Psychologische Beratungshotline

Interview mit Dr. Peter Tossmann, Leiter der Telefonberatung für junge Leute.

In welchen Situationen kontaktieren junge Leute die Hotline?

Dr. Peter Tossmann ist Dipolm-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut. Er leitet die Hotline seit 2013.

Die meisten rufen an, wenn es in Studium, Ausbildung oder im Beruf einfach zu viel wird – wenn sie sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlen. Am zweithäufigsten werden wir um Hilfe gebeten bei allem, was mit Beziehungen zu tun hat: Liebeskummer, Streit mit dem Partner, Trennung. Oft steht dahinter ein tiefer gehendes Problem: Angst, den Partner zu verlieren oder sich zu fest zu binden. Oder das lähmende Gefühl "ich bin es nicht wert, geliebt zu werden".

Was können Sie tun?

Wir bieten einfachen Zugang zu Hilfe. Auf ein Therapiegespräch muss man ja meist länger warten. Natürlich sind wir kein Ersatz für eine Psychotherapie. Aber viele, die anrufen, brauchen die auch gar nicht. Denen können wir mit zwei bis drei Gesprächen oder E-Mails schon weiterhelfen. Wichtig ist, dass ein gewisses Vertrauensverhältnis entsteht – das geht natürlich auch per Telefon oder Mail. Und manche suchen nur eine Information.

Können Sie ein Beispiel schildern?

Vor ein paar Wochen meldete sich ein junger Vater: Seine Frau war zusammen mit der gemeinsamen Tochter ausgezogen. Er wusste sich überhaupt nicht zu helfen. Das ist eine klassische Krise – wenn jemand da keine Unterstützung bekommt, kann sich die negative Situation verfestigen.

Was haben Sie ihm geraten?

Erst einmal, als Mittel gegen die Einsamkeit, die Freizeit organisieren: den Tag mit Aktivitäten füllen, Sport treiben, alte Freundschaften wiederbeleben. Das hat er auch ganz gut hinbekommen. Aber das reichte natürlich nicht aus. Die Probleme waren schon größer. Er hatte niemanden, mit dem er über seine Nöte reden konnte. Die einzige, mit der er das getan hatte, war ja weg: seine Frau. Und so raubten ihm die Sorgen nachts den Schlaf. Ich habe ihm dann geraten, Freundschaften aufzubauen, die tiefergehend sind und über gemeinsames Biertrinken oder Fußball gucken hinausgehen. Solche Freunde zu finden ist nicht einfach, aber sie sind sehr wertvoll, denn sie halten einen Menschen in Krisenzeiten aufrecht.

Junge Menschen suchen also in konkreten Krisensituationen Ihre Hilfe?

Letztens rief ein junger Mann an. Er war mit seinem besten Freund auf ein Rockkonzert gefahren, und plötzlich wurde der Freund richtig verrückt: Er zeigte panische Angst, sprach laut vor sich hin. Der Anrufer wusste nicht, wie er seinem Freund helfen konnte und bekam es selbst mit der Angst zu tun. Als Laie erkannte er auch nicht, dass sein Freund offenbar plötzlich einen psychotischen Schub erlitten hatte.

Wie haben Sie geholfen?

Dieser Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass bei uns nur ausgebildete Fachleute arbeiten. Denn die Symptome einer Psychose erkennt man nicht ohne Weiteres. Ich habe genau nachgefragt, was passiert ist und dem Anrufer erst mal ein Riesenkompliment gemacht: Er ist seinem Freund wirklich eine große Hilfe, schon allein dadurch, dass er sich bei uns meldet. Ich konnte dem jungen Mann dann sagen, dass der Sozialpsychiatrische Dienst seiner Stadt zuständig ist. Dort kann der Betroffene mit einem Psychiater reden und ihm wird professionell weitergeholfen. Der Anrufer war sogar bereit, seinen kranken Freund zu begleiten.

Herr Tossmann, wie können sich die jungen Leute an die Hotline wenden?

Das Wichtigste: Wir sind schnell erreichbar – jeden Werktag zwischen 15 und 17 Uhr. Über die Hotline 0800 0 725 725 777 7 oder per E-Mail hotline@beratung-hilft.de. Auf E-Mails antworten wir innerhalb eines Tages. Einzige Ausnahme: An bundeseinheitlichen Feiertagen ist die Hotline nicht besetzt.

Über E-Mail kann man uns auch aus dem Ausland erreichen. Bei Bedarf können wir auch über Video- oder Text-Chat beraten.