Schreckgespenst Schulangst

Die Suche nach der Ursache hilft bei der Bewältigung.

Es gibt viele Kinder, die Schule nur mit Angst in Verbindung bringen. Einschlafprobleme, Albträume, Kopf- oder Bauchschmerzen, Lustlosigkeit, Übelkeit können die Folge sein. Sogar Erbrechen am Morgen, wenn es in die Schule gehen soll, kann ein Symptom für Schulangst sein.

Schulangst geht weit über eine Unlust oder das schlechte Gefühl vor einer Klassenarbeit hinaus. Sie sitzt so tief, dass Kinder sich nicht mehr in die Schule trauen. Es kann der Gedanke an Misserfolge oder an die Reaktionen von Mitschülern und Lehrern sein, der ihnen die Kehle zuschnürt oder auf den Magen schlägt. Die Kinder leiden unter Stresssymptomen, weil ihr Körper übermäßig Adrenalin ausschüttet.

Keine Entschuldigungen schreiben!

Wenn Ihr Kind morgens weint und sich mit Händen und Füßen wehrt, in die Schule zu gehen, dann geben manche Eltern nach und schreiben eine Entschuldigung. Doch das ist der falsche Weg, warnen Experten. Die Eltern sollten vielmehr ihren Kindern den Weg zurück in die Schule ebnen. Ein erster Schritt ist ein ruhiges Gespräch, um den Grund für die Angst herauszufinden.

„Es kann dauern, aber irgendwann erzählen die meisten Kinder dann doch. Entscheidend ist, dass die Eltern ihr Kind so akzeptieren, wie es ist“, rät Klaus Seifried, stellvertretender Vorsitzender der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

Frühzeitige Hilfe ist entscheidend

Wenn ein Austausch zwischen Eltern, Kindern und Lehrern keinen Erfolg bringt, hilft professioneller Rat weiter. Insbesondere dann, wenn die Kinder die Schule schwänzen. Viele Schulen vermitteln inzwischen schulpsychologische Beratungen. Zudem gibt es kommunale Erziehungsberatungsstellen. Kinder- und Jugendpsychiater sowie Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche sind ebenfalls geeignete Anlaufstellen. Je früher das Problem angegangen wird, desto besser sind die Chancen, die Angst zu verbannen.

Was tun, wenn in der Prüfung die Panik das Denken blockiert? Wie mit Druck umgehen? Und was bringt die Lust am Lernen zurück? In der Therapie lernen betroffene Kinder Strategien gegen die Angst. Meistens kommen mehrere Ursachen zusammen, die eine Schulangst auslösen. So kann ein Klassenlehrerwechsel, der Übergang zur weiterführenden Schule oder die Auflösung eines Klassenverbandes Grundschulkinder wie Abiturienten gleichermaßen aus der Bahn werfen.

Psychologische Beratung

Kunden der SBK können sich beim Thema Schulangst an ihren persönlichen SBK-Kundenberater wenden. Der vermittelt Termine für eine psychologische Beratung.

Auslöser Mobbing

Probleme mit Schulfreunden, Missverständnisse mit Lehrern oder mal eine schlechte Phase in einem Fach — bei Kindern kann das die Lust auf Schule rauben. Dabei zählt alleine die subjektive Sicht der Kinder. Das dürfen Eltern nicht vergessen.

Besonders problematisch ist Mobbing. „Wer davon betroffen ist, wird dermaßen von seinen Energien absorbiert, dass er sich auf die Schule und die kognitiven Anforderungen kaum noch einlassen kann“, erklärt Pädagoge Detlef Träbert, stellvertretender Vorsitzender der „Aktion Humane Schule“ . Die Initiative setzt sich für mehr Menschlichkeit in der Schule ein.

Auslöser Trennungsangst

Wenn für die Kinder die Schule zur Qual wird, bleiben sie ihr im schlimmsten Fall fern. Fünf bis zehn Prozent der knapp elf Millionen Schüler in Deutschland fehlen regelmäßig in bedeutendem Umfang in der Schule. Das ist das Forschungsergebnis des LVR-Klinikums in Essen, das schulvermeidendes Verhalten in Deutschland untersucht. Das Phänomen des Schulvermeidens lässt sich nicht an einer Altersstufe festmachen, es kann jedes Kind treffen. Schon einen Erstklässler kann die Angst vor der Schule überwältigen. Manche Kinder stehen weinend am Schultor, umklammern die Hand der Eltern. Doch in diesem Fall steckt meist die Angst dahinter, sich von der Bezugsperson zu trennen. Die Fachleute sprechen dabei von einer Schulphobie. Die betroffenen Kinder haben oft sehr behütete erste Lebensjahre hinter sich. Zudem übertragen sich die Trennungsängste der Eltern auf sie.

„Diese Ängstlichkeit verhindert, dass Kinder Erfahrungen mit ihrem Mut machen.“

-Detlef Träbert, stellvertretender Vorsitzender der „Aktion Humane Schule“

Auslöser Leistungsdruck

„Kinder, die den Erwartungen der Eltern entsprechen wollen, verinnerlichen diese und machen sie zu ihren eigenen“, erklärt Seifried von der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. „Irgendwann wird diese Entwicklung zum Selbstläufer. In unsere Beratung kommen häufig Jugendliche, die extreme Leistungserwartungen an sich selbst haben und anfangen zu weinen, wenn sie die Note 'gut' bekommen“, sagt der Psychologe.

Aufgrund der Vielfältigkeit der Ursachen sind individuelle Lösungen gefragt. Seifried empfiehlt deshalb, den Nachwuchs genau zu beobachten. „So registrieren die Eltern, wann die Lust, etwas auszuprobieren, in Ängstlichkeit umschlägt.“ Danach können sie entscheiden, was für die Kinder am besten ist. Vielleicht passt der Schultyp auch nicht zum Kind. Wer Angst vor Noten hat, blüht möglicherweise in einer Privatschule, Montessori- oder Waldorf-Einrichtung auf. Und wenn der Ehrgeiz fehlt, dann kann eine andere Schulform als das Gymnasium vielleicht der bessere Weg sein.

Auslöser Konzentrations- oder Lernschwäche

Bei anderen Kindern triggern Konzentrations- oder Lernschwächen die Schulangst. Dann ist eine Lerntherapie angebracht. Abitur um jeden Preis — solche Vorgaben sind problematisch. Ziel sollte sein, die Freude am Lernen zu fördern und die Angst vor Misserfolgen, die zum Lernen dazugehören, in Schach zu halten. Unterstützung statt Vorwurf ist der beste Weg. Zukunftsängste und Perspektivlosigkeit können bei älteren Schülern ein Thema sein: „Für viele Ausbildungsberufe ist mittlerweile das Abitur Voraussetzung. Das sorgt für die entsprechende Erwartungshaltung bei den Eltern und in der Gesellschaft“, beobachtet Psychologe Seifried.

Jeder zweite Schüler in Deutschland macht inzwischen Abitur, doch viele haben einen steinigen Weg mit Pauken und Nachhilfe hinter sich. Manch ein Schüler hat diesen Weg mit vielen Ängsten durchlitten. Zudem sind in vielen Familien Noten und Schule ein belastendes Dauerthema. Das treibt den Druck nur noch weiter in die Höhe, warnt der Schulpsychologe: „Eltern müssen realistisch einschätzen, was ihr Kind leisten kann, wie sie es fördern und fordern können.“

Oft seien auch falsche Lernstrategien schuld: „Viele Schüler sind schlecht organisiert, teilen sich die Klausurvorbereitung nicht ein“, so Seifried. Ein fester Rhythmus für die Hausaufgaben und ein Lernplan könnten ein Ausweg sein. Auch Lehrer tragen mit Bemerkungen zu Missverständnissen bei: „Vielen ist nicht bewusst, wie sie auf die Schüler wirken“, sagt Detlef Träbert. Als Lehrer befragte er seine eigenen Schüler zum Thema Schulangst und war überrascht von der Zahl der Ängste, die die Kinder hatten. „Zugleich war es für die Schüler eine große Erleichterung, darüber zu sprechen und zu erfahren, dass Angst bis zu einem gewissen Maß etwas ganz Normales ist.“

Rhythmus und Kontinuität helfen

Regelmäßig in entspannter Atmosphäre üben

Für die Hausaufgaben und das Lernen feste Zeiten einführen. So werden sie als fixer Bestandteil des Tagesablaufs akzeptiert. Der Arbeitsplatz sollte ruhig und aufgeräumt sein.

Wer regelmäßig Hausaufgaben macht und kontinuierlich übt, bekommt ein Gefühl dafür, ob er den Stoff beherrscht. Das hilft, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.

Ausdauersport hilft

Joggen ist ein guter Sport um abzuschalten

Am Tag vor der Prüfung keinen neuen Stoff mehr erarbeiten. Wenn überhaupt nur das Wichtigste kurz wiederholen. Auch am Abend zuvor nicht lernen! Das steigert nur die Nervosität. Beste Vorsorge gegen Panik: Sport und Bewegung an der frischen Luft helfen, den Stress abzubauen.

Rollenspiele als Training

Geduld und Anteilnahme – so können Eltern ihren Nachwuchs unterstützen

Vor einer Prüfung wird der Lernstoff am besten in Etappen aufgeteilt. Eine Liste zum Abhaken schafft Erfolgserlebnisse. Mündliche Prüfungen lassen sich in Rollenspielen mit Eltern, Geschwistern oder Klassenkameraden simulieren.

 In der Prüfung gilt: Aufgabenstellung in Ruhe durchlesen, leichte Aufgaben zuerst durcharbeiten. Ist eine Aufgabe nicht lösbar, es zunächst mit einer anderen versuchen. Nicht aufgeben, ohne es probiert zu haben.

Panik weg atmen

Yoga entspannt – auch bei Schulstress

Bewusstes Atmen oder Entspannungstechniken wie Yoga helfen gegen das komische Gefühl im Magen vor einer Prüfung. Allerdings ist Training notwendig.

Positive Erwartungen trainieren

Der Satz „Ich bin gut vorbereitet, also kann ich auch etwas“ sorgt für eine zuversichtliche Grundstimmung. Wenn die Gedanken nur ums Versagen kreisen, gibt man sich selbst ein Stoppsignal. Besser also an etwas Schönes denken.