Zwischen Selbstbestimmung und Eigenverantwortung

Beate Landgraf, psychologische Beraterin bei der SBK, über die Pille danach

Die SBK sprach mit Psychologin Beate Landgraf über den Umgang mit der "Pille danach".

Ich würde sagen, es ist fast ein Segen. Vor allem für Frauen, die schon Kinder haben und keine weiteren mehr wollen. Für sie ist es ungemein befreiend, sich nach einer Verhütungspanne den peinlichen Gang zum Frauenarzt sparen zu können.

Viele junge Mädchen, die zu mir in die Beratung kommen, gehen sehr sorglos mit dem Thema Verhütung um. Darüber wird in der Öffentlichkeit nicht gesprochen, aber viele benutzen kein Kondom. Der zunehmende Alkoholkonsum unter Frauen trägt zum großen Teil auch zu dieser Leichtfertigkeit bei. Dabei schützen Kondome nicht nur gegen Schwangerschaft, sondern auch gegen das HI-Virus und andere sexuell übertragbare Krankheiten.

Die Generation, die heute zwischen 15 und 25 ist, hat weniger Befürchtungen zum Thema Schutz vor ungewollter Schwangerschaft und Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit, weil es die Pille danach gibt – das ist jedenfalls meine Erfahrung in der Beratung. Die jungen Frauen haben auch gar kein Problem damit, Medikamente zu schlucken, die ihr ganzes Hormonsystem eine Zeit lang durcheinander bringen. Ein Kondom könnte dies vermeiden.

Nein, die jungen Leute sind bestens aufgeklärt und trotzdem heißt es: „Kondom? Hab ich vergessen.“ Ins Nachdenken kommen sie erst, wenn ich in der Beratung frage: „Findest du das in Ordnung, deinen Körper so mit Chemie vollzupumpen?“

Nein, das tun sie nicht. Die gibt es ja mittlerweile auch in Automaten auf vielen öffentlichen Toiletten, zum Beispiel in Gaststätten. Und wenn Sie sich mal anschauen, was man in den Kondom-Ecken der Drogerien alles kaufen kann: Die prüden Zeiten sind wirklich vorbei!

Wenn Sie weitere Fragen rund um das Thema Verhütung haben, dann können Sie sich auch an unser SBK-Gesundheitstelefon oder Ihren persönlichen Kundenberater wenden.

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