Ein gutes Pflegeheim finden

Worauf Angehörige bei der Suche achten sollten.

Die Verantwortung ist groß, die Entscheidung mit Hoffnung und Sorge verbunden: Wenn Kinder für Mutter oder Vater ein Pflegeheim auswählen müssen. Beratung und Orientierung bieten bundesweit Pflegestützpunkte in jeder größeren Stadt. So auch beim SBK-Pflegestützpunkt in Berlin: „Wir helfen, damit zu pflegende Angehörige in fürsorgliche Hände kommen“, sagt Gitta Hoffmann. Sie hat schon seit 41 Jahren bei der SBK Erfahrungen gesammelt. „Ich weiß, wie schwer die Entscheidung für ein Pflegeheim oft fällt.“ 

Kerstin L. hat das Beratungsangebot der SBK genutzt. Ihr Vater ist an Demenz erkrankt. „Natürlich haben wir ihn möglichst lange in den eigenen vier Wänden gepflegt“, erzählt sie. Doch die psychische und gesundheitliche Belastung wurde durch den Krankheitsverlauf irgendwann sehr groß. Kerstin L. entschied schweren Herzens, für ihren Vater ein Pflegeheim zu suchen, und wendete sich an Gitta Hoffmann.

SBK-Pflegeberaterin Gitta Hoffmann teilt ihren Erfahrungsschatz mit Angehörigen und Pflegebedürftigen

Beratung durch Pflegestützpunkte

„Pflegestützpunkte bieten vor Ort, telefonisch und zu Hause Unterstützung bei allen Fragen rund um die Pflege“, sagt Gitta Hoffmann. Etwa 4.000 Pflegeberatungen finden jährlich an den 33 Berliner Pflegestützpunkten der unterschiedlichen Träger statt. Eine Übersicht über die Adressen gibt es im Internet, auch für die bundesweiten Pflegestützpunkte. „Wir können Kontakte zu Fahrdiensten, Sanitätshäusern und ehrenamtlichen Helfern herstellen. Außerdem helfen wir dabei, bürokratische Hürden zu beseitigen“, sagt die Pflegeberaterin.

Hilfe bei der Suche nach einem Heimplatz

Die SBK-Pflegeberaterin strukturierte die Suche: „Die räumliche Nähe eines Pflegeheims ist ein zentraler Faktor, um Besuche zu erleichtern. Und überlegen Sie, was für Ihren Vater angesichts seiner Erkrankung besonders wichtig ist.“ Kerstin L. entschied, dass ihr Vater eine auf Demenz spezialisierte Betreuung erhalten soll: „Mir war es wichtig, dass mein Vater eine feste Bezugsperson hat. Das ist gerade bei Demenzkranken entscheidend.“ Die Pflegeberater in den Pflegestützpunkten haben einen guten Überblick über die Pflegeeinrichtungen und Dienstleister vor Ort. Gitta Hoffman empfahl ihr mehrere auf Demenz spezialisierte Häuser. 

Auch im Internet bieten die Weisse Liste und der BKK Pflegefinder gute Orientierung. Es finden sich Informationen zu Kosten, Pflegearten und speziellen Angeboten wie Parks, Friseure, flexible Essenszeiten oder eigene Möblierung. Auch Bewertungen durch Heimbewohner und den medizinischen Dienst fließen auf der Internetseite ein.

Checkliste zum Download PDF, 1,91 MB

„Gehen Sie mit offenen Augen, Nase und Ohren durch die Häuser.“

-Gitta Hoffmann, Pflegeberaterin der SBK

Ein gutes Pflegeheim mit allen Sinnen wahrnehmen

Kerstin L. besuchte alle von Gitta Hoffmann empfohlenen Pflegeheime, um sich einen Überblick verschaffen – mit den Tipps der SBK-Beraterin im Kopf: „Der erste Eindruck zählt. Gibt es Pflanzen und Bilder, ist das Heim hell und freundlich, riecht es gut, macht das Pflegepersonal einen entspannten Eindruck und haben Sie ein gutes Gefühl?“, fragt die SBK-Pflegeberaterin. Bei den Heimleitungen erkundigte sich Kerstin L. dann nach der Qualität der pflegerischen und ärztlichen Betreuung.

Qualität von Pflege und Wohnen abwägen

„Ein gutes Pflegeheim geht offen und transparent mit den Fragen Angehöriger und zukünftiger Bewohner um. Da kann man schnell abklopfen, ob es zu den eigenen Vorstellungen passt“, lautet das Fazit von Kerstin L. Sie fragte Heimleitungen, ob speziell geschultes Personal im Demenzbereich arbeitet und ob ihr Vater seinen Bewegungsdrang ausleben könne. Kerstin entdeckte bei der Tour Individualität in den Einrichtungen: In manchen wurde Wert auf eigene Kleidung der Bewohner gelegt, in anderen weniger. Unterschiede gab es, inwieweit die Mitnahme persönlicher Gegenstände bis hin zur Eigenmöblierung möglich war. Und auch beim Essen gab es Unterschiede: „Mir war wichtig, dass hilfebedürftigen Bewohnern in Ruhe beim Essen geholfen wird und die Kost abwechslungsreich und bedarfsorientiert ist“, sagt Kerstin L. Dazu besuchte sie die Essensräume und sprach mit Heimbewohnern. Ihre Beobachtungen notierte sie in einer Checkliste. Damit wog sie die Vorteile von Heimen mit den Kosten ab.

„2.000 bis 3.500 Euro kostet in Deutschland ein Pflegeheim pro Monat, je nach Pflegeaufwand, Ausstattung und Lage“, erklärt SBK-Pflegeberaterin Hoffmann. Die Pflegekasse zahlt entsprechend der Pflegestufen zwischen 1.064 Euro und 1.995 Euro monatlich. „Für den Restbetrag müssen die Heimbewohner selbst aufkommen“, sagt Gitta Hoffmann.

„Der Eigenanteil für ein Pflegeheim liegt im Schnitt bei 1.800 Euro.“

-Gitta Hoffmann, Pflegeberaterin der SBK

Heimvertrag – Mitbestimmung im Pflegealltag

Die letzte Hürde für Kerstin L. war der Heimvertrag, der mit Sorgfalt gelesen und formuliert werden sollte. In ihm müssen die Leistungen des Heims klar umrissen sein – wie Therapieangebote, Pflegeleistungen, Art und Häufigkeit der Mahlzeiten, Freizeitangebote und fester Heimarzt. Darüber hinaus werden Größe, Lage und Ausstattung des Zimmers beschrieben. „Zudem müssen sämtliche Kosten und Pauschalen im Heimvertrag präzise aufgeführt sein“, sagt Gitta Hoffmann. Das vermeide böse Überraschungen, wenn beispielsweise die Getränkeversorgung plötzlich extra abgerechnet wird. „Wir beraten Angehörige bei Fragen zum Vertrag schon frühzeitig, gerade damit der Heimaufenthalt sich wunschgemäß entwickelt“, sagt Gitta Hoffmann.

Umfassende Versorgung bringt Entlastung

Zufriedene Bewohner erleichtern die Wahl eines guten Pflegeheims

Kerstin L. konnte den behandelnden Arzt selbst wählen, ebenso wie das Zimmer ihres Vaters. Weitere mündlich abgesprochene Punkte wurden im Heimvertrag mit aufgenommen. Beispielsweise, dass Kerstins Vater nicht ohne Zustimmung in ein anderes Zimmer verlegt wird. „Transparenz und ein umfassendes Mitbestimmungsrecht sprechen für ein gutes Haus“, sagt SBK-Pflegeberaterin Gitta Hoffmann.

Die Suche nach dem Pflegeheim war für Kerstin L. mit Anstrengungen verbunden, die sich gelohnt haben. „Ich bin jetzt beruhigt, weil er rund um die Uhr versorgt wird. Früher musste ich mir Sorgen machen, wenn er alleine und desorientiert in seiner Wohnung saß.“ Und auch für ihren Vater bringt der Heimplatz Positives. Dank einer intensiven Demenz-Therapie hat er mehr lichte Momente also noch zu Hause. „Ob nun Heimaufenthalt oder ambulante Pflege – letztendlich ist das eine individuelle Entscheidung“, sagt Gitta Hoffmann.

Gitta Hoffmann: "Egal für welchen Weg sich Angehörige und Betroffene entscheiden, die SBK und wir Pflegeberater stehen beratend und vermittelnd zur Seite.“