Wie ernähren bei Darmkrebs?

Tipps, damit Sie wieder gerne essen.

Im folgenden bekommen Sie Tipps, wie Sie bei einer Krebstherapie auf Ihre Ernährung achten können.

Wenig Fleisch, viel Obst und Gemüse

Eine ausgewogene Ernährung ist die Basis für eine gesunde Ernährung: wenig rotes Fleisch, wenig Wurst, viel Obst und Gemüse. Ergänzt durch Omega-3-fettsäurereiche Fische wie Lachs und Hering. Raps- und Leinöl hemmen dabei das Wachstum der Krebszellen, Ballaststoffe aus feingemahlenem Getreide unterstützen den Darm und sind gut verträglich. 

Vorsicht Gewichtsverlust!

Aber einige Darmkrebs-Patienten haben erst einmal akute Probleme mit der Verdauung: Sie leiden unter Durchfällen, müssen häufig und ganz plötzlich auf die Toilette, berichten von Völlegefühl oder Blähungen nach dem Essen. Patienten in einer Chemo- oder Strahlentherapie leiden oft noch dazu unter Übelkeit und Appetitmangel. Ein großes Problem. Denn oft verlieren die Patienten stark an Gewicht. Nicht immer ist das besorgniserregend. Aber wenn ein Patient auf einen "Body-Mass-Index" von 18 rutscht, dann sollte er ärztlichen Rat einholen. Auch eine SBK-Ernährungsberatung ist dann auf jeden Fall sinnvoll.

Was ist der Body-Mass-Index?

Viele Krebspatienten leiden unter drastischem Gewichtsverlust als Nebenwirkung der Therapie

Das Gewicht eines Menschen alleine sagt noch nichts darüber aus, ob er über- oder untergewichtig ist oder sich im gesunden Bereich befindet. Erst wenn man die Kilozahl auf die Körpergröße umrechnet, erhält man eine verlässlichere Größe. Genau das tut der Body-Mass-Index (BMI), der Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde.

Die Formel lautet: Körpermasse eines Menschen (in Kilogramm) geteilt durch seine Größe (in Metern) zum Quadrat. Grob gesagt, entspricht ein BMI von 18,5 bis 24,9 dem Normalgewicht. Ein Mensch, der 80 Kilogramm wiegt und 1,80 Meter groß ist, hätte demnach einen BMI von 24,7 und gerade noch Normalgewicht.

Doch die Rechnung ist mit Vorsicht zu genießen: Für Kinder, Leistungssportler und Schwerarbeiter gelten andere Vorgaben. Auch Geschlecht und Alter spielen bei der Bewertung des individuellen BMI eine Rolle. Weitere Informationen dazu hier: www.bmi-rechner.net

Gestörtes Essverhalten durch Chemo- und Strahlentherapie

Hauptgrund für den Gewichtsverlust sind die Chemo- und Strahlentherapie. Sie haben Nebenwirkungen; denn sie machen leider auch gesunde Darmzellen kaputt. Das schlägt auf den Appetit und die Verdauungsleistung. Wenn einem so etwas öfter widerfährt, kann man auch eine richtige Angst vor den Beschwerden nach dem Essen entwickeln. Da schließt sich dann der Kreis, denn die Angst trägt zusätzlich zur schlechten Verträglichkeit bei. Wer kennt das nicht, dass schlechte Erlebnisse auf den Magen schlagen oder man bei Aufregung gehäuft zur Toilette muss?

Bei Darmkrebs besser "falsch" essen als zu wenig

Daher ist bei Untergewicht und Appetitlosigkeit jede Form von Energie recht, die der Patient sich vorstellen kann zu essen – und wenn es "Mäusespeck" ist, wie letztens in einem Beratungsgespräch.

Oder: Ein Patient leidet seit seiner Operation am Enddarm häufig unter Durchfällen. Gerade wenn er Fettiges und Zuckriges gegessen hat. Leider hat er aber eine Schwäche für Sahnetorten.

"Wissen Sie, dann sitze ich nach dem Essen eben auf der Toilette", sagte er, "aber auf meinen Kuchen werde ich nicht verzichten!" Das kann man nur unterstützen. Denn Genuss ist Lebensqualität.

Gute Vorsorge heißt auch: Gelüsten nachgehen!

Eine positive Grundstimmung regt eher die Selbstheilungskräfte an als eine perfekte, aber ungeliebte Lebensmittelauswahl. Darmkrebspatienten sollten ihren Gelüsten nachgehen, da Heißhunger ein Bedürfnis des Körpers widerspiegelt. Gerade Darmkrebspatienten sind leider oft so unsicher bei der Lebensmittelauswahl. Deshalb: Sie sollten den Mut haben, die Lieblingsrezepte oder Lebensmittel wieder zu genießen. Je unbeschwerter das Essen ist, desto mehr verträgt man auch.

Bei der Ernährung Vitamine und Mineralien nicht vergessen

Das heißt natürlich nicht, dass man Vitamine und Mineralstoffe zur Unterstützung der Therapie vernachlässigen sollte. Wenn der Patient nur wenig isst - und somit auch wenig Obst - und vor Gemüse vielleicht Ängste entwickelt hat, ist es ratsam, diese zusätzlich einzunehmen. Zum Beispiel in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Um insgesamt mehr zu essen, können Sie anstelle von drei großen Mahlzeiten  das Essen in vielen kleinen Portionen über den Tag verteilen. Praktisch sind Milchshakes, Fruchtkaltschalen oder sogar Gläschen mit Babynahrung. Auch kalorienreiche Trinknahrungen und ungewohnte Esszeiten wie abends oder nachts können genutzt werden. Gegen die Übelkeit hilft Pfefferminztee, heiß oder kalt getrunken. Der wirkt sogar, wenn er nur zum Mund ausspülen genutzt wird.

Kaffee ist okay

Es gibt Studien, die nahelegen: Vier Tassen Kaffee am Tag vermindern das Risiko, erneut an Darmkrebs zu erkranken. Ob dem wirklich so ist, werden weitere Untersuchungen zeigen, aber es ist sicherlich eine gute Nachricht für alle Kaffee-Fans: Anscheinend  schadet er nicht! Allerdings bringt Kaffee die Verdauung in Schwung – das ist vielen Darmkrebs-Patienten unangenehm.

Gut gegen Durchfall

Viele Menschen leiden nach einer Darm-OP unter starken Durchfällen. Was kann man dagegen tun? Wichtig: die verlorene Flüssigkeit durch stilles Mineralwasser und Tee ausgleichen. Beruhigend für den Darm sind Bananen, fein geriebene Äpfel oder gekochte Möhren. Sie helfen, die Flüssigkeit im Stuhl zu binden. Meist sind die Beschwerden vorübergehend, denn der verbleibende Darm übernimmt in der Regel schnell die Aufgaben des entfernten Teilstückes.

Wer nach der Operation einen künstlichen Darmausgang hat, legt besonderen Wert darauf, Blähungen und Gerüche zu vermeiden. Zwiebeln stehen auf der Verdachtsliste ganz oben, deshalb verzichten viele darauf. Es empfiehlt sich, genau darauf zu achten, welche Lebensmittel einem gut tun und welche eher nicht.

Dem Darm auf die Spur kommen

Das geht zum Beispiel mit einem Ernährungs- und Befindensprotokoll. Dort schreibt der Patient alles auf, was er wann isst und wie es ihm danach und auch zwei Stunden später ergangen ist. So kommt er den Vorlieben und Abneigungen seines Darms ganz schnell auf die Spur. Dieses Protokoll sollte man über ein paar Wochen hinweg führen. Denn ob man ein bestimmtes Lebensmittel verträgt oder nicht, kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein.

Kost wieder aufbauen

Manchmal halten sich Durchfälle hartnäckig. Dann hilft eine individuelle Verträglichkeitsanamnese bei der Ernährungsberatung. Erst führt der Patient ein Essprotokoll, dann wertet er es zusammen mit der Beraterin aus. Und schließlich bauen sie gemeinsam die Kost wieder auf, angefangen mit leicht verträglichen Speisen.

Das Ziel: Am Ende kann der Patient wieder das essen, was er kennt und mag.