IGeL-Angebote prüfen

Hilfsangebote im Internet nutzen.

Jeder zweite Patient bekommt beim Arztbesuch „Individuelle Gesundheitsleistungen” angeboten. Die meisten dieser selbst zu zahlenden Leistungen haben keinen nachweisbaren Nutzen. Manche schaden sogar. Um Versicherten eine fundierte Entscheidungshilfe zu bieten, betreibt der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) das Internet-Portal www.igel-monitor.de. Zwei Millionen Nutzer greifen auf dieses Portal bislang zurück. 

Schlechte Noten für individuelle Gesundheitsangebote

Das Wissenschaftler-Team des IGeL-Monitors hat inzwischen 37 individuelle Gesundheitsangebote bewertet und beschrieben. Das Spektrum reicht vom Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung bis zur Stoßwellentherapie gegen Fersenschmerz. Das Gesamtergebnis ist sehr ernüchternd: 16 dieser Untersuchungs- und Behandlungsmethoden wurden mit negativ oder tendenziell negativ bewertet. 13 Untersuchungen schnitten mit unklar und nur vier mit tendenziell positiv ab. Keine individuelle Gesundheitsleistung bekam bislang die Bewertung positiv. „Die Mehrzahl schneidet schlecht ab und hat keinen nachweisbaren Nutzen für die Patienten oder sie können sogar schaden“, fasst Dr. Peter Pick zusammen.

Nutzlose Kombi-Untersuchung

Ebenfalls tendenziell negativ ist die neueste Bewertung für die Kombi-Untersuchung aus Augenspiegelung und Messung des Augeninnendrucks. Diese Untersuchung soll helfen, den Grünen Star möglichst früh zu erkennen und zu therapieren. Die Krankheit kann im schlimmsten Fall zum Erblinden führen. „Der Nutzen wäre gegeben, wenn Sehbeeinträchtigungen tatsächlich verhindert werden. Dafür konnten wir in den wissenschaftlichen Studien keine ausreichenden Hinweise identifizieren“, sagt Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin beim MDS.

Frauen erhalten besonders viele Angebote

Nach einer repräsentativen Umfrage einer Krankenkasse erhält jeder zweite Patient beim Arztbesuch individuelle Gesundheitsleistungen angeboten. Besonders betroffen: Frauen (58 Prozent). Vermutlich weil Gynäkologen auf Rang eins der IGeL-Verkäufer stehen. An zweiter Stelle folgen Zahnärzte, an dritter Augenärzte. „Wir halten die Entwicklung auf dem boomenden Markt für bedenklich. Die Patienten werden nicht ausreichend über Nutzen und Risiken informiert. Alternativen, die von den Kassen bezahlt werden, bleiben oft ungenannt“, sagt Dr. Pick. Deshalb ist wichtig: Patienten sollten auf Bedenkzeit, Informationen und einen schriftlichen Vertrag bestehen. „Diese Leistungen sind nie dringend. Es gibt keinen Grund, sich drängen zu lassen“, erklärt Pick.

Patientenschutz stärken

Viele Versicherte fühlen sich auf dem Markt allein gelassen. Das ergab die Auswertung der Kommentare von IGeL-Monitor-Nutzern. Manche gaben an, sie seien überredet worden. Ziel der Institution: Noch mehr Patienten durch Informationen in ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen. „Bewertungen zu erstellen ist das eine. Das andere ist, dass die Bewertungen auch möglichst vielen Menschen zugänglich sind“, sagt Projektleiterin Dr. Christian Weymayr.

In der neuen Mediathek finden Nutzer Filme, in denen einzelne Top-Seller anschaulich erklärt werden. Den Anfang macht ein Film über den PSA-Test zur Prostatakrebs-Früherkennung. Zudem stellt das Team Merkblätter sowie eine App für den Arztbesuch zur Verfügung.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.igel-monitor.de