Wie sehr belastet Sie die Pflege?

Ein "Interaktiver Belastungstest" liefert wertvolle Tipps.

Bei einer plötzlich eintretenden Pflegebedürftigkeit müssen Angehörige von heute auf morgen Hilfe leisten, auf die sie häufig nicht vorbereitet sind. Vielfach dreht sich auf einmal das gesamte Leben nur noch um das Thema Pflege. Überforderung droht. Ein wichtiger erster Schritt für Betroffene ist, sich Klarheit über die eigene Situation zu verschaffen. Dabei hilft der neue Interaktive Belastungstest der Volkssolidarität. Eine gute Sache, finden wir von der SBK und fördern diese Aktion deshalb. Denn: Dauerhafter Stress schadet Ihrer eigenen Gesundheit!

Überforderung eingestehen – Hilfe suchen

Für viele ist die Angehörigenpflege Bedürfnis und Herausforderung zugleich, so wie für Thomas Voß (Name von der Redaktion geändert). Er pflegt seit mehr als acht Jahren seinen demenzkranken Vater Hermann. „Früher hat mein Vater mich gewickelt, nun ist es eben umgekehrt“, sagt er. Für ihn ist es ein Vollzeitjob, neben seinem eigentlichen Vollzeitjob als Softwareentwickler. „Auch wenn gerade nichts aktiv getan werden muss, bin ich immer in Bereitschaft.“ Mehr als fünf Stunden täglich widmet sich Voß der Pflege seines Vaters.

Damit ist er nicht allein: eine Auswertung der SBK zeigt, dass 70 Prozent der pflegebedürftigen SBK-Versicherten zu Hause versorgt werden. Die meisten davon durch Angehörige. Laut dem Statistischen Bundesamt sind es deutschlandweit 1,25 Millionen Menschen, die durch Familie, Freunde und Bekannte betreut werden.

Der neue Interaktive Belastungstest der Selbsthilfegruppe Volkssolidarität Landesverband Berlin versucht deshalb frühzeitig Angehörigen Auswege aus der Überforderung aufzuzeigen. Der Test ist ein erster Schritt, über ihren Alltag zu reflektieren: Wie häufig tauschen Sie sich mit anderen aus? Welche pflegerische Unterstützung erhalten Sie? Wer hilft Ihnen im Alltag? Die Auswertung am Ende verrät, in welchen Bereichen Ihres Lebens Sie besonders belastet sind und schlägt Ihnen Unterstützungsmöglichkeiten vor. „Das Tool hätte mir damals zu Beginn der Pflegebedürftigkeit meines Vaters sehr geholfen“, sagt Voß.

"Durch den interaktiven Belastungstest kann jeder lernen, dass Überforderung nichts ist, wofür man sich schämen muss."
-Thomas Voß

Die SBK bietet viele Entlastungsmöglichkeiten

Katja Klingler ist eine von mehr als 700 Kundenberatern der SBK deutschlandweit

Ich hatte den Aufwand unterschätzt und musste einsehen, dass ich es alleine nicht schaffe“, sagt Thomas Voß. Er hat sich deshalb selbst nach Entlastungsmöglichkeiten umgesehen: „Gute Ernährung, Sport und Selbstmotivation haben mir im ersten Schritt geholfen.“ Aber viel wichtiger war eine gute Beratung. Die erste Anlaufstelle war seine Kundenberaterin bei der SBK.

„Die meisten Angehörigen wenden sich an uns, wenn sie merken, dass die Betreuung der Pflegeperson ohne Hilfe nicht mehr möglich ist, oder wenn sie mit der Situation überfordert sind und nun eine Entlastung brauchen“, sagt Katja Klingler, Kundenberaterin bei der SBK.

„Wir bieten unseren Kunden ein ausführliches Beratungsgespräch mit der Pflegekasse an, wobei die verschiedenen Möglichkeiten der Pflege genau erläutert werden.“ Außerdem werden Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige aufgezeigt, wie beispielsweise Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege. Dabei kommt die Pflegeperson für eine gewisse Zeit in ein Heim oder wird durch eine andere Person betreut. 

„Durch Kurzzeitpflege können sich pflegende Angehörige eine Auszeit nehmen und sich auf sich selbst konzentrieren und zur Ruhe kommen“, sagt Klingler.

Die SBK vermittelt außerdem Kontakte zu Beratungsstellen wie Pflegestützpunkten, bietet kostenlose Pflegekurse und Kontakte zu Gesprächs- und Angehörigengruppen. „Auch die psychologische Beratung wird immer wieder genutzt. Ein Psychotherapeut geht auf die Wünsche und die persönliche Situation des Angehörigen genau ein und zeigt Möglichkeiten auf, wie es ihm schnell wieder besser gehen kann“, sagt Katja Klingler. Weitere Entlastung finden Angehörige durch häusliche Pflege. Denn schon ein paar Stunden Unterstützung in der Woche können eine echte Hilfe sein.