Eine Ladung Scharfes

Chili, Ingwer und Co. – gesunde Geschmacksverstärker

Asiatisches Curry oder lieber Tabasco? Scharfe Gewürze sind ideale Geschmacksverstärker. Die Schleimhäute werden besser durchblutet. Die Empfindlichkeit der Nervenzellen steigt dadurch — übrigens für alle Geschmacksrichtungen. Scharfmacher kurbeln teilweise zudem die Endorphin-Ausschüttung an und wecken so Wohlgefühle. Hohe Schärfegrade wie bei Meerrettich oder Chili öffnen am ganzen Körper die Hautporen. Die Wärmerezeptoren werden angeregt — wir empfinden Hitze. Manchen treiben die Scharfmacher deshalb Schweißperlen auf die Stirn. Angenehmer Nebeneffekt: Trotz Feuergefühl im Mund wird die Körpertemperatur gesenkt. Deshalb sind scharfe Speisen in warmen Regionen so beliebt.

Chili – Mitbringsel aus Amerika

Je mehr Rot in der Schale einer Chili steckt, desto explosiver ist sie. Die Schärfe entsteht durch die Substanz Capsaicin. Diese steckt in den weißen Trennwänden und den Samen. Selbst eine Verdünnung von 1:1.000.000 schmecken wir noch. Capsaicin wirkt keimabtötend und regt in jeder Hinsicht an — ob Durchblutung, Kreislauf oder Stoffwechsel. Capsaicin wird in Salben und Pflastern bei Rheuma, Nerven-, Gelenk- und Muskelschmerzen eingesetzt und neuerdings auch in Schnupfensprays.

Christoph Kolumbus brachte die Chili aus Amerika mit. Er war überzeugt, dass es sich um eine andere Form von Pfeffer handelt. Deshalb auch die Bezeichnung „Spanischer Pfeffer“. Dabei ist die Chili eine Form der Paprika.

Mit Chili wird auch das beliebte Chili con Carne bezeichnet, ein exanischer (nicht mexikanischer!) Fleischeintopf. Es kursieren unendlich viele Rezepte. Seit den 1950er-Jahren sind in Amerika „Chili Cook Offs“ sehr verbreitet. Diese Kochwettbewerbe nach strengen Regeln haben Volksfestcharakter. Einmal im Jahr kürt die International Chili Society sogar einen Chiliweltmeister.

Zwiebeln – mythische Grabbeigabe

Ohne die Zwiebel würde es wohl keine Cheopspyramide geben. Damals diente das Gemüse als wichtiges Zahlungs- und Hauptnahrungsmittel für die ägyptischen Arbeiter. Man fand sie sogar als Beigabe im Grab von Tutanchamun. Zwiebeln sollten die bösen Geister vertreiben. Das sehr vielfältige Liliengewächs ist die älteste Kulturpflanze der Menschheit. Seit mehr als 5.000 Jahren wird sie als Gemüse-, Gewürz- und Heilpflanze genutzt. Sumerische Schriften erwähnten erstmals den Zwiebelanbau. In babylonischen Gesetzen wurde sogar die Zuteilung von Zwiebeln an Arme rechtlich geregelt.

Wenn die Stoffe Alliinase und Alliin mit Sauerstoff in Berührung kommen, entstehen beißende Schwefelgase, die uns beim Zwiebelschneiden zum Weinen bringen. Diese Stoffe finden sich auch in Lauch oder Knoblauch und lösen etliche Wechselwirkungen im Körper aus. Sie sollen das Blut verdünnen, Entzündungen eindämmen und als Schleimlöser wirken. Die Zwiebel ist bei Insektenstichen, Ohrenschmerz, Husten und Schnupfen ein beliebtes Hausmittel.

Ingwer – Kaisers Liebling

Der Ingwerwurzelstock wurde bereits vor Jahrtausenden in Arzneibüchern erwähnt. Konfuzius aß zu jeder Mahlzeit Ingwer. Die chinesischen Kaiser rühmten die Wurzel als „königliche Pflanze“. In der Antike galt die ägyptische Stadt Alexandria als der beste Einkaufsmarkt für Ingwer. Die Wurzel war damals extrem teuer. Noch im Mittelalter war ein Pfund Ingwer so viel wert wie ein Schaf.

Es gibt mehr als 50 Arten der Ingwerpflanze, die ihre Heimat in Asien hat. Das Wurzelgewächs trägt schöne und interessante Blüten und wurde früh als Heilmittel eingesetzt. Der griechische Arzt Dioskurides schrieb: „Er hat verdauungsfördernde Kraft, regt den Bauch milde an und ist gut für den Magen“. In der Antike wurde Ingwer deshalb nach üppigen Gelagen gereicht. Die Wurzel verdankt ihre Schärfe einem Mix aus ätherischen Ölen und scharf schmeckenden Harzen. Hauptverursacher ist der Stoff Gingerol, der sich in den Sekretzellen der Wurzel befindet. Mehr als 20 gesundheitsfördernde Wirkungen sind den Scharfmachern nachgewiesen. Ihr Einfluss auf das Zentralnervensystem und die Darmmuskulatur macht Ingwer zum Mittel gegen Schwindel, Reisekrankheit, Völlegefühl und Darmprobleme.

Pfeffer – körniges Statussymbol

Die verschiedenfarbigen Pfefferkörner stellen die Reifestadien der Frucht dar — von Grün über Schwarz zu Rot. Schwarzer Pfeffer wird aus den unreifen Körnern gewonnen. Die von der Schale befreiten vollreifen Pfefferkörner sind weiß. Der Pfeffer verdankt seinen feurigbeißenden Geschmack den ätherischen Ölen und dem Alkaloid Piperin, wovon die schwarzen Körner besonders viel enthalten. Sie sind deshalb am schärfsten. Piperin wirkt antibakteriell, regt den Appetit und die Verdauung an und hemmt das Bakterienwachstum. Deshalb diente Pfeffer auch lange als Konservierungsmittel.

Über Jahrhunderte war Pfeffer das begehrteste und teuerste Gewürz der Welt. Wer den Gewürzhandel kontrollierte, war im Mittelalter eine Weltmacht. Beispiele: Venedig, Portugal oder Holland. Der Verbrauch von Pfeffer soll das Hundertfache des heutigen betragen haben, und Pfeffer wurde zeitweise mit Gold aufgewogen. Wer reich war und etwas auf sich hielt, der tischte seinen Gästen ordentlich gepfefferte Speisen auf.

Senf – päpstlich gesegnet

Senfkörner wurden schon vor 3.000 Jahren in China als Gewürz benutzt. Über Kleinasien kam das Gewürz nach Griechenland und wurde dort vor 2.000 Jahren als Heilmittel verwendet. In römischen Schriften tauchen erste Überlieferungen von Senfrezepten auf. Die Araber brachten schließlich den Senf nach Spanien. Von dort verbreitete er sich im 8. Jahrhundert in ganz Europa und war an den mittelalterlichen Tafeln als cremige Würze sehr beliebt. 

Um etwa 950 n. Chr. ernannte Papst Johannes XII. seinen Neffen sogar zum „Großen Päpstlichen Senfbewahrer“, so beschützenswert schätzte der Kirchenobere den Senf ein. Adamo Lonicero, großer Arzt im 17. Jahrhundert, empfahl in seinem Kräuterbuch Senf als Heilmittel: „Wer allmorgendlich zwei Senfkörner schluckt, ist sicher vor dem Schlaganfall. Senfkörner machen ein gutes Gedächtnis und reinigen das Gehirn.“ Senföl, Senfölglykoside und Sinigrin, Sinapin und andere ätherische Öle machen die Körner so aromatisch-scharf. Die Volks- und Naturheilmedizin schätzt Senf als anregendes, fungizides, schleim- und krampflösendes Mittel bei Halsschmerz, Husten, Bronchitis und fieberhaften Infekten.

Meerrettich desinfiziert

Im Mittelalter trugen Kinder als Schutz oft Ketten aus Meerrettichstücken. Die desinfizierende Wirkung machten sich auch Soldaten während des Burenkriegs um 1800 zunutze. Sie verarzteten die vereiterten Hufe ihrer Pferde mit Rettichumschlägen. Seitdem heißt die Wurzel im Englischen „horse radish“. Seefahrer schätzten Meerrettich sehr, denn der Vitamin-C-Gehalt ist doppelt so hoch wie bei Zitronen und schützte so vor Skorbut. Die Wurzel — auch Kren genannt — kommt aus den Steppen des östlichen Russland, wo noch heute die Wildform dieser Pflanze wächst. Von dort gelangte sie im Mittelalter nach Westeuropa. Gestampft und mit etwas Essig verrührt wurde er zu vielen Gerichten serviert.

Geruch und Geschmack gehen auf das Konto von ätherischen Senfölen, sogenannten Thiocyanaten. Dazu kommt noch ein scharfmachender Mix aus Alliicin, Glucosinolate, Sinigrin, Kampferöl und Schwefelverbindungen. Innerlich wie äußerlich angewendet, soll Meerrettich antiviral und antibakteriell wirken. Er fördert die Durchblutung extrem. In der Naturmedizin werden Meerrettichextrakte gegen Infektionen und Blasenentzündung eingesetzt.