Ärztelatein übersetzen

washabich.de leistet ehrenamtlichen Übersetzerservice.

Was hab ich eigentlich? Ärztliche Diagnosen sind oft gar nicht so einfach zu verstehen. Ein Team von Medizinstudenten und jungen Ärzten schafft mit dem „Übersetzungsdienst“ washabich.de Abhilfe und übersetzt medizinische Fachausdrücke. Jeder kann reinklicken, seine Diagnose hochladen und erhält eine Übersetzung in laienverständliche Sprache. Was mit einer spontanen Idee begann, ist heute ein vielgefragter Service. Die SBK-leben-Redaktion hat mit Beatrice Brülke gesprochen. Sie ist bei "Was hab' ich?" für die Betreuung des ehrenamtlichen Mediziner-Teams verantwortlich und kümmert sich um die Kommunikation mit Patienten.

Die Website washabich.de gibt es mittlerweile seit vier Jahren. Was gab den Anstoß für die Gründung in 2011?

Vielen Medizinstudenten und Ärzten geht es so, dass Freunde und Verwandte sie um die Übersetzung von „Medizinerlatein“ bitten. Wir haben uns gefragt, was die Leute machen, die keinen Mediziner kennen. Damit war die Idee zu „Was hab‘ ich?“ geboren, vier Tage später ging die Website bereits online und innerhalb von Minuten erreichten uns die ersten Anfragen.

Was wünscht sich der Patient von heute?

Der moderne Patient strebt danach, über Krankheiten, Untersuchungen und Behandlungen informiert zu sein und im Dialog mit dem behandelnden Arzt gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Er möchte seine Erkrankung verstehen, er wird mündig. Studien der letzten Jahre belegen, dass etwa 60 Prozent der Patienten ausführliche Erläuterungen des Arztes wünschen und sich an den Behandlungsentscheidungen beteiligen möchten. Studien aus den USA und Großbritannien konnten sogar zeigen, dass dieser Wandel auch gesund ist, denn gesundheitliche Inkompetenz steht mit einer höheren Rate chronischer Erkrankungen und sogar mit einer erhöhten Sterblichkeit in Zusammenhang.

Was muss sich ändern, damit Ärzte und Patienten auf Augenhöhe sprechen?

Dafür müssen wir uns zwei Fragen stellen: Wie erhält der mündige Patient die passende, für eine gemeinsame Entscheidungsfindung essenzielle Gesundheitsinformation? Und wer bringt Ärzten bei, mit der neuen Generation der mündigen Patienten umzugehen? Patienten benötigen also Angebote, die ihnen leicht verständliche Informationen liefern. Ärzte müssen lernen, patientenfreundlich zu kommunizieren – und zwar schon während ihres Medizinstudiums.

Welche Rolle spielt das Internet? Dort können Patienten heute auch googlen, was ihr Befund bedeutet.

Nein, wenn Patienten auf Google eine für sie relevante und wirklich verständliche Information finden, ist das gut. Leider ist aber meist das Gegenteil der Fall, oft macht eine Google-Recherche Angst, hilft aber nicht weiter. Auf washabich.de übersetzen wir den ärztlichen Befund des Patienten in ein leicht verständliches Deutsch, aus einer Befund-Seite können dabei zwischen drei und vier Übersetzungsseiten werden. Viele Nutzer verstehen so erstmals wirklich, was sie haben und können so ihrer Krankheit bewusster entgegentreten.

Wie bewerten Ärzte Ihren Service? Ist der Hausarzt nicht „sauer“, wenn ich seinen Befund übersetzen lasse?

Wir erhalten nicht nur von Patienten viel positives Feedback, sondern auch von den behandelnden Ärzten. „Was hab‘ ich?“ wird auch offiziell von den beiden Ärzte-Gewerkschaften Hartmannbund und Marburger Bund unterstützt. Denn als Übersetzer verstehen wir uns als Ergänzung und Partner. Wir liefern keine Diagnosen und sprechen keine Behandlungsempfehlungen aus, hierfür verweisen wir immer an den behandelnden Arzt. Mit den Informationen aus ihrer Übersetzung können die Patienten außerdem im nächsten Arzt-Gespräch gezielte Fragen stellen. Das ist besonders hilfreich, da der Arzt im Schnitt nur knapp acht Minuten Zeit für jeden Patienten hat.

Wie können SBK-Kunden Ihren Service nutzen?

Dazu können sie auf unserer Website washabich.de auf „Befund einsenden“ klicken und gelangen dann in unser „virtuelles Wartezimmer“. Dort können sie ihre E-Mail-Adresse hinterlassen und werden innerhalb weniger Tage benachrichtigt, dass sie ihren Befund einsenden können. Sobald die Übersetzung abgeschlossen ist, erhält der Patient einen Link und ein Passwort, unter dem er seinen Befund abrufen kann. Das Ganze ist natürlich anonym und kostenlos.

Wer ist das Übersetzer-Team? Guckt am Ende noch einmal ein „fertiger“ Arzt drüber?

Unsere Übersetzer engagieren sich alle ehrenamtlich für „Was hab‘ ich?“, es sind Medizinstudierende in höheren Semestern und Ärzte. Insgesamt besteht das Team aus über 1.200 Medizinern! Sie alle erhalten zu Beginn eine Ausbildung in laienverständlicher Kommunikation. Dafür werden sie intensiv durch erfahrene Übersetzer betreut, die den neuen Mitarbeiter während der ersten Übersetzungen begleiten und telefonisch Feedback geben.

Weitere Informationen

Anja und Johannes Bittner sowie Ansgar Jonietz haben "Was hab' ich?" 2011 gegründet. Inzwischen sind sie Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH.

Mehr über die gemeinnützige Institution, Tipps für den nächsten Arztbesuch oder die Möglichkeit einen Befund einzusenden gibt es auf der Webseite washabich.de.