Tun Sie Ihrem Darm etwas Gutes

Tipps für einen gesunden Lebenswandel.

Kornelia Terborg ist Ernährungsberaterin/DGE und Diätassistentin. Sie führt Beratungen in Dormagen und in den SBK-Geschäftsstellen Köln und Düsseldorf durch.

Gerne würde ich Ihnen jetzt ein klassisches Beispiel schildern: Von einem Menschen berichten, der einen überaus unvernünftigen Lebenswandel führte – dann an Darmkrebs erkrankte und zu mir in die Beratung kam. Aber die Klienten in meiner Ernährungsberatung sind keine „typischen Fälle“ - sie ernähren sich meist schon recht gesund, sind auch keine schweren Trinker oder Raucher. Und trotzdem haben einige von ihnen Darmkrebs. Was man daraus schon einmal lernen kann: Ein gesunder Lebensstil ist noch lange keine Garantie gegen Darmkrebs. Dennoch gibt es Risikofaktoren. Eine europaweite Studie (die so genannte EPIC-Studie) zeigt:

Menschen mit gesundem Lebensstil senken ihr Erkrankungsrisiko um ein Drittel im Vergleich zu denen, die nicht auf sich achten.

Übergewicht ist ein solcher Risikofaktor. Stark übergewichtige Menschen haben ein doppelt so hohes Darmkrebs-Risiko wie Normalgewichtige.

Wer sich dann auch noch wenig bewegt, steigert das Risiko weiter. Gut gegen Übergewicht und Krebs: mehr Bewegung im Alltag. Das geht schon mit kleinen, stetigen Bewegungsmomenten: beim Telefonieren aufstehen, eine bewegte Mittagspause einlegen oder weiter entfernt parken. Nach Feierabend heißt es „runter von der Couch“ - dabei unterstützt Sie die SBK mit vielenGesundheitskursen. Vielleicht lassen sie sich ja für Aquafitness oder Walken begeistern. Ich gebe über das Jahr verteilt viele Präventionskurse zur Gewichtsreduktion. Und oft höre ich von den Teilnehmern: „Warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht?“

Mit dem Rauchen aufhören lohnt sich

Wer raucht, muss damit rechnen, dass sich mehr Polypen im Darm bilden. Die können sich zu Darmkrebs entwickeln. Aber auch wer schon lange raucht, profitiert vom Aufhören. Klar – wir alle wissen, wie schwer es ist, von verfestigten Gewohnheiten wegzukommen. Deshalb unterstützt die SBK Sie, wenn Sie ein Nichtraucherseminar belegen. Nutzen Sie die Chance!

Alkohol in Maßen genießen

Regelmäßige Trinker lassen ständig ein Zellgift – eben Alkohol – in den Körper. Schon bei relativ kleinen Mengen Alkohol steigt das Risiko für eine Darmkrebserkrankung. Ein Beispiel: Bei Frauen ist das Limit nach 0,2 Litern Bier erreicht, bei Männern nach 0,4 Litern Bier pro Tag. Völliger Verzicht bedeutet für viele ein Verlust von Lebensqualität. Und ist auch nicht nötig. Vielleicht machen Sie aus Ihrem Feierabendbier ein Wochenendbier? Dann nehmen Sie schon viel weniger Alkohol zu sich.

Alltag entschleunigen

Stress sagt man ebenfalls nach, er mache krank. Aber kann er Darmkrebs auslösen? Das ist noch nicht geklärt, weil man Stress so schlecht wissenschaftlich untersuchen kann. Jeder empfindet ihn anders – was den einen belastet, lässt den anderen kalt. Stresshormone stehen in Verdacht, Entzündungsprozesse zu verstärken. Termindruck oder Ärger im Beruf oder Familie führen oft dazu, dass zuviel und ungesund gegessen, mehr geraucht oder vielleicht auch mehr Alkohol getrunken wird. So hat Stress indirekt einen Anteil an der Entstehung von Krebs.

Bitte meiden: Wurst und rotes Fleisch

Es gibt nicht "das" gute Lebensmittel, das Darmkrebs verhindert. Aber: Manche Lebensmittel sollte man meiden und von anderen mehr essen. In die Kategorie "bitte meiden" gehören Wurst und rote Fleischsorten wie Schweine- und Rindfleisch sowie Lamm. Ich empfehle, wenigstens an zwei Tagen in der Woche vegetarisch zu essen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollte man in der Woche höchstens 500 Gramm Fleisch zu sich nehmen. So viel essen manche schon in Form eines einzigen großen Steaks.

Vorsicht Zuckerbomben!

Zuckerreiche und ballaststoffarme Sachen sollten Sie auch im Regal liegenlassen, zum Beispiel Kuchen und Süßigkeiten. Aber nicht nur dort wird Zucker verwendet, leider versteckt sich Zucker auch in vielen anderen industriell hergestellten Lebensmitteln.

Ballast, der gut tut

Zu viel Zucker fördert die "falschen" Bakterien im Darm – die unserer Darmflora und der ganzen Verdauung schaden. Ballaststoffe dagegen sorgen für ein gutes Klima im Darm und lassen ihn arbeiten. Fehlen Ballaststoffe, müssen wir seltener auf die Toilette. Der Nahrungsrest bleibt länger im Darm und der Körper hat mehr Gelegenheit, mit dem Essen zugeführte Schadstoffe doch noch aufzunehmen.

Gesunde Vielfalt – Obst und Gemüse für den Darm

Jetzt zur guten Nachricht: Es gibt Lebensmittel, die unserem Darm guttun. Und zwar Obst und Gemüse. So einfach ist das. Und wissenschaftlich gestützt: Wenn Sie täglich mindestens 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst essen, dazu Vollkornprodukte, dann ist das eine sehr gute Darmkrebsprophylaxe. Dabei ist nicht so wichtig, welche Sorte Sie essen, ob nun Broccoli, Gurken, Blumenkohl, Paprika oder etwas anderes. Wichtig ist die Menge – und die Vielfalt.

Wer auf sich achtet, kann auch genießen

Völliger Verzicht auf Wurst und Süßes ist gar nicht nötig. Wenn Sie grundsätzlich gesund essen, können Sie sich auch ruhig mal eine Tafel Schokolade gönnen.

In Sachen Krebsvorsorge sollten Sie vor allem klären, ob Sie genetisch vorbelastet sind – ob also andere Familienmitglieder schon an Darmkrebs erkrankt sind. Denn dann ist das Risiko von vornherein höher und ein gesunder Lebensstil dringender geboten. Auch wenn die Verdauung Ihnen manchmal Probleme bereitet, würde ich zu einem bewussteren Leben raten. Ich weiß: Oft wirken gesundheitsfördernde Empfehlungen sehr streng und demotivieren schon im Ansatz. Deshalb möchte ich Sie ermutigen, wenigstens den einen oder anderen Punkt zu beachten und vielleicht zu verbessern. Denn auch das senkt schon Ihr Risiko und führt darüber hinaus zu einem gutem Lebensgefühl. Ihre SBK hilft Ihnen dabei auf vielfältige Weise.