Im Pflegefall zu Hause versorgt

Was eine gute ambulante Versorgung ausmacht.

Ein Pflegefall in der Familie kann für die Angehörigen schnell zu körperlicher und seelischer Überforderung führen. Das erlebe ich als Pflegeberaterin tagtäglich. So war es auch bei Michael W. Sein Vater hatte einen Schlaganfall erlitten und gemeinsam mit der Mutter pflegte er ihn mehrere Jahre zu Hause. Doch irgendwann war die Belastung im Alltag so groß, dass sich Michael W. hilfesuchend an die SBK gewendet hat. Ich bin seit 41 Jahren bei der SBK und arbeite seit fünf Jahren als Pflegeberaterin am Berliner Pflegestützpunkt der SBK. 

In 90 Prozent der Fälle suchen Angehörige unsere Hilfe. Michael W. hatte eine schriftliche Einwilligung seines Vaters, dass er in seinem Auftrag mit uns sprechen durfte. Denn nur dann dürfen wir Angehörige auch beraten. Familie W. hatte ein Ziel: Die Eltern wollten trotz der strapaziösen Pflege unbedingt zusammenbleiben. Hinzu kam, dass ein Pflegeheim die finanziellen Möglichkeiten der Familie überstiegen hätte. Meine Aufgabe war es also, Michael W. bei der Suche nach einem guten ambulanten Pflegedienst zu unterstützen.

Leistungen der Pflegestützpunkte

Pflegestützpunkte sind eine zentrale Anlaufstelle bei allen Fragen rund um die Pflege. Sie bieten vor Ort, telefonisch und zu Hause Unterstützung. Eine Übersicht über die bundesweiten Pflegestützpunkte gibt es im Internet.

Pflegestützpunkte sind eine zentrale Anlaufstelle bei allen Fragen rund um die Pflege. Sie bieten vor Ort, telefonisch und zu Hause Unterstützung.

Die Hilfestellungen im Überblick

  • Feststellung des Hilfebedarfs und Hilfeplanung
  • Beratung zu den Pflegestufen
  • Beratung zu Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige
  • Kontakte zu ehrenamtlichen Helfern
  • Kontakte zu Angehörigen- und Selbsthilfegruppen
  • Kontakte zu ambulanten Pflegediensten
  • Kontakte zu stationären Pflegeeinrichtungen
  • Hilfe bei Heim- und Pflegeverträgen
  • Auskünfte über rechtliche und finanzielle Fragen
  • Hinweise zum barrierefreien Umbau der Wohnung
  • Beratung bei der Heil- und Hilfsmittelversorgung

Ambulante Versorgung sicherstellen

Zunächst wollte ich mir ein Bild vor Ort machen und besuchte Familie W. in ihrer Wohnung. So kann ich gut einschätzen, was der Patient benötigt und ob eine ambulante Versorgung tatsächlich die geeignete Wahl ist. Bei den Hausbesuchen kann ich bereits erste Hinweise für Verbesserungen geben, beispielsweise wenn der Pflegebedürftige nicht optimal gelagert wird. Oft ermutige ich Angehörige, einen Pflegekurs zu besuchen, um das Know-how zu verbessern. Im Alltag ist das für sie später eine große Entlastung. Grundsätzlich berate ich die Familien nur. Letztendlich entscheiden müssen die Familien über den Weg und alle erforderlichen Maßnahmen.

Gute Seiten für die Suche nach einem ambulanten Dienst gibt es auch im Internet: Ich empfehle die Weisse Liste und den BKK-Pflegefinder. Dort gibt es Bewertungen der Anbieter. Außerdem ist der Hausarzt ein guter Ansprechpartner. Ärzte arbeiten häufig mit Pflegediensten zusammen. Das verbessert die Kommunikation zwischen Arzt und Pflegern.

„Vertrauen in die Pfleger und klar umrissene Leistungen sind besonders wichtig.“

-Gitta Hoffmann, Pflegeberaterin der SBK 

Häusliche Pflege dem Bedarf anpassen

Der tägliche Aufwand kann in einem Pflegetagebuch oder einer App festgehalten werden. Das hilft dabei, die gewünschten Module mit dem Pflegedienst festzulegen.

Häusliche Pflegedienste helfen bei der Ernährung, Körperpflege, Beweglichkeit und hauswirtschaftlichen Versorgung. Die Leistungen werden dabei in unterschiedliche Pakete gegliedert wie: Körperpflege, Ausscheiden, Kleiden und hauswirtschaftliche Hilfen, wie z. B. Essen zubereiten. Eine Übersicht dazu gibt es im Internet. Durch den modularen Aufbau können genau die Leistungen gebucht werden, die individuell benötigt werden.

Ein guter Dienst bespricht die einzelnen Module mit den Angehörigen intensiv. Ein Tipp: Lassen Sie sich zu keinen unnötigen Modulen wie Apothekenbesuche oder Wäschewaschen überreden, wenn Sie selbst dafür sorgen können. Am besten führen Sie im Vorfeld ein Pflegetagebuch, um genau zu sehen, wobei der ambulante Pflegedienst die Familie konkret unterstützen kann.

Wenn Sie mit einem Dienstleister geeignete Module vereinbart haben, sollten Sie auf eine vollständige und transparente Kostenaufstellung achten. Fragen Sie außerdem danach, wie zeitlich flexibel der Pflegedienst ist. Können die Pfleger schnell einspringen, wenn Angehörige doch einmal verhindert sind? Von wann bis wann sind die Pfleger im Einsatz? Beständigkeit ist ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium. Im Idealfall haben Sie einen festen Ansprechpartner und einen sehr überschaubaren Kreis an Pflegern, die eingesetzt werden. Sollte ausnahmsweise eine fremde Kraft einspringen müssen, sollte die Familie nach Möglichkeit vorher informiert werden.

Was einen guten Pflegedienst ausmacht

All diese Voraussetzungen habe ich mit Michael W. ausführlich besprochen. Danach vereinbarte er Termine mit ambulanten Pflegediensten in der Wohnung seiner Eltern. Ein guter Dienstleister bietet immer einen kostenlosen Hausbesuch an. Die Eindrücke von Michael W. fielen unterschiedlich aus: „Bei einigen Anbietern fühlte ich meinen Vater gut aufgehoben – andere waren mir zu oberflächlich.“ Familie W. hatte konkrete Anforderungen entwickelt: Drei Tage in der Woche wollten sie unterstützt werden. An diesen Tagen soll der ambulante Pflegedienst dem Vater beim An- und Auskleiden, beim Gang zur Toilette, bei der Körperwäsche und der Nahrungsaufnahme helfen. Michael W. und seine Mutter kümmern sich an den restlichen Tagen weiterhin vollständig um den Vater und erledigen alle Hauswirtschaftsarbeiten. 

„Bei einem guten Pflegedienst können die Leistungen kurzfristig und flexibel angepasst werden.“

-Gitta Hoffmann, Pflegeberaterin der SBK

Kosten der ambulanten Betreuung abwägen

Michael W. ließ sich von den Anbietern ergänzendes Informationsmaterial und ein schriftliches Angebot zukommen. Am Ende entschied er sich für einen Dienst in der Nähe, der auch im Notfall schnell reagieren kann. Im Pflegevertrag mit dem Dienstleister wurden sämtliche Leistungen präzise formuliert.

Der Vater von Michael W. ist in Pflegegrad 4 eingruppiert. Somit erhält er monatlich 1.612 Euro aus der gesetzlichen Pflegkasse. Alles was darüber liegt, muss selbst bezahlt werden. Der ambulante Dienst rechnet seinen Anteil direkt mit der Kasse ab. Die Vergütung wird nach einzelnen Leistungen – nicht nach Stunden – abgerechnet.  

Verlässliche Betreuung zu Hause

Die Chemie zwischen Pflegern und Pflegebedürftigen muss stimmen, damit alle an der Pflege beteiligten sich wohl fühlen.

Inzwischen besucht eine Pflegerin drei Mal pro Woche Familie W. Die Chemie zwischen ihr und der Familie stimmt. Sie erklärt einzelne Behandlungsschritte und gibt Michael W. und seiner Mutter Tipps für die pflegerische Versorgung des Vaters. Sein Gesundheitszustand wird fortlaufend dokumentiert. Zusätzlich protokolliert die Pflegerin alle erbrachten Leistungen wie Körperwäsche, Essen mundgerecht zubereiten und die Flüssigkeitszufuhr. „Sie ist mit Herzblut bei der Sache“, freut sich Michael W. Die Kommunikation mit dem Dienstleister läuft reibungslos. Braucht Familie W. am Wochenende einmal Hilfe, bekommt sie auch kurzfristig Unterstützung. Vor allem aber: „Mein Vater kommt sehr gut mit der festen Pflegerin zurecht. Das ist für mich und meine Mutter eine sehr große emotionale Entlastung.“