Trend Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Böses Gluten, gefährliche Laktose? Die Industrie schürt solche Lebensmittelängste. Dabei steckt hinter vielen Intoleranzen schlicht eine Fehldiagnose.

Bauchweh – ein klassisches Symptom bei Unverträglichkeit

Starke Bauchschmerzen, Durchfall, Ausschlag oder Atembeschwerden – die Symptome von Nahrungsmittelunverträglichkeiten können vielfältig sein. Ob Fruchtzucker, Laktose, Histamin oder Gluten – die Liste klassischer Intoleranzen ist lang. Doch nicht jeder, der von einer süßen Dattel einen Blähbauch bekommt, muss gleich eine Fruktoseunverträglichkeit fürchten und gesundes Obst meiden.

Tatsächlich tun genau das viele Erwachsene: Sie diagnostizieren bei sich selbst Unverträglichkeiten und streichen gesunde Lebensmittel von ihrem Speiseplan. Ohne zusätzliche ärztliche Diagnose. Dabei gilt: Magen-Darm-Beschwerden können zahlreiche Ursachen haben – zum Beispiel Stress. Wer regelmäßig Probleme hat, der sollte sich deshalb in jedem Fall vom Arzt untersuchen lassen.

Immer mehr Menschen wollen sich glutenfrei ernähren

Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel enthalten die Eiweißfraktion Gluten. Und dieser Eiweißanteil ist in Verruf geraten. „Glutenfrei“ lautet eine „neue Gesundheitsformel“. Besonders in den USA ist der Verzicht populär: Umfragen zufolge will dort jeder Dritte seinen Glutenverzehr drosseln. Jeder zehne US-Haushalt soll bereits Verzicht ausüben. Doch ist Gluten tatsächlich so schlimm wie mittlerweile viele denken?

Ist Gluten schuld am steigenden Übergewicht?

Befürworter einer glutenfreien Ernährung ist Bestsellerautor William Davis. Über seine erfolgreiche Diät schrieb er ein noch erfolgreicheres Buch: „Wheat Belly“ (auf Deutsch: „Weizenwampe. Warum Weizen dick und krank macht“). Tatsächlich speckte der Amerikaner durch Verzicht deutlich ab. Ernährungsexperten überrascht das allerdings nicht. Immerhin besteht Weizenmehl vor allem aus Stärke, also einem kalorienreichen Kohlenhydrat. Stärke wird bei der Verdauung in Zuckermoleküle zerlegt. Der Blutzuckerspiegel steigt – ein echter Turbobooster für den Körper. Nachteil: Nicht nur das Leistungsvermögen wird gefördert, auch die Fettpölsterchen. Wer also auf Gluten verzichtet, verzichtet gleichzeitig auf eine hohe Kalorienquelle.

Laktoseintoleranz ist weltweit weit verbreitet

Wer häufig nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln unter bestimmten, durch den Verzehr wiederkehrende heftigen Symptomen im Magen- Darmsystem leidet, der sollte in jedem Fall einen Arzt aufsuchen und nicht einfach für die Versorgung wichtige Nahrungsmittel von seinem Plan streichen, ohne für adäquaten Ersatz zu sorgen.

Aber: Das Thema ausgewogene Ernährung ist komplex. Nehmen wir das Beispiel Laktose. Das ist ein Zweifachzucker, der vor allem in Milch, Joghurt, Quark, Frischkäse steckt; weniger in Hartkäse, Weichkäse und Butter. Laktose wird von vielen Menschen auf der Welt nicht vertragen. Experten vermuten, dass etwa 75 Prozent der Erwachsenen weltweit eine Intoleranz haben; in Deutschland sollen etwa 15 Prozent betroffen sein.

Auch bei Laktoseintoleranz braucht der Körper Kalzium

Betroffene mit Laktoseintoleranz müssen ihre Ernährung umstellen, um möglichst wenig oder gar kein Milchzucker zu sich zu nehmen. Wer nun Milchprodukte meidet, der muss für einen Ausgleich sorgen. Immerhin stecken in Milch, Käse, Quark und Co. nicht nur die für die Unverträglichkeit verantwortliche Laktose, sondern auch wichtige Inhaltsstoffe wie Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt gesunden Erwachsenen deshalb, täglich Milchprodukte zu verzehren.

Doch wussten Sie? Milch macht’s gar nicht unbedingt. In einem Glas Milch stecken nämlich rund 250 Milligramm Kalzium. In zwei Scheiben Bergkäse (etwa 60 Gramm) deutlich mehr: 660 Milligramm – und dabei ist kaum Laktose enthalten (weniger als ein Gramm pro 100 Gramm Hartkäse). Wer also ein bisschen Laktose verträgt, der konsumiert am besten Käse statt Milch. Ohnehin gibt es für Kuhmilch Alternativen, etwa Mandel-, Reis-, Hafer- und Sojamilch. Allerdings gibt es bei diesen Ersatzmilchen bezüglich Eiweiß- und Kalziumgehalte große Unterschiede. Für eine gute Nährstoffversorgung muss man sich also gut auskennen. Lassen Sie sich deshalb am besten von einer qualifizierten Ernährungsberatung der SBK beraten.

Keine Selbstdiagnose bei Unverträglichkeiten

Der Angebotsdschungel im Supermarkt – ob nun gluten- oder laktosefreie Produkte – kann verleiten. Das breite Sortiment suggeriert, dass die Anzahl Betroffener steigt. Schnell wird bei jedem Durchfall gleich auf eine Intoleranz geschlossen. Dabei können die Ursachen vielfältig sein – auch Stress kann häufige Beschwerden auslösen. Wenden Sie sich bei Krankheitssymptomen also am besten weiterhin an Ihren Arzt. Das hat gleich mehrere Vorteile: Sie erhalten eine zuverlässige Diagnose und Therapie – und schonen noch dazu Ihren Geldbeutel. Denn Ersatzprodukte sind in der Regel teurer als die Originale. Auch hierbei unterstützt eine qualifizierte ernährungstherapeutische Beratung. Wenn Sie also eine vom Arzt diagnostizierte Unterverträglichkeit haben, können Sie diese in Anspruch nehmen. Sprechen Sie mit Ihrem persönlichen Kundenberater.

Mehr zum Thema erfahren Sie in unserem Artikel: Unverträglichkeit oder Allergie – Diagnose und Therapie sind das A und O, um eine gesunde Ernährung sicherzustellen.