Zu Hause pflegen oder ins Heim?

Wie Sie eine bestmögliche Versorgung bekommen können.

Sowohl für die stationäre Pflege als auch für die ambulante Lösung gibt es gute Gründe. Als Pflegeberaterin in der SBK-Geschäftsstelle Berlin weiß ich, wie schwierig die Entscheidung im Einzelfall ist. Wo Pflegebedürftige besser aufgehoben sind, hängt sehr von den individuellen Umständen ab: Braucht der Pflegebedürftige intensive Unterstützung, fällt häusliche Pflege oft sehr schwer. Denn Angehörige können die Anforderungen körperlich, zeitlich und seelisch meist nicht dauerhaft meistern. Ambulante Dienste entlasten zwar bei der Pflege zu Hause ganz handfest, aber ersetzen keine geselligen Gespräche. Drohende Vereinsamung ist dann auch ein wichtiger Grund für den Umzug ins Pflegeheim.

Ich habe Ihnen eine Liste mit Argumenten für ein Pflegeheim und eine ambulante Versorgung zusammengestellt.
Zu Hause pflegen oder ins Heim? (PDF, 36 KB)

Hilfe durch Pflegestützpunkte

Pflegestützpunkte sind eine zentrale Anlaufstelle bei allen Fragen rund um die Pflege. Wir bieten vor Ort, telefonisch und zu Hause Unterstützung. Eine Übersicht über die bundesweiten Pflegestützpunkte gibt es im Internet.

Ein Pflegeheim entlastet Angehörige

Oft überschätzen Familienangehörige ihre Kräfte, wenn sie häusliche Pflege übernehmen: Die körperliche und psychische Belastung wird irgendwann zu viel. Mit einem Vollzeitjob ist so etwas dauerhaft kaum zu schaffen. Die zusätzlichen Belastungen für pflegende Angehörige wirken sich massiv aus: Weniger Zeit für Freunde und Hobbys, ständige Bereitschaft, körperliche Anstrengungen – all das führt zu Unruhe und Erschöpfung. Die stationäre Pflege ist da eine vernünftige Lösung.

Und auch Pflegebedürftige sind erleichtert: Sie wissen, im Heim sinkt die Belastung ihrer Familie. Ein Heim bietet geregelte und sichere Strukturen: ganztägige Betreuung, schnelle medizinische Hilfe und ein auf den geistigen Zustand der Bewohner abgestimmtes Betreuungskonzept. Ein großer Vorteil: Die pflegebedürftigen Menschen können im Heim Anschluss finden und Kontakte knüpfen. Viele Altersresidenzen bieten auch ein soziales Programm: Ausflüge, Lesekreise, Sportprogramme und Spielenachmittage.

Rechenbeispiel: Heim

Ein Heim bietet Sicherheit und im Notfall schnelle Hilfe. Pflegebedürftige Menschen können außerdem schnell Kontakte knüpfen.

Ein Pflegeheim kostet zwischen 1.800 und 4.000 Euro pro Monat. Ausschlaggebend ist der Pflegeaufwand, der je nach Pflegestufe zunimmt. Lage und Ausstattung sind ebenfalls entscheidend für die Kosten. Eine Residenz in einer Großstadt mit einer gehobenen Ausstattung ist teurer als ein Heim auf dem Land.

Eine Beispielrechnung: Ein Pflegebedürftiger ist in Pflegegrad 4 eingruppiert. Mit einem Tagessatz von 85 Euro kostet der Heimplatz pro Monat 2.635 Euro. Bei einer vollstationären Pflege zahlt die Pflegekasse 1.775 Euro. Der Eigenanteil an den Heimkosten beträgt damit 860 Euro.

Ambulante Pflege in der vertrauten Umgebung

Auch die häusliche Versorgung hat Vorteile. Der Pflegebedürftige bleibt in seiner vertrauten Umgebung. Das ist natürlich erst mal ein schönes Gefühl, aber mit zunehmendem Alter fällt ein Umzug immer schwerer – wenn man sich von langjährigen Nachbarn oder dem Ehepartner trennen muss. Bei der Pflege zu Hause bleibt das Gefühl, dazu zu gehören. Manche Angehörige haben auch die Zeit und Kraft ambulante Pflege zu bewältigen. Die Aufgabe vermittelt ihnen einen sinnvollen Lebensinhalt. Die individuellen Lebensumstände sind eben sehr unterschiedlich. Eine ambulante Pflege kann um das Drei- oder Vierfache günstiger ausfallen als ein Heimplatz.

„Abwarten hilft nicht. Mein Rat an Sie: Kümmern Sie sich rechtzeitig, um im Bedarfsfall schnell eine Lösung parat zu haben.“

-Gitta Hoffmann, SBK-Pflegeberaterin

Rechenbeispiel: Pflege durch Angehörige

Bei der ambulanten Versorgung muss sich der Pflegebedürftige nicht an ein neues Umfeld gewöhnen. Häusliche Pflege ist zudem günstiger als ein Heimplatz.

Pflegebedürftige bekommen Pflegegeld, wenn sich Familienangehörige, Verwandte, Freunde und Nachbarn ehrenamtlich um die Grundpflege und die häusliche Versorgung kümmern. Bei einem Pflegegrad 4 sind das 728 Euro. Das Geld kann komplett ausgezahlt werden.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, sich zur Unterstützung die Pflege mit einem Pflegedienst zu teilen (Kombinationspflege). Hier rechnet erst der Pflegedienst seine vereinbarten und erbrachten Leistungen ab und der Pflegebedürftige erhält dann gegebenenfalls noch ein anteiliges Pflegegeld ausgezahlt.

Unterstützung für die Versorgung zu Hause

Zahlreiche Angebote unterstützen pflegende Angehörige: Ambulante Pflegedienste kümmern sich teilweise oder ganz um die medizinische und häusliche Versorgung. Ehrenamtliche Besuchs- und Begleitdienste erledigen Besorgungen, lesen vor und hören zu. Wenn pflegende Angehörige krank sind und in den Urlaub fahren, gibt es auch dafür geregelte Lösungen. Und spezielle Kurse unterstützen, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Zu all diesen Fragen beraten wir Sie gerne. Sprechen Sie Ihren SBK-Kundenberater oder uns Pflegeberater an.

Rechenbeispiel: ambulanter Pflegedienst

Die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst hängen davon ab, welche Leistungen (Waschen, Essen zubereiten, Hilfe beim An- und Auskleiden usw.) beim Pflegedienst gebucht werden. Ein Beispiel: Ein Pflegebedürftiger ist ebenfalls in Pflegestufe II eingruppiert. Die Pflegekasse zahlt Pflegesachleistungen in Höhe von 1.612 Euro. Der ambulante Pflegedienst hilft beim An- und Auskleiden, der Toilette und beim Zubereiten des Essens. Zwei Mal in der Woche reinigt der Dienst die Wohnung und kauft ein.

Alternative Wohnformen

In Haus- und Wohngemeinschaften von Senioren helfen sich die Bewohner gegenseitig. Ambulante Pflegedienste unterstützen bei der Bewältigung des Alltags.

Eine relativ junge Alternative sind Haus- und Wohngemeinschaften von Senioren, die ihren Alltag noch gut selbstständig meistern. Jeder hat sein privates Zimmer mit den eigenen Möbeln eingerichtet. Gemeinschaftsräume, Bad und Küche werden geteilt. Die Bewohner unterstützen sich gegenseitig. Ambulante Pflegedienste unterstützen – wo notwendig – bei der Bewältigung des Alltags.

Für Menschen, die stärkere Hilfe benötigen, sind betreute Wohnpflegegruppen eine gute Lösung. Im Unterschied zu den Wohngemeinschaften ist das Pflegepersonal ständig vor Ort, organisiert den Alltag und führt den Haushalt.

Eine dritte Möglichkeit sind Mehrgenerationenhäuser. Sie sind wie Senioren-Wohngemeinschaften organisiert, nur dass hier auch jüngere Menschen leben und den älteren Mitbewohnern Hilfestellungen leisten.

Alternative Wohnformen werden staatlich gefördert: Um die Wohnung altersgerecht oder barrierefrei umzugestalten gibt es von der Pflegekasse eine Anschubfinanzierung von 2.500 Euro pro Bewohner, maximal jedoch 10.000 Euro. Außerdem bekommt jeder Bewohner pauschal 214 Euro monatlich. Eine Wohngruppe muss aus mindestens drei Personen bestehen.