Kinder bewegen!

Tipps für mehr Sport in der Familie.

Sport ist das perfekte Mittel gegen Stress. Ausprobieren, Spaß haben und dabei gesund bleiben – das ist die Basis für einen starken Motor. Doch gilt es diese Basis erstmal im Kopf und vor allem im turbulenten Familienalltag unterzubringen.

Wichtiger Faktor dabei: Sport soll Spaß machen und nicht für zusätzlichen Stress sorgen. Also Vorsicht: Kinder orientieren sich bei allen Aktivitäten an ihren Eltern. Wenn Sie also mit Ihren Sprösslingen etwas neu ausprobieren, werden Ihre Kinder den Blickkontakt zu Ihnen suchen. Vermitteln Sie Spaß und Zuversicht und versuchen Sie nicht gleich genervt zu reagieren, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt. Gerade beim Sport gilt: fördern, aber nicht überfordern! Denn die positiven Erfolgserlebnisse in der Freizeit balancieren den Stress im Schulalltag aus. Und Sie werden von dieser Einstellung ebenfalls profitieren können. Probieren Sie es aus!

Bewegungsmangel pflanzt sich fort!

Rückwärtsgehen, balancieren, Purzelbäume schlagen – was früher selbstverständlich war, kann unser Nachwuchs größtenteils nicht mehr. Wissenschaftler gehen davon aus, dass viele Kinder heute mit vier, fünf Jahren motorisch nur etwa 70 Prozent dessen beherrschen, was sie altersgemäß eigentlich können müssten. Ihre Empfehlung: Kinder zu mindestens zwei Stunden körperlicher Aktivität pro Tag motivieren. So ist gewährleistet, dass sie möglichst vielfältige Anreize bekommen.

Doch die Realität sieht meist anders aus. Im Bundesdurchschnitt kommen Kinder nicht einmal auf eine Stunde Bewegung am Tag, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO)! Denken Sie daran: Auch hier gilt der alte Spruch "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!" Tatsache ist, dass Kinder, deren Eltern sich gar nicht oder nur mäßig sportlich betätigen, häufig ebenfalls zu Couch-Potatoes werden. Statt toben, rennen oder klettern bestimmen oft Fernseher, Computer und Konsole die Freizeit unserer Kinder. Experten warnen vor den gesundheitlichen Folgen des Bewegungsmangels.

Wir geben Ihnen zehn Tipps, wie Sie Ihren Nachwuchs zu mehr Aktivität und Sport motivieren – und an die frische Luft locken!

Seien Sie Vorbild!

Leben Sie Ihren Kindern einen bewegten Alltag vor: Steigen Sie Treppen statt den Aufzug zu benutzen, gehen Sie zu Fuß zum Bäcker oder nehmen Sie das Fahrrad, statt mit dem Auto zu fahren. Ein Wettrennen auf Inlineskates oder dem Roller bringt Abwechslung auf dem Routineweg zur Post. Steigen Sie eine Haltestelle vor Ihrem Ziel aus der Straßenbahn und laufen Sie einfach den Rest des Wegs. Verbringen Sie Ihren Feierabend mit den Kindern auf dem Spielplatz, im Wald oder auf dem Rad statt vor dem Fernseher. Haben Sie Spaß an der Bewegung und lachen Sie gemeinsam darüber, wenn Sie dann ganz außer Atem, aber fröhlich und glücklich, am Ziel ankommen.

Ab ins Grüne!

80 Prozent unseres Tages verbringen wir laut Statistiken in geschlossenen Räumen. Schluss damit! Machen Sie Ihren Sprösslingen von Anfang an Lust auf Bewegung im Freien. Studien belegen, dass Kinder instinktiv die belebte Natur als Spiel- und Aktionsraum der unbelebten vorziehen. Beste Voraussetzungen also, dass sie Ihre Vorschläge begeistert aufnehmen werden.

Spazieren gehen ist Ihren Youngstern zu öde? Wie wäre es mit einem Waldlehrpfad? Oder Tretboot fahren auf dem See? Auch Barfußpfade sind deutschlandweit verbreitet. Informationen erhalten Sie unter: www.barfusspark.info

Es gibt tausend Möglichkeiten – seien Sie kreativ! Dass Kinder Natur brauchen, um sich geistig gesund entwickeln und ihre Persönlichkeit entfalten zu können, erklärt Ulrich Gebhard, Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg, in seinem Buch „Kind und Natur“. Seine Tests ergaben, dass sich Naturerfahrungen bei Kindern unter anderem positiv auf die Konzentrationsfähigkeit auswirken.

Machen Sie feste Zeiten aus!

Handeln Sie mit Ihrem Kind feste Termine für Ihre Ausflüge aus. Montags geht’s auf den Spielplatz, donnerstags in den Park zum Federball spielen. Schaffen Sie Rituale und suchen Sie hierfür geeignete Freiräume. In vielen Waldstücken gibt es häufig auch Erlebnis-Spielplätze zum unbeschwerten Herumtoben ganz ohne Autoverkehr und Abgase. Sonntagmorgens mit dem Papa auf den Bolzplatz kicken gehen – das könnte bald zum Highlight der ganzen Woche werden. Die ausgemachten Zeiten müssen jedoch konsequent eingehalten werden – auch von Ihnen!

Greifen Sie gemeinsam zur Harke!

Experten sagen voraus, dass altersbedingte Krankheiten, wie Rücken- oder Gelenkbeschwerden, in Zukunft immer früher auftreten werden. Laut Ernährungsbericht 2012 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind hierzulande zudem 15 Prozent aller drei- bis 17-jährigen Jungen und Mädchen übergewichtig. Davon hat jeder zweite bis dritte Jugendliche sogar starkes Übergewicht. Lassen Sie es gar nicht erst so weit kommen!

Bewegung ist das A und O. Haben Sie oder die Großeltern einen Garten? Prima! Versuchen Sie, Ihr Kind für Tätigkeiten wie Pflanzen, Gießen und Umtopfen zu begeistern. Gartenarbeit verbraucht nämlich ordentlich Kalorien. Eine halbe Stunde Unkraut jäten beispielsweise 128 kcal, das entspricht in etwa einem Softeis. 30 Minuten Rasen mähen liegen bereits bei 157 kcal. Oder drücken Sie Ihrem Teenager im Winter die Schneeschaufel in die Hand: 171 kcal und ein schneefreier Hof sind das Ergebnis.

Melden Sie Ihr Kind im Verein an!

„Eltern sollten bei der Wahl der Sportart einfühlsam mit ihren Kindern umgehen und ihre Wünsche respektieren“, sagt Prof. Klaus Bös, Sportwissenschaftler an der Uni Karlsruhe. „Sport muss Spaß machen!“ Und wenn das Kind irgendwann keine Lust mehr hat? „Dann muss auch Aufhören erlaubt sein“, so der Experte. Allerdings bräuchten Eltern nicht jeder Laune nachgeben: „Ein gewisser Grad an Frustration kann eine wichtige Erfahrung sein, beispielsweise auch in der Schule nicht bei jeder kleinsten Niederlage aufzugeben“.

Sinnvoll ist es, den Sprössling in einem Verein anzumelden. Hiervon profitiert er gleich mehrfach. Die Kinder lernen, ihre Grenzen auszutesten, Teamgeist zu entwickeln, Rücksicht zu üben und mit Erfolg und Misserfolg umzugehen. Nicht zuletzt stärkt der Vereinssport das Selbstvertrauen. Eine wichtige Voraussetzung, um Kinder zu starken Persönlichkeiten zu machen, wie auch die Initiative „Kinder stark machen“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sagt. Durch den Teamsport könne die Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit von Kinden gefördert werden, sodass sie den Mut haben, trotz Gruppendruck „Nein“ zu Drogen und anderen Suchtmitteln zu sagen.

Bewegung geht auch in den eigenen vier Wänden!

Bereits bei den Sechs- bis Siebenjährigen sehen 74 Prozent jeden oder fast jeden Tag mehr als eine Stunde fern, dies geht aus der letzten KIM-Studie hervor. Rund 100 Minuten lang flimmert der Fernseher im Durchschnitt täglich bei den Sechs- bis 13-Jährigen. Bei den Zwölf- bis 13-Jährigen sind es bereits 110 Minuten.

Falls Ihr Kind auch dazugehört: Kehren Sie den Animateur heraus und holen Sie es weg von der Flimmerkiste! Schaffen Sie Möglichkeiten, sich auch zu Hause zu bewegen: Kaufen Sie ein kleines Turngerät wie ein Balancebrett, eine Matte oder einen Gymnastikball. Wer etwas daheim liegen oder stehen hat, nutzt es auch eher. Bieten Sie Ihrem Kind an, Freunde nach Hause einzuladen und machen Sie einen gemeinsamen Spielenachmittag, an dem Purzelbaum schlagen, Pantomime oder Trampolin springen auf dem Programm stehen. Stellen Sie außerdem klare Regeln auf, wie lange Ihr Kind pro Tag fernsehen oder am Computer sitzen darf.

Höhenmeter statt Hängematte!

Sommer, Sonne, endlich faulenzen am Strand? Gar nicht gut, schließlich wollen Sie Ihre Kinder ja auf Trab bringen! Ein Aktivurlaub ist da genau das Richtige: Bei einem Kletterkurs für Kinder im Allgäu beispielsweise kann man sich körperlich mal so richtig austoben. Ein Ausflug mit dem Boot, von dem aus man ins Wasser springen kann, ist ein wunderbares Erlebnis. Oder Reiterferien auf einem Bauernhof – Sie werden sehen, wie selbstverständlich die Jüngsten mit anpacken, wenn der Stall ausgemistet werden muss. Schließlich ist das Pony ja „so niedlich“!

Am besten, Sie verreisen gleich mit Freunden, die Kinder im etwa gleichen Alter haben. Denn im Team macht es doppelt so viel Spaß. Packen Sie Tischtennis- oder Badminton-Schläger ein oder einen Fußball! Müssen Mama und Papa in den Schulferien arbeiten, bietet es sich an, das Kind in einem Bewegungscamp oder einem Kinderzirkus anzumelden.

Früh übt sich …

Auf der Straße begegnen einem immer wieder Mütter, die ihre Kinder selbst dann noch im Kinderwagen herumfahren, wenn sie schon vier oder fünf Jahre alt sind. Was für Mama bequem sein mag, ist für den Nachwuchs weniger zuträglich: „Holen Sie Ihre Kinder, wenn sie laufen können, so oft wie möglich aus dem Wagen und lassen Sie sie die Welt selbst erkunden“, rät Sportwissenschaftler Prof. Klaus Bös. „Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, also hindern Sie sie nicht daran, diesem nachzugehen.“

Besonders altersgerechte Fortbewegungsmittel wie Dreirad, Laufrad oder Tretroller üben auf Kinder eine magische Anziehungskraft aus. Das Dreirad zum Beispiel eignet sich ab einem Alter von circa eineinhalb Jahren. Es ist gut für die motorische Entwicklung, Kraftfähigkeit, Koordination der Beine und räumliche Wahrnehmung. Ab etwa zwei Jahren empfiehlt sich das Laufrad, das neben den Beinen zusätzlich den Oberkörper kräftigt, den Gleichgewichtssinn sowie die Reaktionsfähigkeit fördert – und lehrt, Geschwindigkeiten einzuschätzen. Tretroller, die Kinder ab circa zweieinhalb Jahren nutzen können, steigern die Kraft und die Koordination der Beine, der Arme und des Rumpfes. Zudem stärken sie wie Laufräder die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein.

Zeigen Sie Interesse – aber ohne Druck!

Ihr Kind ist bereits aktiv, spielt Tennis, Fußball oder ist im Schwimmverein? Versuchen Sie, so oft es geht, zu einem Wettkampf oder Turnier mitzugehen. Unterstützen, loben, trösten und motivieren Sie Ihren Sprössling. Das spornt an, auch dann dranzubleiben, wenn er mal keine Lust aufs Training hat. Aber bitte auch keinen Leistungsdruck ausüben: „Viele Eltern meinen, das Talent ihrer Kinder in einer Sportart reiche, um sie einmal ganz nach oben an die Spitze zu bringen. Deshalb drängen sie sie schon im zarten Alter von fünf oder sechs Jahren zu Höchstleistungen, besonders zu beobachten beim Mädchenturnen oder Eiskunstlauf. Dies trifft aber für 99 Prozent der Kinder nicht zu“, weiß Sportwissenschaftler Prof. Klaus Bös und warnt davor, Kindern eine Sportlerkarriere aufzwingen zu wollen.

Action bitte!

Zum Kindergeburtstag haben Sie volles Haus? Statt die Rasselbande ins Kino zu schicken und mit Cola, Chips und Popcorn einzudecken, bereiten Sie ihr einen rundum bewegten Nachmittag. Wenn es nicht regnet: Gehen Sie an die Luft! Bereiten Sie eine Stadtrallye vor oder eine Schnitzeljagd. Veranstalten Sie Sackhüpfen und Eierlauf im Garten oder im Hof. Es dürfen ruhig die Klassiker sein, die Kinder lieben sie immer noch am meisten.

Wenn das Wetter nicht mitspielt, gehen Sie ins Erlebnis-Bad, in ein Indoor-Spielland oder eine Kletterhalle, mieten Sie eine Bowlingbahn oder gehen Sie mit der wilden Jungensbande zum Hallenfußball. Fragen Sie mal bei Tanzschulen in der Umgebung nach: Manche bieten Geburtstagsworkshops für Kindergruppen für Streetdance oder Bauchtanz an, was besonders Kindern ab sechs Jahren Spaß bringt. Auch das Geschenk für Ihr Kind können Sie überlegt auswählen: ein Einrad, Springseil, Skates, Fußball oder Malkreide fürs „Himmel und Hölle“-Spielen animieren zu mehr Bewegung.

Die SBK fördert Bewegung

Viel Bewegung zahlt sich aus – bei der SBK sogar finanziell. Beim SBK-Gesundheitskonto können Kinder unter 15 Jahren bis zu sechs Maßnahmen geltend machen und damit bis zu 60 Euro erhalten. Erwachsene zehn mal zehn Euro.

Zum Check der motorischen Fähigkeiten bietet die SBK eine kinderphysiotherapeutische Beratung, bei der ein spezialisierter Kinderphysiotherapeut gemeinsam mit Ihnen den körperlichen Entwicklungsstand Ihres Kindes begutachtet und Empfehlungen zur sinnvollen Unterstützung gibt.