Richtig abtasten

Brustkrebsfrüherkennung: MammaCare hilft, sich selbst zu untersuchen.

„Viele Frauen sind sich beim Abtasten ihrer Brust unsicher, alles richtig zu machen“, sagt Dr. Lydia Bodner, Fachexpertin Vorsorge bei der SBK. Deshalb bietet die SBK ihren Patientinnen ein spezielles Angebot: die Teilnahme an MammaCare-Kursen: „MammaCare ist bis heute die weltweit einzige, wissenschaftlich Methode, die Frauen die Untersuchung der eigenen Brust beibringt“, erklärt Lydia Bodner. Die spezielle Technik wird in einem etwa zweistündigen Kurs vermittelt. Die Teilnehmerzahl ist auf vier Frauen begrenzt, damit die Methodik erfolgreich vermittelt werden kann. Zwischen 25 und 30 Euro kostet der Kurs pro Person – je nach Kursdauer. Die SBK erstattet zwei Drittel der Kursgebühr.

Geübt wird erst einmal am Silikonmodell

Esther Wiedemann ist Pflege-Leiterin des Brustzentrums der Charité in Berlin und seit 1998 MammaCare-Trainerin.

Esther Wiedemann ist MammaCare-Trainerin und Pflege-Leiterin des Brustzentrums der Charité in Berlin: „Einige Kursteilnehmerinnen kommen schon mit Anfang 20 zu mir, weil zum Beispiel ein Familienmitglied an Brustkrebs erkrankt ist.“ Grundsätzlich empfiehlt Wiedemann: „Für Brustkrebsvorsorge kann es nie früh genug sein.“ Die Berlinerin ließ sich 2008 zur MammaCare-Trainerin ausbilden. Seitdem bringt sie Frauen bei, selbst Knoten und Verdickungen in der Brust aufzuspüren. 

„Wir arbeiten zunächst mit einem Silikonmodell – hier sind unterschiedlich große, harte und tiefe Knoten zu finden.“ Die Kursteilnehmerinnen lernen diese zu ertasten und voneinander zu unterscheiden. Dann übertragen sie die erlernte Technik auf die eigene Brust. Auch Achselhöhle und Schlüsselbein müssen sie dabei untersuchen. Mit freiem Oberkörper legen sich die Frauen dazu schräg auf die Seite. Unter Anleitung der Trainerin wird dann mit der rechten Hand die linke Brust abgetastet – und umgekehrt. 

Jeden Monat selbst untersuchen

Um das Erlernte zu verinnerlichen, heißt es für die Kursteilnehmerinnen im Anschluss: üben, üben, üben. Generell gilt: Untersuchen Sie Ihre Brust mindestens einmal im Monat – möglichst immer im gleichen Zyklusabschnitt. Denn mit dem Ansteigen der Geschlechtshormone verändert sich auch die Zusammensetzung des Drüsengewebes. „Der ideale Zeitpunkt für die Selbstuntersuchung ist fünf bis sieben Tage nach der Regelblutung“, sagt Wiedemann. Übrigens: Das Abtasten ist auch nach der Menopause notwendig, um frühzeitig Geschwulste zu entdecken. Brustkrebs gehört mit rund 70.000 Neuerkrankungen jährlich zur häufigsten Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland.  

Eigenes Abtasten ist immer sinnvoll, egal wie alt Sie sind

Wie wichtig die Selbstuntersuchung ist, zeigt die Statistik: Zwischen 80 bis 90 Prozent aller Gewebeveränderungen in der weiblichen Brust werden von den Frauen selbst entdeckt. Jede zwölfte davon ist bösartig. Obwohl das eigene Abtasten die erfolgreichste Methode zur Entdeckung von Brustkrebs ist, tastet sich nur jede vierte Frau auch tatsächlich regelmäßig ab. „Oft ist es der Partner, der eher durch Zufall einen Knoten entdeckt“, erzählt Esther Wiedemann. Häufig sei der Tumor dann aber schon recht groß. Das mache es schwieriger, ihn operativ zu entfernen. Für eine bessere Früherkennung rät die Expertin deshalb zur Teilnahme an einem MammaCare-Kurs schon in jungen Jahren: „Das gibt Frauen auf jeden Fall mehr Sicherheit.“ Denn zwischen den Tastuntersuchungen durch medizinisch geschultes Personal liegt zumeist etwa ein Jahr. Zwischen diesen Vorsorgeterminen hilft das Selbstabtasten, die Brust auf Veränderungen zu beobachten.

Zertifizierte MammaCare-Trainerinnen in Ihrer Nähe finden Sie nach einem Klick auf: www.mammacare.de

"Die Teilnahme an einem MammaCare-Kurs ermöglicht eine bessere Früherkennung und gibt Frauen auf jeden Fall mehr Sicherheit, auch schon in jungen Jahren."

-Ester Wiedemann, Pflege-Leiterin des Brustzentrums der Charité in Berlin und MammaCare-Trainerin.

Brustkrebs-Vorsorge wird bei der SBK großgeschrieben

Die SBK bietet noch eine weitere Untersuchung an, und zwar Discovering Hands. Die Organisation bildet blinde und sehbehinderte Frauen zu Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTUs) aus, die im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung eingesetzt werden. So können die Frauen ihr Handicap als Begabung einsetzen und ihren besser ausgebildeten Tastsinn nutzen.

Hintergrund MammaCare

MammaCare wurde in den 1970er Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern entwickelt. 1990 erhielten sie hierfür den US-Krebspräventionspreis. Trotzdem ersetzt MammaCare nicht die bildgebenden Verfahren wie die Sono- und Mammographie, sondern ergänzt das Spektrum der Brustkrebs-Prävention.

Kursinhalte

  • Einführung in die Anatomie und Physiologie der Brustdrüse
  • optimaler Untersuchungszeitpunkt
  • Grundlagen der Früherkennung
  • Erlernen der Tasttechnik am Silikonmodell
  • vollständiges Abtasten beider Brüste nach der MammaCare-Methode
  • visuelle Inspektion der Brust