Abwarten hilft nicht

Menschen mit psychischen Problemen benötigen Hilfe.

Nichts war mehr so, wie es einmal gewesen ist. "Ich hatte sogar Angst, ein Eis essen zu gehen", sagt Frank S. "Dazu kam diese ständige Niedergeschlagenheit. Und Trauer. Und kein Interesse. Nicht an Sachen, die mir Spaß gemacht haben, und nicht an Freunden oder der Familie."Eine Depression, wie Frank S. sie erlebt hat, ist für Betroffene eine Qual. Sie wissen nicht, was mit ihnen passiert - und wo sie Hilfe finden.

Christina Kreyenschulte, psychologische Psychotherapeutin und psychologische Beraterin bei der SBK, sagt: "Es dauert lange, bis ich als Betroffener erkenne, dass ich ein Problem habe. Jeder kennt Krisen. Ohne sie wäre das Leben arm, und aus den meisten kommen wir alleine wieder heraus." Wenn der Zustand jedoch über Wochen anhalte, Freunde als Stütze nicht mehr genügten, keine Lösung in Sicht sei, dann würde es Zeit für professionelle Hilfe.

Kostenlose Hilfe

Doch wie finden Betroffene Unterstützung? "Versicherte der SBK sollten ihren Kundenberater anrufen", rät Kreyenschulte. "Sie haben die exklusive Chance, eine kostenlose psychologische Beratung zu erhalten." Heißt: ein 50-minütiges Gespräch mit einem Experten, der den Bedarf professioneller Hilfe eruiert und bei der Frage weiterhilft, welches Versorgungsangebot - und gegebenenfalls welche Therapie - geeignet ist. "Das ist ein großer Vorteil", sagt Kreyenschulte. "Das Angebot ist wirklich niedrigschwellig." Was besonders vor dem Hintergrund der Scheu wichtig ist. Schließlich empfänden viele den Gang zum Therapeuten als Niederlage, weil sie die Probleme nicht selbst lösen könnten.

"Dabei", das betont Kreyenschulte, "sind wir im Alltag immer wieder auf die Hilfe anderer angewiesen. Wenn das Auto kaputt ist, repariert es der Mechaniker. Und wenn ich seelisch aus dem Gleichgewicht geraten bin, ist eben der Psychotherapeut der Fachmann."

Die psychologische Beratung der SBK hat aber noch einen weiteren Vorteil. Die Suche nach einem Therapieplatz kann nämlich Monate dauern: Anrufen, auf den Anrufbeantworter sprechen, warten, keinen Rückruf erhalten, doch einen erhalten, auf die Warteliste setzen lassen. Der Weg den richtigen Therapeuten zu finden, kann langwierig sein", sagt Kreyenschulte. "Mit Hilfe der psychologischen Beratung erfolgt die Suche gezielter." Wichtiges Auswahlkriterium ist zudem, dass der Therapeut zugelassen ist und so auch mit der SBK abrechnen kann.

Wer einen Therapieplatz will, braucht einen langen Atem - der sich lohnt. "Viele fragen sich: Was wird in der Therapie mit mir gemacht? Doch den Prozess gestalten Patient und Therapeut gemeinsam", sagt Kreyenschulte. Sowieso könne der Experte keine Lösung bieten. Vielmehr begleite er den Menschen und helfe dabei, zu reflektieren. Ein Besuch beim Hausarzt ist für Betroffene zwar nicht nötig. Sofern ein gewisses Vertrauen gegeben ist, kann ein Gespräch dennoch sinnvoll sein. So oder so müssen Hilfesuchende dem Therapeuten nur ihre Gesundheitskarte vorzeigen.

Was folgt, sind fünf probatorische Sitzungen. In ihnen wird festgestellt, ob eine Psychotherapie sinnvoll ist und ob Patient und Therapeut zusammenpassen. Diese Sitzungen sind für jeden Versicherten möglich, auch wenn sich herausstellt, dass die Chemie nicht stimmt. Sollte der Zusammenarbeit nichts im Wege stehen, lässt sich der Therapeut die Therapie bei der SBK genehmigen.

Dann beginnt für den Patienten die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich - von der übrigens niemand etwas erfahren muss. "Der Psychotherapeut unterliegt der Schweigepflicht", erklärt Kreyenschulte. "Viele haben die Sorge, dass der Arbeitgeber davon erfährt. Aber das ist nicht der Fall."

Jemand tut etwas für sich

Sinnvoll kann dies jedoch werden, wenn der Therapietermin mit der Arbeitszeit kollidiert. "Kluge Arbeitgeber ermöglichen dem Mitarbeiter, an einem Tag in der Woche zum Beispiel früher zu gehen", sagt Kreyenschulte. Schließlich tue der Beschäftigte etwas für sich, bevor er krankheits
bedingt ausfällt.

Unterschiedliche Ansätze und Ansprechpartner

Therapieformen

Die SBK kann die Kosten für folgende Therapieformen im Bereich der Psychotherapie übernehmen: Verhaltenstherapie, analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

Berufsbezeichnungen

Psychologische Psychotherapeuten sind Diplom-Psychologen, die eine Therapieausbildung absolviert haben. Ihre Arbeit basiert auf Gesprächen und Übungen mit Patienten, die etwa unter Depressionen, Süchten oder Zwängen leiden. Sie dürfen anders als Psychiater keine Medikamente verschreiben. Letztere sind Fachärzte, die sich vor allem um eine exakte 
Diagnosestellung bemühen und zudem mögliche körperliche 
Ursachen im Blick haben.

Weitere Hilfsangebote


Neben der Psychotherapie gibt es eine Vielzahl weiterer Versorgungsangebote: unter anderem Beratungsstellen für Ehe-, Lebens- und Familienberatungen, Krisen- und Notfallhilfen, Suchtberatungen sowie Selbsthilfegruppen, die eine Psychotherapie auch ergänzen können. Welche Angebote sinnvoll sind, besprechen Betroffene am besten mit der psychologischen Beratung der SBK.