Kinderlebensmittel – unnötig oder gar gesundheitsschädlich?

Vermeintlich gesunde Kinderlebensmittel auf dem Prüfstand

Eltern wollen nur das Beste für ihre Sprösslinge – auch bei der Ernährung. Doch wie gesund sind die speziell für Kinder vermarkteten Lebensmittel?  Können Eltern der Intuition von Babys bei ihrer Ernährung trauen, wie es das „Baby-led weaning“ propagiert? Jessica Scheugenpflug, als Ernährungsberaterin im Auftrag der SBK tätig, erklärt, worauf es zu achten gilt.

Babywasser

Spezielles Wasser für Babys hat einen besonders niedrigen Natriumgehalt. Doch für Babynahrung oder als Getränk eignet sich auch jedes andere Mineralwasser, das für eine natriumarme Ernährung geeignet ist und den Zusatz „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“ enthält. Sein Preis ist auch deutlich geringer als der für das Babywasser. Auch Leitungswasser ist in Deutschland einwandfrei und kann problemlos verwendet werden – bei kleinen Kindern sollte es aber abgekocht werden.

Kindermilch

Auch Kindermilch ist nicht nur unnötig, sie ist darüber hinaus ungesünder als herkömmliche Milch. Denn im Gegensatz zu Kuhmilch ist sie kein natürliches Produkt. Ihr werden häufig Zucker und künstliche Aromen hinzugefügt. Kinder gewöhnen sich an den süßen Geschmack und trinken auch später lieber ungesunde, gezuckerte Getränke.

Kindermüsli

Egal ob extra für Kinder angeboten oder nicht: Ungezuckertes Müsli ist prinzipiell besser als eines mit Zuckerzusatz. Aber auch bei anderen klassischen Müslizutaten ist Vorsicht geboten. Trockenfrüchte enthalten beispielsweise sehr viel Zucker und haben eine hohe Energiedichte. Besser ist eine reine Flockenmischung, die dann mit frischen Früchten und eventuell auch einem kleinen Anteil Schokomüsli oder ähnlichem gemischt wird.

Pürierte Obstsnacks und Kinder-Früchteriegel

Verarbeitetes Obst hat nicht nur weniger Vitamine und Mineralstoffe als frisches Obst. Bei pürierten Obstsnacks aus dem Supermarkt lutschen Kinder auch oft an der Packungsöffnung und nuckeln, um an den Inhalt zu kommen. Dadurch verweilt der Fruchtzucker lange im Mund und kann zu Karies führen. Außerdem kann die Keimbelastung an der Trinköffnung hoch sein, wenn sie vorher nicht gereinigt wird. Auch Früchteriegel für Kinder gaukeln nur eine gesunde Ernährung vor. Fertige Produkte enthalten deutlich weniger Vitamine und Ballaststoffe als frisches Obst.

Wissen Babys wirklich intuitiv, was gut für sie ist?

Sobald das Baby nicht mehr ausschließlich gestillt wird oder das Fläschchen bekommt, wollen viele Eltern ihr Kind lieber selbstbestimmt an die Beikost heranführen. Sie wollen so späterem wählerischem Essverhalten vorbeugen. Ihr Argument: Ein Säugling wisse intuitiv, welche Nahrung er braucht, um seinen Nährstoffbedarf zu decken. Beim Konzept des „Baby-led weaning“, also der vom Baby geleiteten Beikosteinführung, wird dem Säugling Nahrung nur angeboten. Eltern füttern ihr Kind nicht, es allein entscheidet, was es tatsächlich isst.
Aber nicht nur der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt vor dieser Beikostmethode, auch Ernährungsexperten sind skeptisch. Sie sehen ein hohes Risiko für einen Nährstoffmangel. Denn Kindern in so jungen Jahren fehlt noch die Intuition, sich mit der richtigen Menge und nährstoffgerecht zu ernähren. Ebenso können Eltern beim „Baby-led weaning“ nur schwer kontrollieren, wie viel vom Essen im Magen ihres Kindes und wie viel auf dem Boden landet. Daher sollten Eltern entscheiden, was auf den Tisch kommt und vor allem was in den Mund des Babys gelangt. Auch hierbei können kleine Kinder eingebunden und ihnen ein gewisses Maß an Selbstständigkeit übertragen werden.

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SBK-Ernährungsberatung