Essstörung: Wenn alles nur um Essen kreist

Welche Essstörungen gibt es und wie sehen Therapiemöglichkeiten aus?

Jugendliche schaut in den Spiegel
Menschen mit Essstörung haben häufig ein verzerrtes Bild von ihrem Äußeren

Essen ist Lebensgrundlage und nimmt einen großen Teil unseres Alltags ein. Wenn sich aber alles nur noch um Essen dreht und das Thema jeden einzelnen Gedanken bestimmt, kann es für die Betroffenen gefährlich werden. Doch welche Essstörungen gibt es und wie sehen Therapiemöglichkeiten aus?

Was zählt als Essstörung?

Eine Essstörung kann viele Facetten haben. Sie ist jedoch fast immer psychosomatisch bedingt und eine ernst zu nehmende Erkrankung. Essen ist für Betroffene nicht mehr nur Lebensgrundlage, sondern auch zwanghafter Lebensinhalt. Etwa 30 bis 50 von 1.000 Menschen leiden laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Deutschland an einer Essstörung, etwa ein Fünftel der Elf- bis Siebzehnjährigen zeigt Symptome von Essstörungen. Die Betroffenen sind überwiegend weiblich, jedoch treffen Bulimie oder Magersucht auch Jungen und Männer.

Gute zu wissen: Viele, die wegen einer Essstörung in Behandlung sind, leiden an Mischformen und erfüllen nicht die Kriterien einer „reinen“ Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating-Störung.

Essstörungen im Überblick

Magersucht (auch: Anorexie oder Anorexia nervosa)

Das eigene Körpergewicht hat bei Magersüchtigen einen übertrieben hohen Einfluss auf ihr Selbstwertgefühl. Sie empfinden sich selbst auch bei stärkstem Untergewicht als dick und kontrollieren ihre Nahrungsaufnahme streng, um immer weiter abzunehmen. Viele Betroffene entwickeln zudem Essensrituale, die sie minutiös verfolgen: sie zählen konstant Kalorien, schneiden ihre Nahrung in kleine Stücke oder haben einen strengen Zeitplan für ihre Mahlzeiten.
Anorexie beginnt vor allem während der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter. Dabei können verschiedene Faktoren – zum Beispiel frühes strenges Diäthalten, ein niedriges Selbstwertgefühl oder das moderne Schönheitsideal – zusammenwirken. Auslöser für eine Magersucht können etwa traumatische Erlebnisse wie eine Trennung oder Mobbing sein.

Bulimie

Bulimie wird heutzutage häufig mit der Ess-Brecht-Sucht gleichgesetzt – was nicht ganz korrekt ist. Denn Erbrechen gehört für Bulimie-Kranke nach ihren regelmäßigen Essanfällen, bei denen sie nicht kontrollieren können, was und wie viele Mengen sie zu sich nehmen, nicht zwingend dazu. Manche Betroffene neigen eher dazu zu fasten, Abführmittel in zu hohen Dosen zu nehmen oder übermäßig viel Sport zu treiben, um ihr Gewicht unter Kontrolle zu halten.
Wie bei Personen mit Anorexie hat das eigene Körpergewicht einen sehr starken Einfluss auf das Selbstwertgefühl von Bulimie-Patienten. Sie schämen sich für ihr Verhalten, ekeln sich vor sich selbst. Damit Personen, die ihnen nahestehen, von ihrer Erkrankung nichts bemerken, ziehen sie sich oft zurück.

Binge-Eating-Störung

Die Binge-Eating-Störung ist weniger bekannt als andere Formen der Essstörung, aber nicht weniger verbreitet. Sie zeichnet sich durch regelmäßige Heißhungerattacken aus, auf die Betroffene – anders als bei der Bulimie – keine Gegenmaßnahmen ergreifen. Auslöser für die Essanfälle können zum Beispiel emotionale Probleme sein.
Eine Binge-Eating-Störung beginnt häufig später als eine Magersucht, im späteren Jugend- und frühen Erwachsenenalter. Der Großteil der Binge-Eater ist übergewichtig oder adipös, es können aber auch Normalgewichtige an der Störung leiden.

Therapiemöglichkeiten bei Essstörungen

Anorexie, Bulimie und Binge Eating sind ernsthafte Erkrankungen, die die Gesundheit gefährden. Herzkreislauf- oder Herzrhythmusstörungen, Osteoporose und dauerhafte Schäden an Zähnen und Speiseröhre sind nur einige der Folgen, die je nach Art der Störung auftreten können. Daher ist es umso wichtiger, dass Erkrankte sich professionelle Hilfe suchen. Eine Therapie kann in Form von ambulanten oder stationären Behandlungen erfolgen. Patientinnen oder Patienten, die erste Anzeichen einer Essstörung entwickelt haben, sich aber noch nicht in Therapie begeben möchten, bieten psychologische Online-Programme wie Selfapy eine gute Anlaufstelle. Betroffene können dort online psychologische Soforthilfe in Anspruch nehmen.