Unverträglichkeit oder Allergie?

Diagnose und Therapie sind das A und O, um eine gesunde Ernährung sicherzustellen.

Mädchen beißt in eine Erdbeere

Nahrungsmittelallergien können sich bereits in den ersten Lebensmonaten entwickeln. Quaddeln, Bauchkrämpfe, Durchfall, Husten bis zum allergischen Schock – die Symptome sind vielfältig. „Die gute Nachricht: Lebensmittelallergien können später auch wieder verschwinden“, sagt Ernährungsberaterin Sonja Berg. Kein Grund, sie deshalb auf die leichte Schulter zu nehmen: „Doktorn Sie nicht selbst am Ernährungsplan“, warnt die staatlich geprüfte Diätassistentin. „Ziehen Sie direkt einen Experten zurate.“ 

Geänderte Allergieleitlinien

Ohne Experten riskiert man, auf veraltete Thesen hereinzufallen oder sich am Ende mangelhaft zu ernähren. Beispiel: die Allergieprävention bei familiärer Veranlagung. Noch vor kurzem wurde werdenden Müttern geraten, während Schwangerschaft und Stillzeit Allergene zu meiden. Die aktuelle medizinische Leitlinie zur Allergieprävention empfiehlt nun das Gegenteil: Statt Vermeidung darf es jetzt Konfrontation sein. Schwangere und Stillende sollen ausdrücklich Kuhmilch und Hühnereiweiß zu sich nehmen, obwohl diese Lebensmittel häufig bei Kleinkindern allergieauslösend sind. 

Keine Prävention durch Diäten

Gleiches gilt für das Füttern von Beikost. Der Verzicht auf Nahrungsmittelallergene wie Kuhmilch, Hühnerei, Soja oder Weizen im ersten Lebensjahr hat keinen präventiven Effekt. „Grundsätzlich gilt heute eine bedarfsgerechte Ernährung als ideal“, fasst Berg zusammen.

Die Diagnose ist das A und O

„Allergie und Intoleranz, die Symptome können zwar gleich sein, die Diagnostik und die Therapie sind allerdings komplett unterschiedlich“, sagt die Diätassistentin. Die Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems. Der Körper wehrt sich gegen einen eigentlich harmlosen Stoff durch die Produktion von Antikörpern. 

Auf die Menge kommt es an

Anders als bei einer Unverträglichkeit ist es bei Vorliegen einer Allergie wichtig, das entsprechende Lebensmittel komplett aus der Ernährung zu streichen. „Bei einer Kuhmilchallergie also auch in Spuren und in indirekten Formen wie Joghurt oder Quark“, erklärt Berg. Stattdessen gilt es bei einer Laktoseintoleranz herauszufinden, welche Menge der Körper verarbeiten kann und wie die restliche Menge für eine bedarfsgerechte Ernährung durch andere Produkte ersetzt werden kann – etwa in Form von Hartkäse oder durch sogenannte Minus-L-Produkte.

Gute Betreuung ist wichtig

In Bergs Praxis zeigt sich, welche Hürden es im Alltag gibt. Aktuell betreut sie den Säugling Max mit seiner Kuhmilch- und Hühnereiweißallergie. Statt Kuhmilch bekommt Max eine Spezialmilch, die der knapp Einjährige nicht gerne mag. Die gut gemeinte Lösung der Mutter: Sojamilch. „Doch das ist fatal. Schließlich ist Soja ebenfalls ein potentes Allergen“, erklärt Berg. Geduldig bespricht sie deshalb mit der Mutter die Problematik. Gibt Tipps. Schließlich muss der Alltag der Familie umgekrempelt werden. 

Provokationstest durch den Arzt

„Eine engmaschige Betreuung durch Arzt und Ernährungsberater ist sehr wichtig“, erklärt die Expertin. Auch deshalb, weil Allergien wieder verschwinden können. Berg: „Der Arzt wird deshalb immer wieder klinisch testen, ob das Kind das allergieauslösende Lebensmittel wieder verträgt.“ Es besteht also Hoffnung, dass ihr Patient Max vielleicht in der Pubertät Kuhmilch aufnehmen kann. Ganz ohne Nebenwirkungen.

Bildquellen: Eric Thevenet/SBK