Was bringen IGeL?

Der Nutzen individueller Gesundheitsleistungen ist schwer zu durchschauen.

Individuelle Gesundheitsleistungen oder kurz IGeL: So gut wie jeder gesetzlich Versicherte kennt sie aus der Praxis. Eine Untersuchung 2015 unter 1.700 gesetzlich Versicherten hat ergeben: Jedem Dritten hat der Arzt eine IGeL angeboten – und zwar nur innerhalb eines Jahres. Das sind dreieinhalb Mal so viele IGeL-Angebote (Vorsorge- und Belastungsleistungen) wie im Jahr 2001.

Wenig Empfehlenswertes

Doch was bringen IGeL überhaupt? Nutzen sie der Gesundheit oder eher dem Geldbeutel des Arztes? Allgemeinmedizin-Professor Thomas Kühlein warnt vor schädlicher Überdiagnostik, zum Beispiel bei der Vorsorge. Und Heinz-Ulrich König, SBK-Fachsprecher für ambulante Versorgung, kennt kaum ein eindeutig empfehlenswertes IGeL-Angebot.

An der falschen Stelle kassiert

Richtig ärgerlich wird es, wenn Ärzte gar Kassenleistungen als IGeL abrechnen – und damit an der falschen Stelle, nämlich beim Patienten, abkassieren. Beispiele sind die Messung der Knochendichte bei Osteoporose, MRT am Herzen und das Einsetzen der Spirale bei unter 20-Jährigen sowie die Ultraschalluntersuchung bei Beschwerden. Auch Botoxbehandlungen können in bestimmten Fällen Kassenleistung sein.

Woher soll der Patient wissen, was eine Kassenleistung ist und was nicht? Dafür gibt es den „Einheitlichen Bewertungsmaßstab“ – die verbindliche Grundlage für die Abrechnung der Ärzte mit den Krankenkassen. Jeder kann diesen Katalog auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung einsehen. Er ist aber für Laien kaum verständlich.

Tipps für Patienten zum Umgang mit IGeL

  • Bitten Sie Ihren Arzt um eine ausführliche Aufklärung, weshalb diese Leistung für Sie notwendig und empfehlenswert ist und welche Alternativen in der Regelversorgung bestehen.
  • Bitten Sie Ihren Arzt um schriftliche Informationen und eine Bedenkzeit, sodass Sie sich in Ruhe entscheiden können.
  • Zahlen Sie nicht in Vorleistung. Versicherte müssen die Leistung nicht in bar und nicht vor Inanspruchnahme bezahlen. Auch eine Anzahlung ist keine Pflicht. Nach einer Behandlung muss der Arzt erst einmal eine nachvollziehbare Rechnung ausstellen.
  • Treffen Sie eine schriftliche Behandlungsvereinbarung, aus der die geplanten Leistungen und das Honorar hervorgehen. Gemäß Patientenrechtegesetz und Bundesmantelvertrag Ärzte § 3 Abs. 1 Satz 3 ist der Arzt dazu verpflichtet: „Leistungen, für die eine Leistungspflicht der Krankenkassen nicht besteht, können nur im Rahmen einer Privatbehandlung erbracht werden, über die mit dem Versicherten vor Beginn der Behandlung ein schriftlicher Behandlungsvertrag abgeschlossen werden muss.“

 

 

  • Wenden Sie sich an Ihren persönlichen SBK-Kundenberater, bevor Sie beim Arzt eine Leistung privat bezahlen. Bei Fragen zu einzelnen IGeL-Angeboten erhalten Sie als Kunde der SBK bei unserem Gesundheitstelefon immer eine kompetente Auskunft: 0800 0 725 725 700 0 (gebührenfrei)