Weihnachten ohne Stress

So gelingt Familien ein harmonisches Fest.

Mutter und Kind schmücken einen Weihnachtsbaum

Wie häufig knallt es wirklich rund um die Weihnachtstage in deutschen Wohnzimmern? Laut einer aktuellen Umfrage des Dienstes „Statista“ berichten 28 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen, sie hätten an den Feiertagen schon mal einen großen Familienstreit erlebt.

Müssen wir nur eine bessere Streitkultur entwickeln? Therapeut Schindler hält von diesem Wort nichts: „Streit ist immer eine destruktive Form der Auseinandersetzung: Er ist mit Abwertung des Anderen, mit Vorwürfen und Aggressionen verbunden.“ Was aber dagegensetzen? Der Therapeut hat einige Tipps gesammelt, damit die stillen Tage nicht laut werden:

Aber es muss nicht gleich das ganz große Zerwürfnis sein – auch kleine Zankereien können zermürben. „Viele Patienten berichten mir von stressigen Weihnachten“, sagt Professor Dr. Ludwig Schindler. Der Psychotherapeut hat eine Paarberatungspraxis in München.

Was sind die Gründe für Knatsch zum Fest? „Wir kennen es alle: Als höchster Festtag der Familie ist Weihnachten mit großen Erwartungen verbunden“, so Schindler. „Aus diesem Erfolgsdruck resultiert ein hohes Anspannungsniveau.“ Wenn bereits das letzte Jahr schwierig verlaufen sei, würden viele Betroffene besonders argwöhnisch an die Festvorbereitungen herangehen. Zeitdruck und Stress tun ein Übriges. Dann kann es schnell zu Vorwürfen wie „Alle Arbeit bleibt an mir hängen – ist doch jedes Jahr dasselbe!“ kommen. Und schon gibt ein Wort das andere.

Gemeinsam besprechen, wie es werden soll.

Jeder stellt sich sein ideales Fest anders vor. Familien sollten rechtzeitig darüber reden – nicht erst einen Tag vor Heiligabend. „Jeder muss sich trauen, Wünsche zu äußern“, betont Schindler. Und: „Weniger ist mehr!“ Es muss kein Fünf-Gänge-Menü sein. „Glauben Sie mir: Keiner erinnert sich später daran, ob die Servietten farblich perfekt zum Geschirr gepasst haben oder nicht.“

Klare Absprachen treffen.

Auch wenn alles laufen soll wie immer, ist Absprache nötig: Wer besorgt die Weihnachtsgans, wer den Baum? Welche Geschenke für die Eltern? Wer kocht, wer packt die Geschenke ein, wer lenkt die Kinder ab?

Keinen Zeitdruck entstehen lassen.

Damit keine Hektik aufkommt, sollten Paare und Familien rechtzeitig mit den Festarbeiten anfangen. Wenn abzusehen ist, dass man es nicht schafft, frühzeitig um Hilfe bitten und Arbeiten an andere abgeben. Notfalls dürfen auch „heilige“ Dinge geopfert werden, rät Schindler. „Streichen Sie einzelne Programmpunkte – braucht es den Nachtisch wirklich?“

Erlebnis-Hygiene beachten.

Für die Feiertage gilt: Heikle Themen nicht ansprechen. „Das ist kein Heileweltmachen, sondern Erlebnis-Hygiene“, betont Schindler. „Schwierige Themen können nach dem 27. Dezember angesprochen werden.“ Wenn ein Familienmitglied dennoch auf heiße Eisen zusteuert, dürften andere durchaus das Thema wechseln. Zum Beispiel mit diesen Sätzen: „Komm, lassen wir uns nicht stressen! Aber vielleicht könntest Du mir helfen, den Tisch zu decken?“

Sich vor dem Fest bereichernde eigene Beiträge überlegen.

Wer gut vorbereitet ist, kann eine schöne Stimmung schaffen – mit positiven Gesprächen und liebevollen Gesten. Schindler: „Überlegen Sie sich vorher: Welche angenehmen Themen kann ich selbst ansprechen? Wie zeige ich dem Partner meine Zuneigung, Anerkennung und mein Verständnis? Gibt es Filme, Fotos, Spiele, die alle interessieren könnten?“

Sich positiv einstimmen.

Viele Untersuchungen belegen es: Wer positive Erwartungen hegt, wird sehr viel mehr Schönes erleben als jemand, der von Anfang an nur Schlechtes erwartet. Dabei helfen Sätze wie „Wir werden es uns schön machen!“ und „Wir kriegen das zusammen gut hin!“ Pannen gehören einfach dazu. „Wenn es etwas länger dauert, dauert es halt etwas länger!“

Die Kleinen beschäftigt halten.

Langeweile und hohe Erwartungen – eine explosive Kombination, gerade wenn Kinder fieberhaft die Bescherung herbeisehnen. Was tun, um den Kindern den Druck zu nehmen? „Halten Sie sie beschäftigt“, empfiehlt Ludwig Schindler. Wobei beschäftigt nicht nur heißt, dass man rausgehen und Programm machen muss. „Es kann auch bedeuten: Sie dürfen den Fernseher einschalten und ‚Wir warten auf das Christkind‘ schauen.“

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