Schulangst verhindern

Psychologin Beate Landgraf gibt Tipps.

Lässt sich Schulangst vorbeugen?

Beate Landgraf: „Ab der zweiten Klasse kann bereits Schulangst beginnen. Die Kinder beobachten die Reaktion der Eltern, wenn sie erste schlechte Noten heimbringen. Sind Mutter und Vater ärgerlich oder angespannt? Hagelt es Vorwürfe? Besser ist, dem Kind zu signalisieren, dass man es gemeinsam schafft.

Auch die Eltern sollten sich selbst im Blick haben. Erwarten sie immer nur Bestnoten? Welcher Elterntyp wollen sie selbst sein? Die Lernzeiten sollten auch dem Lerntypus des Kindes angepasst sein. Eltern informieren sich am besten, welches Maß an Förderung altersgerecht ist.

Bei älteren Kindern kann eine neutrale Nachhilfe sinnvoll sein. Dadurch wird die Eltern-Kind-Beziehung nicht zu sehr belastet. Erfolgserlebnisse in der Freizeit schaffen einen Ausgleich zu den Schulproblemen.”

Was sind Signale einer Schulangst?

Schulangst ist oft ein Symptom von Überforderung und Erschöpfung. Häufig zeigt sie sich gepaart mit vielfältigen körperlichen Anzeichen und im Verhalten: Zähneknirschen, Anfälligkeit für Effekte, Aggressivität oder sozialer Rückzug und Spielunlust. Junge Menschen reagieren im Grunde wie Erwachsene bei einem Burnout.”

Was sind die ersten Schritte?

„Die Eltern sollten ihr Kind zuerst mit Fragen aus der Reserve locken. Sie sind als Kriminologen gefragt. Wenn sich das Kind nicht öffnet, dann sollte sie anbieten, ob es in Ordnung ist, mal mit dem Lehrer zu reden. Aber gerade älteren Kindern ist nichts aufzuzwingen. Ihnen ist vielmehr Raum zu geben, es allein zu lösen. Auch Kinder können an Krisen wachsen.”

Ab wann ist der Profi gefragt?

„Wenn die körperlichen Symptome nicht innerhalb von zwei Monaten trotz Gesprächen abklingen, dann ist professionelle Hilfe nötig. Auch wenn trotz guter Vorbereitung die Noten schlecht bleiben, kann eine Prüfungsphobie dahinterstecken. Manchmal reichen schon wenige Stunden bei einem Lerncoach oder einer Beratungsstelle. Wenn man nichts macht, können sich später Erkrankungen wie Suchtprobleme oder Essstörungen entwickeln.”