Erste Hilfe bei Zahnunfällen

Besonnenes Handeln ist das A und O.

Ob beim Klettern in der Kita, während der Pause auf dem Schulhof oder nachmittags auf der Skaterbahn – kleine Entdecker und große Eroberer leben gefährlich: 80 Prozent aller Zahnunfälle gehen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DZMK) auf ihr Konto. Besonders betroffen sind Acht- bis Zwölfjährige. Ihre Lieblingsopfer: die oberen Schneidezähne.

"Passiert ein solches Missgeschick zählt jede Sekunde", erklärt Jörg Knieper. Deshalb hat er das Projekt Zahnrettungskonzept.info ins Leben gerufen. Denn viele Menschen wissen nicht, dass Zähne nach einem Unfall in 80 bis 90 Prozent der Fälle wieder eingesetzt werden können. Voraussetzung: Der Zahn bzw. das Zahnstück wird in der Zwischenzeit richtig aufbewahrt.

Zahnrettungsbox – was ist das?

Ein ausgeschlagener Zahn kann nur dann wieder einheilen, wenn die empfindlichen Zellen an der Wurzelhaut erhalten bleiben. Bei einer falschen Lagerung sterben diese Zellen innerhalb kürzester Zeit ab.

Deshalb enthält die Zahnrettungsbox ein Fläschchen mit spezieller Zellnährlösung. Sie sorgt dafür, dass Zahn und Zellen 24 bis maximal 48 Stunden lang gut versorgt sind. Übrigens: Die Box dient nicht nur ganzen Zähnen als Auffangstation, sondern auch Zahnbruchstücken. Wichtig ist, dass die Lagertemperaturen zwischen mindestens -4 °C und maximal 25 °C beachtet werden.

Die Zahnrettungsboxen gibt es in Apotheken, in vielen Zahnarztpraxen sowie in Online-Shops. Kostenpunkt: ab zehn Euro. 

So bitte nicht...

Den ausgefallenen Zahn auf keinen Fall säubern oder gar desinfizieren. Ebenfalls tabu: Ihn in ein Taschentuch wickeln und dort lagern!

Verfügbarkeit – das Standortverzeichnis

Aktuell baut das Team vom Zahnrettungskonzept ein flächendeckendes Zahnrettungsbox-Verzeichnis auf. "Analog zu den Verzeichnissen im Bereich Defibrillation", so Projektleiter Knieper. Es sind bereits 4.500 Standorte im Verzeichnis freigeschaltet. Weitere 28.000 sind in der internen Datenbank erfasst. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt Zahnrettungskonzept von PD Dr. med. dent. Yango Pohl von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Nähere Informationen zum Projekt und den Zielen gibt es unter: www.zahnrettungskonzept.info

Viele Städte und Gemeinden ziehen mit. Die Stadt Hilden in NRW spendierte beispielsweise kürzlich allen städtischen Kitas und Schulen Zahnrettungsboxen.

Erste-Hilfe-Tipps nach einem Zahnunfall

Bei einem Zahnunfall ist Besonnenheit gefragt. "Handeln Sie ruhig, aber dennoch zügig", rät Jörg Knieper. Dann ist die Chance größer, dass der Zahn gerettet werden kann. 

Untersuchen Sie die Mundhöhle auf Verletzungen. Ist ein Zahn betroffen? Ist er komplett ausgeschlagen oder nur ein Teil abgebrochen? Lose Zahnteile oder Zähne aus dem Mund entfernen. Aber immer nur an der Krone anfassen, nie die Zahnwurzel! Auf keinen Fall säubern oder desinfizieren.

Um Blutungen zu stoppen, kann der Verletzte auf ein sauberes Textilstück oder Mull beißen. Das Gewebe im Mund- und Gesichtsbereich ist ausgesprochen gut durchblutet. Verletzungen können daher stark bluten. "In Verbindung mit dem Schreck stellt sich die Situation meist sehr viel dramatischer dar als sie tatsächlich ist", beruhigt Knieper.

Kümmern Sie sich um den betroffenen Zahn bzw. die Einzelteile. Legen Sie diese möglichst in eine Zahnrettungsbox. "Ist diese nicht direkt verfügbar, kann der Zahn für maximal eine bis zwei Stunden in gekühlter H-Milch aufgehoben werden", sagt Knieper. Danach muss allerdings eine Umbettung in eine entsprechende Nährstofflösung erfolgen.

Ist der Patient samt Zahn erst mal grob versorgt, sollte es direkt zum Zahnarzt oder einer Zahnklinik gehen.

Nach jedem Zahnunfall einen Experten aufsuchen

Zähne können durch den Unfall erschüttert oder gelockert sein. Verlagerungen aus der Ursprungsposition sind ebenfalls möglich. Zudem können Zahnwurzeln gebrochen sein. Nicht jede dieser Verletzungen ist vom Laien erkennbar. Deshalb gilt: nach jedem Zahnunfall den Zahnarzt aufsuchen. Das reduziert spätere Komplikationen.

Kieferorthopädische Beratung: Resultiert aus einem Zahnunfall eine Fehlstellung, dann bleibt nur der Weg zum Zahnarzt. Wenn es komplizierter wird, ist es ein Fall für den Kieferorthopäden. Ihr SBK-Kundenberater berät Sie gerne vor, während und nach einer kieferorthopädischen Behandlung.