Xylit und Fluorid

Die Kür in der Zahnpflege.

Nicht nur Zähne putzen: Wer seine Beißerchen noch mehr schützen möchte, kann Fluorid und Xylit nutzen. Beide Stoffe gibt es in Form verschiedener Produkte zu kaufen – aber sind die auch sinnvoll?

"Fluorid bildet einen Schutz gegen Säureangriffe auf den Zahnschmelz"

- Dr. Christian Reinelt, SBK-Beratungszahnarzt aus Nürnberg

Säureattacken gibt es immer, wenn wir etwas Säurehaltiges gegessen haben, zum Beispiel einen Apfel oder einen Salat mit Vinaigrette. Wie Fluor wirkt, zeigt der so genannte Eiertest: Man nimmt ein Ei und bestreicht es auf der einen Seite mit einem fluoridhaltigen Gel. Dann taucht man das Ei in Essig-Essenz. „Ähnlich wie die Eierschale bestehen unsere Zähne hauptsächlich aus Kalk“, erklärt Dr. Reinelt. „Sehr schnell bilden sich auf der unbestrichenen Stelle viele kleine Blasen – die Schale wird sofort entkalkt.“ Doch schon nach etwa fünf Minuten tauchen die Blasen auch auf der Fluorid-Seite auf. „Man sieht: Der Schutz hält nicht ewig.“ Das soll nicht heißen, dass Fluoridschutz im Mund nach fünf Minuten verflogen ist, betont Dr. Reinelt. „Es ist ja ein Unterschied, ob wir etwas Säurehaltiges essen oder ob wir die Zähne in Essig-Essenz tauchen.“ Was das Beispiel deutlich macht: Wir sollten den Schutz regelmäßig erneuern.

Fluorid bremst Karies

Wer in regelmäßigen Abständen Fluorid nutzt, kann die Entstehung von Karies bremsen. Aber Vorsicht: Nicht jedes Fluoridprodukt ist für jeden sinnvoll. Für Kinder bis zum Alter von zwei Jahren empfiehlt Dr. Reinelt in Absprache mit einem Kinderarzt die Gabe von Fluoridtabletten. Nur so könne man sicher sein, dass nicht mehr als die empfohlene Menge eingenommen wird. „Erst wenn die Kinder zwei Jahre alt sind, können sie Zahnpasta-Reste ausspucken.“ Das heißt, ab dann ist Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahncreme möglich. „Nehmen Sie eine erbsengroße Menge Zahnpasta, die 500 ppm Fluorid enthält“, rät Dr. Reinelt. „Die Mengenangaben finden Sie auf der Verpackung.“ Zu viel Fluorid kann man daran erkennen, dass sich auf den Zähnen weiße Flecken bilden. „Aber die Gefahr der Überdosierung ist gering“, sagt Dr. Reinelt.

Fluoridgel einmal die Woche anwenden

Kommen dann die bleibenden Zähne, lohnt es sich, mit dem Fluoridschutz weiterzumachen – diesmal in Form von Gel. Einmal die Woche mit Fluoridgel putzen, empfiehlt der SBK-Beratungszahnarzt. Erhältlich sind solche Gels in der Apotheke – und die gesetzliche Krankenkasse übernimmt alle Kosten für Kinder von sechs bis 17 Jahren. Sie müssen nicht einmal zuzahlen, wenn das Gel verschreibungspflichtig ist. Das gilt natürlich ebenso für SBK-Versicherte. Auch Erwachsene sollten das Gel einmal wöchentlich nutzen, empfiehlt Reinelt. „Dadurch erzeugt man einen Depotschutz und sättigt die Zahnsubstanz.“

Preiswerter Schutz

Dr. Christian Reinelt arbeitet seit 1995 als Zahnarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Nürnberg.

Übrigens: Fluorid hilft gegen Schmerzen, die mit freiliegenden Zahnhälsen einhergehen. Dr. Reinelt empfiehlt in diesem Fall eine Zahnpasta für empfindliche Zähne, die Fluorid und Kaliumnitrat enthält. Es muss aber keinesfalls die extrateure Hightech-Zahncreme sein.

Reinelt: „Diese Kombination von Fluorid und Kaliumnitrat gibt es von vielen Herstellern, auch in guter Qualität zum kleinen Preis beim Discounter.“ Tipp: Mal bei Stiftung Warentest schauen, welche Zahncremes besonders gut abschneiden.

Fluorid – kein Wundermittel

Doch die Schutzwirkung des Fluorids hat ihre Grenzen: „Wer zum Beispiel oft zuckerfreie Bonbons lutscht, senkt damit den PH-Wert im Mund – und bietet den Kariesbakterien Angriffsfläche“, erklärt Dr. Reinelt. Auch die zuckerhaltigen Bonbons sind natürlich nicht besser. „Und wer viel Zahnbelag hat, bei dem kommt das Fluorid gar nicht erst durch.“ Am besten, die Zähne werden mindestens zweimal am Tag – morgens und abends – sauber geputzt. Dann kann das Fluorid richtig gut wirken. Und das Beste sei sowieso, fügt der Zahnarzt hinzu, sich an die neuen Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zu halten: täglich nicht mehr Zucker zu essen, als in einem Fruchtjoghurt enthalten ist. „Dann brauchen Sie auch kein Fluorid mehr, um Ihre Zähne gesund zu halten.“

Xylit: mit Süße gegen Karies!

Erstaunlicherweise soll ausgerechnet ein Zuckeraustauschstoff den Zähnen nützen. Die Rede ist von Xylit, der Grundlage all jener Kaugummis und Bonbons, die mit dem Prädikat „Zahnpflege“ werben. Xylit wird aus Holz oder Maispflanzen-Fasern gewonnen und enthält 40 Prozent weniger Kalorien als der übliche Haushaltszucker. Es hat etwas weniger Süßkraft, aber einen ähnlichen Geschmack und ist daher auch in vielen anderen Lebensmitteln zu finden. Zum Beispiel in Schokolade, Aufstrichen und Süßungsmitteln.

Eine Art Zucker – und nicht schädlich? „Das liegt vor allem daran, dass der Haupt-Karieskeim, Streptococcus mutans, Xylit nicht verstoffwechseln kann“, weiß Dr. Christian Reinelt. „Das Bakterium verhungert im Prinzip.“ Hinzu kommt: Xylit fördert die Speichelbildung, vor allem, wenn man es als Kaugummi kaut. Das verhindert ein saures Klima im Mund. Und schließlich verlangsamt Xylit die Bildung von Zahnbelägen – eine der Hauptursachen von Karies.

Ist Kaugummi kauen gut für die Zähne?

Super Sache, denken sich jetzt vielleicht viele Schüler: Kaugummi kauen ist gesund! Danke, Medizin, für dieses perfekte Argument gegen die Lehrer! Doch Dr. Reinelt winkt ab: „Da bin ich absolut dagegen.“ Das Herumgekaue verschlechtere die Aussprache der Schüler und erschwere die Kommunikation. Damit der Schutz wirkt, müsste ohnehin jeder Schüler im Lauf des Schultags drei Kaugummis essen – immer nach der Pause, immer gemeinsam unter Aufsicht des Lehrers. „Sie müssten es sogar gemeinschaftlich ausspucken, damit es hinterher nicht unterm Schultisch klebt“, so Reinelt. „Das haut nicht hin. Dann besser eine sinnvolle Pausenmahlzeit mit Kohlrabi oder Karotte – das macht den Mund vollkommen uninteressant für Bakterien.“

Xylit gegen Zahnbelag

Pech gehabt, liebe Kinder! Aber auch außerhalb der Schule lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Dr. Reinelt ist zwar überzeugt, dass man richtigen Zahnschutz nicht mit Kaugummis ersetzen kann. Der Nutzen von Xylit sei noch zu wenig erforscht. Von zehn Studien hätten nur zwei nachweisen können, dass es tatsächlich gegen Karies hilft. Dennoch: „Xylit ist interessant für Menschen, die viele Zahnbeläge haben“. Seine Tagesempfehlung: Sechs Kaugummis mit einem Gramm Xylit pro Stück. „Wie viel Xylit in einem Kaugummi enthalten ist, steht auf der Verpackung.“ Möglichst direkt nach dem Essen, damit Bakterien keine Chance haben. Und für alle, für die Kaugummis ein Graus sind, gibt es Xylit auch in Form von Bonbons zum Luschen oder als Pulver.