Was ist ein Behandlungsfehler?

Wenn Ärzte ihre Patienten nicht sorgfältig behandeln.

Ein Arzt muss seine Patienten nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft und mit gebotener Sorgfalt behandeln. Mangelt es daran, gilt das als Behandlungsfehler. Dabei wird in zwei Arten von Fehlern unterteilt:

  1. fehlerhafte Behandlung und mangelhafte Versorgung
  2. Aufklärungs-, Diagnose- und Dokumentationsfehler

Im Jahr 2013 wurden die Rechte der Patienten nochmals ausdrücklich in das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) aufgenommen.

Ihr Vertrag mit dem Arzt

Wichtig zu wissen: Der Arzt schuldet Ihnen nicht den Behandlungserfolg, sondern die Behandlung nach dem anerkannten und gesicherten Stand der Wissenschaft zum Zeitpunkt der Therapie. Der Arzt muss sich bemühen, die Behandlung einfach, schnell, angemessen und schonend durchzuführen. Das gilt ebenso für Diagnose, Beratung und Aufklärung.

Darin liegt zum Beispiel ein wesentlicher Unterschied zu einem Vertrag im Bauwesen, bei dem der erfolgreiche Bauabschluss geschuldet wird. So führt eine schiefe Trägermauer beim Hausbau in der Regel zu Schadensersatzforderungen. Anders beim Vertrag mit Ihrem Arzt: Hier stellt eine erfolglose Schmerzbehandlung noch keinen Behandlungsfehler dar, da kein Anspruch auf erfolgreiche Heilung besteht.

Aufklärung ist Pflicht

Mindestens genauso wichtig, wie die Behandlung selbst, ist eine umfassende Aufklärung im Vorfeld. In Krankenhäusern ist die schriftliche Form der Aufklärung mit Merkblättern vor allem bei Operationen üblich – sie ersetzt aber nicht die Verpflichtung des Arztes, Sie in einem persönlichen Gespräch über folgende Punkte umfassend aufzuklären:

  • Die Diagnoseaufklärung soll Ihnen den medizinischen Befund erläutern.
  • Die Verlaufsaufklärung informiert über Art, Umfang und Durchführung der Behandlung.
  • Die Risikoaufklärung stellt die Gefahren der einzelnen Behandlungsmethoden vor.

Wenn Sie zum Beispiel wegen einer Operation ins Krankenhaus kommen, wird Sie der behandelnde Arzt über Verlauf und Risiko des Eingriffs aufklären und sich dies in der Regel auch unterschreiben lassen. Selbst wenn Sie bei einem ambulanten Arzt- oder Zahnarztbesuch keine Unterschrift leisten müssen, hat Ihr Arzt dennoch eine Aufklärungspflicht. Deshalb sollten Sie fragen, wenn Sie unsicher sind. Denn Sie haben das Recht auf eine gewissenhafte Antwort.

Die Hälfte aller Vorwürfe richtet sich an die Chirurgie. Ein Vorwurf bedeutet noch nicht, dass tatsächlich ein Behandlungsfehler vorliegt. Vorwürfe entstehen oft dann, wenn im Vorfeld eines chirurgischen Eingriffs die Risiken der Behandlung nicht klar genug kommuniziert werden.

Behandlungsfehler oder nicht?

Mit den folgenden vier Beispielen möchten wir Ihnen verdeutlichen, wann ein Behandlungsfehler vorliegt und wann nicht. Bei allen Fällen handelt es sich um Behandlungen mit ähnlichen Folgen, aber unterschiedlichen Bewertungen seitens der Gutachter. Das zeigt: Entscheidend sind immer die Begleitumstände des einzelnen Falles, selbst wenn der Sachverhalt vergleichbar scheint.

Voraussetzungen für einen Anspruch auf Schadensersatz

  • Ein Behandlungsfehler muss festgestellt worden sein.
    Aber: Ein nachgewiesener Behandlungsfehler allein reicht für einen Haftungsanspruch nicht aus. Der Arzt haftet nur, wenn er gegen die allgemein anerkannten Regeln, also den aktuellen medizinischen Standard, verstoßen hat und wenn der Fehler vermeidbar gewesen wäre.
  • Ein Schaden muss vorliegen.
    Zu den Voraussetzungen für einen Haftungsanspruch zählt auch, dass dem Körper oder der Gesundheit geschadet wurde.
  • Der Behandlungsfehler muss direkte Ursache für den Schaden sein.
    Einen Haftungsanspruch können Sie Ihrem Arzt gegenüber nur geltend machen, wenn der Schaden seinen ursächlichen Grund in der fehlerhaften Behandlung hat. Der Nachweis dieser Kausalität fällt oft besonders schwer, da meist auch die Möglichkeit besteht, dass der Schaden selbst bei einer ordnungsgemäßen Behandlung hätte entstehen können.
  • Die dreijährige Verjährungsfrist muss eingehalten werden.
    Alle Behandlungsfehler verjähren nach drei Jahren ab Kenntnis oder ab grob fahrlässiger Unkenntnis. Diese liegt vor, wenn zum Beispiel trotz eines sich aufdrängenden Verdachts auf einen Behandlungsfehler jahrelang nichts unternommen wird. Spätestens 30 Jahre nach der Verletzungshandlung oder der Pflichtverletzung verjähren diese Ansprüche unabhängig von Kenntnis und Anspruchsentstehung.
  • Der Behandlungsfehler muss bewiesen werden.
    Der Betroffene hat fast immer die Beweispflicht. Er muss den Behandlungsfehler – also das Verschulden des Arztes und den Zusammenhang zwischen Behandlung und Schaden – beweisen. Einzige Ausnahme: Bei  groben Behandlungsfehlern muss der Arzt belegen, dass der Schaden nicht durch sein Handeln eingetreten ist. Ein solcher Fehler liegt vor, wenn ein Arzt deutlich gegen bewährte Behandlungsregeln und gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen hat und der dabei entstandene Fehler so unverständlich erscheint, dass er unter keinen Umständen hätte passieren dürfen.