Tipps für den Umgang mit IGeL

Interview mit Heinz-Ulrich König, Fachsprecher ambulante Versorgung.

Herr König, nehmen wir mal an, Sie sind wegen starker Rückenschmerzen beim Orthopäden. Der Arzt sagt Ihnen, die Spritze mit einem zusätzlichen homöopathischen Mittel hilft viel besser als die normale Schmerzspritze – lassen Sie sich einen Extratermin machen und recherchieren erst, ob diese Leistung wirklich nützlich ist?

Das ist die klassische Drucksituation. Klar, man möchte als Patient nicht noch einmal wiederkommen. Wenn es sich um kleine Beträge von zehn bis 20 Euro handelt, ist man schnell versucht, das Angebot ungeprüft anzunehmen – da geht es mir nicht anders als allen Patienten. Aber auch kleine Beträge läppern sich. Und es gibt nur wenige wirklich nützliche IGeL.

 

 

Warum bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen einige Leistungen nicht?

Der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet, ob eine Leistung überzeugt. In dem Ausschuss sitzen Vertreter der Ärzte, der Krankenkassen und der Krankenhäuser. Was bezahlt wird und was nicht, ist eine Frage des Nutzens. Basis der Entscheidung sind immer wissenschaftliche Untersuchungen. 

Können Sie eine positive IGeL nennen?

Aus dem bisher Gesagten muss ich geradeheraus mit NEIN antworten. Allerdings kann IGeL im Einzelfall durchaus sinnvoll sein, wenn es sich beispielsweise um Reiseimpfungen, die Entfernung von Tätowierungen oder Sportuntersuchungen handelt. Diese Untersuchungen bzw. Behandlungen sind in der Regel keine Kassenleistung. Die SBK bietet Reiseimpfungen und Sportuntersuchungen übrigens als Zusatzleistungen an.

Wie verhalte ich mich als Patient, wenn mir in der Praxis IGeL angeboten werden?

Auch wenn es unbequem ist: Nehmen Sie ein IGeL-Angebot nicht ungeprüft an. Nie ist eine IGeL so dringend, dass sie sofort sein muss. Sie können den Arzt fragen, welchen Nutzen die Leistung hat und ob es wissenschaftliche Belege dafür gibt. Auch Risiken sollte der Arzt nennen. Und Vorsicht: In letzter Zeit kommt es häufiger vor, dass Ärzte Leistungen privat abrechnen, die von der Krankenkasse getragen werden!

Was mache ich, wenn ich unsicher bin?

Am besten unterschreiben und bezahlen Sie erst einmal gar nichts, sondern nehmen die Informationen mit nach Hause. Dann rufen Sie Ihren persönlichen SBK-Kundenberater an. Der weiß, welche Leistungen die Krankenkasse bezahlt und welche nicht. Er kann Ihnen auch gleichwertige Alternativbehandlungen nennen, die von der SBK bezahlt werden. Im Internet finden Sie den IGeL-Monitor. Der bewertet die gängigsten IGeL-Angebote. Leider nicht alle, dafür sind es einfach zu viele und der Markt wächst stetig. 

Recherchieren Sie selbst nach IGeL-Leistungen auf der Website IGel Monitor.