Unterschätzte Gefahr: die Blutvergiftung

Schnelles Handeln kann bei einer Sepsis Leben retten.

„Du hast dich verletzt? Dann pass bloß auf, wenn ein roter Streifen auftaucht!“ Die meisten von uns haben diese Warnung schon einmal von Eltern oder Großeltern gehört: Ein roter Strich, der sich von der Wunde aus ausbildet, sei ein Anzeichen für eine Blutvergiftung (Sepsis). Das ist nicht ganz zutreffend: Der rote Streifen auf der Haut weist auf eine örtliche Entzündung der Lymphgefäße hin. Allerdings stellt er ein ernstzunehmendes Warnzeichen dar, denn die Entzündung kann sich entlang der Lymphbahn weiter ausbreiten. Tritt ein solcher Streifen im Bereich einer Wunde auf, ist ein Arztbesuch notwendig.

Wie eine Sepsis entsteht

Der Anfang kann ganz harmlos sein: So können zum Beispiel über eine Hautwunde Keime eintreten, die Wunde infizieren und – bei fehlender oder unzureichender Wundversorgung – sich im Körper ausbreiten.
Auch Infektionen innerer Organe, wie zum Beispiel eine Entzündung der Harnwege, eine Lungen- oder Hirnhautentzündung, können zur Sepsis führen.

Die zunächst örtlich begrenzte Infektion breitet sich dann über das Lymph- und Blutgefäßsystem im ganzen Körper aus. Um den Keimen Herr zu werden, produziert das Immunsystem übermäßig viele Botenstoffe. Diese bekämpfen im weiteren Verlauf nicht nur die Ursache der Infektion (z. B. Bakterien), sondern richten sich auch gegen körpereigene Zellen. Somit kommt es zu einer eingeschränkten Funktion lebenswichtiger Organe (wie z. B. Niere, Herz).

Wird die Blutvergiftung im frühen Stadium nicht erkannt und bleibt unbehandelt, verschlechtert sich der Zustand des Patienten rasch: Auf Grund der Schädigung der körpereigenen Zellen durch die Abwehrreaktion verschlechtert sich die Organfunktion, im weiteren entwickelt sich ein septischer Schock – Hierbei werden lebenswichtige Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und stellen ihre Funktion vollständig ein (Multiorganversagen). Die Sterblichkeitsrate in diesem Stadium liegt bei ungefähr 60 Prozent. 

Warnzeichen einer Sepsis erkennen

Eine Sepsis im frühen Stadium zu erkennen, ist oftmals gar nicht so einfach. Gerade zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome eher unspezifisch und können denen einer Grippe ähneln.
Folgende Symptome können auf eine Sepsis hinweisen – Sie sollten dann in jedem Fall einen Arzt aufsuchen:

  • hohes Fieber (mehr als 38 Grad Celsius) mit Schüttelfrost
  • zu niedrige Körpertemperatur (weniger als 36 Grad Celsius)
  • schnelle und flache Atmung (mehr als 20 Atemzüge pro Minute)
  • beschleunigter Herzschlag (mehr als 90 Schläge pro Minute)
  • niedriger Blutdruck (oberer (systolischer) Wert weniger als 90mmHg)
  • verminderte Urinausscheidung (Hinweis auf gestörte Nierenfunktion)
  • Bewusstseinsstörungen, Schläfrigkeit, aber auch Desorientierung und Unruhe
  • starke Kopfschmerzen und Nackensteife
  • kleine Einblutungen in der Haut
  • Verschlechterung von Symptomen, die bereits vorher im Rahmen der Infektion bestanden (z. B. Schmerzen beim Wasserlassen oder in der Flanke bei Blasen- oder Nierenbeckenentzündung)

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Ältere Menschen und Kleinkinder haben ein höheres Risiko, dass sich aus einer Infektion eine Sepsis entwickelt als Menschen mittleren Lebensalters. Das Risiko ist ebenfalls erhöht für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem: Dies kann im Rahmen einer chronischen Infektion (z. B. HIV-Infektion), unter Einnahme bestimmter Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems oder aber auch im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, COPD oder Krebserkrankungen vorliegen.

Haben Sie Fragen zum Thema? Unsere Experten vom SBK-Gesundheitstelefon helfen Ihnen gerne weiter. Doch bitte beachten Sie, dass unser erweiterter Service einen Arztbesuch nicht ersetzen kann und auch keine Ferndiagnosen gestellt werden können.

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