Beratung bei Internetsucht

Immer mehr Menschen verlieren sich in der digitalen Welt und werden "onlinesüchtig" - mit schwerwiegenden Folgen.

Jederzeit erreichbar sein, virtuell kommunizieren, sich online einen Freundeskreis aufbauen – das Netz bietet einem viele verlockende Möglichkeiten. So praktisch der neue Lebensstil ist, er hat auch seine Schattenseiten. Denn nicht allen gelingt es, beim Medienkonsum das richtige Maß zu halten. Wie viele onlinesüchtig sind, ist auf diesem relativ neuen Forschungsgebiet bislang unklar: Studien gehen davon aus, dass von allen Nutzern bereits 3,2 % onlinesüchtig und 6,6 % gefährdet sind. Das sind weit über zwei Millionen Betroffene.

Internetsucht: Was ist das?

Internetsüchtige Menschen ziehen sich aus dem "normalen" analogen Leben zunehmend zurück. Sie verbringen ihre gesamte Zeit im Netz, manchmal bis zu zwanzig Stunden pro Tag.

Internetsucht ist als Sammelbezeichnung zu verstehen und beinhaltet eine Vielzahl verschiedener Aktivitäten im Internet, die von Betroffenen unkontrolliert beziehungsweise exzessiv genutzt werden. Haupterscheinungsformen der Internetsucht beziehen sich auf Computer-/Online-Spiele (z. B. Browsergames, Online-Rollenspiele), die Nutzung von Social Networks und Chats, das Surfen auf Erotikseiten, die Teilnahme an Online-Glücksspielen (z. B. Poker, Online-Casinos), das Ansehen und Sammeln von Videos bzw. Filmen (z. B. Streaming-Angebote), ausuferndes Einkaufen (z. B. Online-Auktionen) oder das ziellose Recherchieren und Sammeln von Informationen (z. B. Online-Informationsplattformen oder Lexika).

Kurzer Selbstcheck: Bin ich internetsuchtgefährdet?

Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt oder eine bestimmte Nutzungsdauer, die aussagt, ob jemand internetsüchtig ist. Es ist vielmehr die Summe mehrerer Kriterien, die zu einer solchen Einschätzung führen. Mit dem nachfolgenden Selbstcheck können Sie einschätzen, wie viele Kriterien auf Sie oder Ihr Kind zutreffen. Sollten mehr als drei Fragen mit ja beantwortet werden können, so könnte eine problematische PC- bzw. Internetnutzung vorliegen.

  • Beschäftigen Sie sich gedanklich häufig mit dem Internet, auch wenn Sie eigentlich andere Dinge zu tun haben?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Ihre PC-/Internetnutzung "wie automatisch" abläuft? Kommt es z. B. häufig vor, dass Sie den PC als erstes nach dem Aufstehen/ nach Hause kommen einschalten?
  • Ist Ihnen aufgefallen, dass Sie zunehmend mehr Zeit als zu Beginn mit der PC-/Internetnutzung oder dem Computerspielen verbringen?
  • Wenn Sie den PC/das Internet nicht nutzen können, verspüren Sie dann z. B. folgende Symptome: Unruhe, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit?
  • Vergessen Sie öfter die Zeit über der PC-/Internetnutzung und haben dabei das Gefühl, dass Sie das Ausmaß Ihrer Internetnutzung nicht mehr kontrollieren können?
  • Gibt es aus Ihrer Sicht negative Konsequenzen oder Einschränkungen wegen Ihrer PC-/Internet-nutzung (z. B. Konflikte, finanzielle oder gesundheitliche Probleme, Leistungseinbußen, sozialer Rückzug, Aufgabe von Hobbys)?

Beratung bei Internetsucht

Die Therapie der Computerspiel- und Internetsucht selbst ist noch ein sehr junges Behandlungsfeld, so dass deutschlandweit nur wenige Einrichtungen über spezielle Therapieangebote verfügen. Hilfe und Unterstützung finden Sie

  • über die Beratungshotline bei Verhaltenssucht der Ambulanz für Spielsucht der Universitätsmedizin Mainz, Tel.: 06131 176064 (Mo-Fr, 12 bis 17 Uhr)
  • in diversen Selbsthilfegruppen
  • in der Suchtberatung

Ihr SBK-Vorteil:

Wissenschaftlicher Hintergrund: Ambulanz für Spielsucht der Universitätsmedizin Mainz

Auf Basis langjähriger Forschungsarbeit unterbreitet die Sabine M. Grüsser-Sinopoli Ambulanz für Spielsucht an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universi-tätsmedizin Mainz seit März 2008 Angebote für Verhaltenssüchte, sowie speziell auf Computerspiel- und Internetsucht ausgelegte Therapien. Damit übernimmt sie eine Vorreiterrolle bei der wissenschaftlichen Erforschung und Behandlung der Störungsbilder Computerspiel-, Internet- und Glücksspielsucht.

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Ambulanz für Spielsucht der Universitätsmedizin Mainz