist aber keinesfalls als Empfehlung zu verstehen, täglich Alkohol zu trinken! Männer, die Tag ein Tag aus entweder zwei Flaschen Bier, ein, zwei Glas Wein oder drei Schnäpse trinken, schaden dauerhaft ihrer Gesundheit. Bei Frauen liegt die kritische Schwelle noch niedriger: eine Flasche Bier, ein Glas Wein oder 1,5 Schnäpse.

Würde diese Menge nicht überschritten, wären zahlreiche Krebsfälle vermeidbar.

- Elisabeth Lenz, SBK-Ernährungsberaterin

Schleichender Übergang zur Alkoholabhängigkeit

„Neben der Menge ist die Regelmäßigkeit eine große Gefahrenquelle. Der Übergang zum Alkoholismus ist schleichend. Dadurch bleibt ein tägliches Feierabendbier mit einem Restrisiko behaftet, denn aus der Gewohnheit kann, besonders wenn Probleme dazukommen, mehr werden“, warnt die Ernährungsexpertin. In Bezug auf das Suchtpotenzial kann keine regelmäßige Alkoholmenge als gesundheitlich unbedenklich bezeichnet werden. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erklärt, dass sich zwar Berichte über mögliche gesundheitsfördernde Eigenschaften von gemäßigtem Alkoholkonsum mehren – das berühmte Glas Rotwein am Abend –, doch die negativen Folgen dennoch vielfältig sind und überwiegen!

Kenn dein Limit

Laut der Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „Kenn dein Limit“ trinken die Deutschen etwa 9,7 Liter reinen Alkohol durchschnittlich im Jahr. Das sind 388 Flaschen Bier. Zum Vergleich: Der weltweite Durchschnitt liegt bei 6,2 Litern pro Kopf.

Nähere Infos unter: www.kenn-dein-limit.info

Der Körper wird vergiftet

Insbesondere das Frontalhirn reagiert sensibel auf Alkohol. Bereits ab 0,5 Promille – je nach Körperbau sind das ein bis zwei Flaschen Bier – nimmt die Konzentration ab, das Kurzzeitgedächtnis verschlechtert sich und die Reaktionszeit verlängert sich. „Chronisch überhöhter Alkoholkonsum führt innerhalb von fünf bis zehn Jahren zu dauerhaften Schädigungen der Hirnzellen. Neben dem geistigen Abbau kann Alkohol zusätzlich psychische Erkrankungen wie Depressionen auslösen oder verstärken“, sagt Lenz.

Auch Persönlichkeitsveränderungen können eintreten: Reizbarkeit, Unzuverlässigkeit, Gleichgültigkeit, Ängste und Unruhe sind die Folge. Auf andere Bereiche des Körpers wirkt sich Alkohol ebenfalls schädlich aus. Die Leber ist von übermäßigem Konsum besonders stark betroffen, da sie für den Abbau von Alkohol verantwortlich ist. Dabei sind die Fettzellen, die als Abbauprodukt entstehen, noch schädlicher als der Alkohol an sich. Verfettung, Verhärtung und im Endstadium Leberzirrhose sind die typischen Folgen.

Langfristiger Missbrauch verursacht außerdem ein erhöhtes Krebsrisiko, insbesondere für die Leber, in Mundhöhle, Rachenraum und Speiseröhre, im Enddarm und der weiblichen Brustdrüse. Weiterhin können Herzmuskel-Erkrankungen eintreten. Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und der Magenschleimhaut sind keine Seltenheit. Jährlich entstehen in Deutschland Kosten in Höhe von 26,7 Milliarden Euro durch alkoholbedingte Krankheiten.

Beobachten Sie Ihre Trinkgewohnheiten mit einem Online-Tool

Sie haben den Verdacht, dass Sie zu viel und zu häufig Alkohol trinken? Und Sie möchten gerne etwas an Ihrem Trinkverhalten ändern? Die SBK empfiehlt ihren Kunden das Online-Training Get.On der Leuphana Universität Lüneburg. Das fünfwöchige Programm ist ein Zwischenschritt zwischen Aufklärungskampagne und Entzugsklinik. Bei dem anonymen Training geht es zunächst darum, mit Hilfe eines Tagebuchs einen genaueren Blick auf Ihren gewohnheitsmäßigen Alkoholkonsum zu richten. Sie finden heraus, in welchen Situationen und durch welche Auslöser Sie trinken. Anhand von Videos und Übungen lernen Sie, welche Gefühle mit dem Alkoholkonsum verbunden sind und wie Sie damit umgehen können. Neben den Übungen können die Studienleiter für ein individuelles Feedback kontaktiert werden. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie der Leuphana Universität Lüneburg wird das Online-Training kostenfrei angeboten.

Grenzen zum Alkoholismus

„Manche trinken nicht nur in einer geselligen Runde oder weil es ihnen gut schmeckt, sondern weil sie ein Sucht entwickelt haben“, sagt Lenz. Rund 1,8 Millionen Menschen sind laut dem Institut für Therapieforschung in Deutschland alkoholabhängig. Weitere 1,6 Millionen Menschen weisen Alkoholmissbrauch auf, gelten aber nicht als abhängig. Insgesamt trinken 7,4 Millionen Deutsche mehr als die empfohlene Höchstmenge. Die Gründe dafür sind vielfältig: „Stresstrinker greifen zum Glas, um entspannen zu können. Andere trinken, um psychischen Problemen wie Ängsten, Zwängen und Depressionen zu entkommen. So unterschiedlich die Gründe auch sind, alle Abhängigen vereint, dass die ursprünglichen Probleme durch das Trinken immer größer werden und in einem Teufelskreis münden“, sagt Lenz.

Typisch für Alkoholismus sind körperliche Entzugssymptome. Die Trinkenden entwickeln zudem eine Toleranz gegenüber Alkohol und müssen stetig die Dosis steigern. Von einer psychischen Abhängigkeit ist die Rede, wenn sich die Gedanken des Trinkenden nur noch um das nächste Glas drehen, Alkohol notwendig ist, um die Stimmung zu heben und bereits körperliche, soziale und psychische Folgen ignoriert werden. Die körperlichen Entzugserscheinungen sind dabei wesentlich besser zu behandeln, als eine seelische Abhängigkeit.

In jedem Fall gilt: Hilfe ist nötig und Hilfe ist möglich – je eher desto besser!